Kreis Kaiserslautern Wenn die Hofkater schnurren
Grün und Weiß waren am Samstagabend im Congress Center Ramstein die Farben der Fastnacht und der guten Laune. Der Karnevalverein Bruchkatze zog bei seiner ersten Prunksitzung ein As nach dem anderen aus dem Ärmel. Er manövrierte das voll besetzte Narrenhaus zielsicher durch ein fünfstündiges Programm, bei dem das Publikum immer wieder Zugaben einforderte.
An seinem fast boshaften Lachen ist Andreas Franz gut zu erkennen. Der Hofnarr der Bruchkatzen ist einer der Glanzpunkte des Abends. Bestens bekannt für seine spitze Zunge, lässt er ihr an diesem Abend wieder freien Lauf. Mitgebracht hat er keine Kristall-, sondern eine goldene Kugel, die er vor der Nase des Ersten Stadtbeigeordneten Ludwig Linsmayer (CDU) auf den Tisch stellt. Franz hat die politische Weltbühne, gesellschaftliche und internationale Herausforderungen auf dem Schirm, da kann der Blick in die Zukunft getrübt sein. „Wer hat den Mut und möcht’ erfahren, was geschieht in einigen Jahren?“, fragt er provokant und mahnt immer wieder mit erhobenem Zeigefinger: „Passt gut auf auf euer Vaterland, denn die Zukunft liegt in unserer Hand!“ „Ja, die große Politik ist sein Metier. Wir sind froh, dass wir ihn haben“, zollt Präsident Jürgen Lesmeister dem Hofnarren Respekt – auch weil er ein weiteres Mal bei der Badisch-Pfälzischen Fernsehfastnacht in Frankenthal zu erleben ist. Genau wie Heike Förch vom Karnevalverein Zweibrücken. Sie steht als „die Allerschenschd“ in der Bütt und im Kittel vor ihrem Putzwagen mit einem Mundwerk so scharf wie Chili. Harmlos, dass sie erzählt, dass Lesmeister zu ihren Auftraggebern gehört. „Bei ihm kann man vom Boden essen.“ Pause. Dann: „Da wirst du satt.“ Lebensweisheiten hat sie ebenfalls mitgebracht. „Wir müssen alle mit unseren Enttäuschungen leben. Ich muss mit meiner schlafen!“ Das Publikum tobt und grölt und klatscht und will die Sauberfrau nicht mehr von der Bühne lassen. Hoheitlicher Besuch ist auch aus dem Ausland angereist. Huldvoll grüßend betritt Queen Elizabeth, alias Gabi Braun-Hettesheimer, die Bühne und verpflichtet den Hofnarren als „Translator“ in „Oxford-Pälzisch“. Ihre Hoheit plaudert aus dem Nähkästchen der royalen Familie, glaubt, dass Trump eine Meise unterm Pony hat und schimpft auf den Brexit: „Der ist Dreckshit!“ Sie kündigt an, sollte es dazu kommen, in die Pfalz ins Exil zu gehen und: „Wenn ich hundert bin, schmeiße ich den ganzen Battle hin.“ Das Publikum zeigt sich begeistert von dem königlichen Auftritt und kommentiert die Nummer: „Klasse! Fantasievoll!“ Mit Nele Heiser steht die Kinderprinzessin des Carnevalvereins Pirmasens in der Bütt, der samt Prinzessin und Gefolge zu Gast ist. Das zwölfjährige Mädchen erweist sich bei seinem ersten Auftritt vor Publikum als Nachwuchstalent, wenn es als „gestresster Teenager“ darüber sinniert, wie es an teure Markenklamotten kommt. „Ob Diesel, Levi’s oder Nike, egal, wer Kohle hat, der hat die Wahl.“ Der Abend strotzt nur so vor Höhepunkten. Da besingt Tobias Layes als Barde den Liebreiz von Prinzessin Denise I, Denise Martin, und zeigt später gemeinsam mit Thomas Layes als Paloma-Boys-Duo, wie die „Ramschder Fasenacht“ auf Afrikanisch geht. Die Bruchkatzen-Garden brillieren von den Bambini bis hin zur Senatsgarde mit ihren Garde- und Schautänzen. „Bravo!“, ruft ein Zuschauer den Grün-Weißen Funken nach ihrem Auftritt zu. Die Leistungen der Tanzmariechen Alysha Faff und Aisha Brödel werden mit einem Schuss ins Publikum aus der Luftschlangenkanone, die der Carneval- und Unterhaltungsverein aus Landstuhl mitgebracht hat, honoriert. Zum großen Finale dürfen die acht Hofkater in Frack und mit Zylinder und einer Blume im Knopfloch kräftig „schnurren“. Im Nu stehen die Narren im Saal, ans Nachhausegehen wird kein Gedanke verschwendet.