Landkreis Kaiserslautern
Wie das Telefon in die Westpfalz kam
Das Smartphone zücken, die Tasten drücken, und sekundenschnell ist man mit seinem Gesprächspartner verbunden, fast unabhängig von Zeit und Aufenthaltsort. Mehr noch: Die Sozialen Medien ermöglichen es, nahezu ohne Zeitverzug akustisch und optisch global präsent zu sein. Die Pioniere des Telefons hätten sich diese Entwicklung wohl kaum träumen lassen. Es waren nur wenige, die man zu diesen zählen kann, und alle bestanden darauf, der Erfinder des Fernsprechers zu sein.
Unbestritten ist, dass der erste Satz, der jemals über ein Telefon gesprochen worden ist, in Deutschland auf kurzer Strecke übertragen wurde. „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“, mit diesen Worte stellte am 26. Oktober 1861, vor 160 Jahren, der deutsche Physiker und Erfinder Johann Philipp Reis seinen Fernsprecher den Mitgliedern des Physikalischen Vereins in Frankfurt am Main vor. Jedoch ließ sich Reis seine Innovation nicht patentieren. Anders als Alexander Graham Bell, der seine Weiterentwicklung des „Reis’schen Telephons“ 1876 zum Patent anmeldete und so als Erfinder des Telefons in die Annalen eingegangen ist.
Neun Anschlüsse
Fünf Jahre danach erschien im Juni 1881 in Berlin das erste Telefonbuch Deutschlands mit einer Auflistung von 187 Teilnehmern. In die Pfalz kamen die ersten Apparate erst ein Jahr später. „Das erste Telefonnetz in Bayern war im August 1882 in Ludwigshafen mit neun Teilnehmeranschlüssen entstanden“, ist einer Abhandlung im Historischen Lexikon Bayerns zu entnehmen.
München folgte mit 263 privaten Anschlüssen, 67 amtlichen und drei öffentlichen Sprechstellen zum Jahresende 1883. Da der Ausbau des pfälzischen Netzes sich in erster Linie nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten richtete, kam 1889 Kaiserslautern wegen seiner industriellen Bedeutung als zweite Stadt an die Reihe.
Nach und nach waren dann auch in der Pfalz leichte Fortschritte beim Ausbau des Telefonnetzes zu erkennen. Dieser für heutige Verhältnisse langsame Ausbau erscheint einleuchtend, denn zuerst einmal mussten von und zu jeder Stadt und dort von der Vermittlungsstelle zu jedem Teilnehmer Kabel verlegt werden. Ende 1896 waren in zehn Ortsnetzen Sprechstellen in Betrieb, mit Kaiserslautern (132 Teilnehmer) und Pirmasens (162 Teilnehmer) waren allerdings nur zwei westpfälzische Städte damit ausgestattet. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts kamen in der Region Landstuhl (28), St. Ingbert (38) und Zweibrücken (84) dazu, im Jahr 1900 zudem Homburg und Kusel.
Firmen, Gasthäuser, Behörden
Diese allmählich steigende Tendenz ist auch an den folgenden „Amtlichen Verzeichnissen der Teilnehmer an den Ortstelephonnetzen des Oberpostdirektionsbezirkes Speyer“ zu erkennen. In einer Ausgabe vom Frühjahr 1918 sind aus dem Landkreis Kaiserslautern inklusive der Stadt Kaiserslautern elf „Ortstelephonnetze“ aufgeführt: Bruchmühlbach, Enkenbach, Hochspeyer, Kaiserslautern, Lampertsmühle Otterbach, Landstuhl, Mehlingen-Neukirchen, Otterberg, Schopp, Trippstadt und Weilerbach. „Die übrigen Orte mit Sprechgelegenheit“, so ist in dem Verzeichnis zu lesen, sind „nach der Buchstabenfolge unter die Ortstelephonnetze eingereiht“. In allen Verzeichnissen stehen fast ausnahmslos die Namen von Handwerksbetrieben, Fabriken, Gasthäusern und Kaufleuten, Ärzten, Rechtsanwälten, Behörden und Kreditinstituten.
In den Anfangsjahren der Fernsprechtechnik konnte der Anrufer selbst keine Verbindung zu einem anderen Teilnehmer aufbauen. Mit einem Kurbelinduktor oder einer Ruftaste musste er sich vielmehr zunächst mit dem „Fräulein vom Amt“ verbinden. Diese Damen (und Herren) in der Vermittlungsanstalt hatten eine wichtige Funktion, und der Umgang mit ihnen war unter dem Punkt „Zur gefälligen Beachtung“ ebenfalls im Telefonbuch vorgegeben. Nach der deutlichen Aufforderung, doch die richtige Rufnummer nach dem jeweils gültigen Verzeichnis und nicht nach dem Gedächtnis zu nennen und einigen Beispielen, wie die verlangte Rufnummer richtig getrennt zu sprechen sei, folgte die Bitte, klar und deutlich zu sprechen, „in den Schalltrichter, nicht über, unter oder neben denselben“.
Eine solche manuelle Weiterverbindung, oft über mehrere Stellen, war mitunter sehr zeitaufwendig und manchmal auch fehlerhaft. In der ersten Landstuhler Stadtchronik aus dem Jahr 1908 führte Ludwig Dahl, Telefonnummer 50, unter „Verkehrsverhältnisse“ als eine der Schattenseiten auf: „Die indirekten Telephonschleifen, zum Beispiel Landstuhl - Kaiserslautern - Pirmasens - Waldfischbach - Weselberg, sind ein sonderbarer Umweg, wenn man aus dem Sickinger Städtchen nach der Sickinger Höhe sprechen will.“