Landstuhl
Wellnesstag für Menschen mit Beeinträchtigung im Cubo
Etwa 50 Menschen mit Schwerst- und Mehrfachbehinderungen genießen in vollen Zügen ihr Wellness-Glück. Die meisten kommen aus dem Wohnheim in Landstuhl, einige aus Kusel und Ramstein. „Alle sind nun so glücklich. Sie waren voller Vorfreude, aber Angst war auch dabei“, berichtet Petra Schweißguth. Schließlich sei das für die meisten absolutes Neuland. Sauna und Wellness kannten sie nur aus dem Fernsehen. Die Freizeitpädagogin des Landstuhler Wohnheims freut sich, dass die von ihr vor drei Jahren geplante Aktion nach Corona nun endlich stattfinden kann. „Unsere Bewohner wachsen hier und heute über sich hinaus.“
Wie Mike Shkafi, der keine Möglichkeit auslässt, um Spaß zu haben. Im angegliederten Naturerlebnisbad traut er sich mit Assistenz ins Wasser. Shkafi, der normalerweise im Rollstuhl sitzt, schafft es sogar, einige Zeit im Wasser auf seinen Beinen zu stehen. Das ungewohnte Gefühl der kleinen Kieselsteine unter seinen Fußsohlen kommentiert er freudig: „Das ist so kitzelig. Aber das Wasser ist kalt.“ Frieren muss er hingegen in der 80 Grad heißen Sauna nicht, die er gleich zweimal aufsucht. Christine Bohrer und Günter Hartmann, die sich im Wohnheim kennengelernt haben und seitdem ein Paar sind, genießen ebenso die Sauna.
Aufguss und Hüttengaudi
Das liegt auch an der empathischen Saunameisterin. „Die macht richtig Party mit den Bewohnern und tanzt sogar mit ihnen“, lobt Friederika Will vom Gemeinschaftswerk. Gabi Denzer hat sich extra für den Dienst in der Sauna gemeldet. Sie habe keinerlei Berührungsängste und der Umgang mit den beeinträchtigten Menschen bereite ihr Spaß. „Pfefferminze und Kirsche“, erklärt sie den nächsten Aufguss. „Das haben sich die Gäste gewünscht. Sie haben schon fast alle Düfte durchprobiert.“ Dann schmeißt Denzer wieder die Mucke an. Aus einer Soundbox ertönt Hüttengaudi-Musik, was den Saunisten ein Lachen aufs Gesicht zaubert. Bis alle in der Sauna Platz nehmen können, dauert es etwas. Die Hightech-Rollstühle fordern viel Raum und manche Schwitzwilligen werden von den Betreuern zu dritt aus den Stühlen auf die Bänke gehievt.
Anschließend wartet mit dem Entspannungsbecken ein weiterer Höhepunkt auf die Besucher. Im 31 Grad warmen Wasser mit Sprudeldüsen „schweben“ sie sicher und geborgen in den Armen des Personals ihrer Einrichtung. „Do geh ich nimmi raus“, sagt Mike Shkafi. „Können wir das nicht immer wieder machen?“ Als Saunameisterin Denzer am Becken vorbeiläuft, skandieren Shkafi und seine Mitbewohner „Gabi! Gabi!“, um sie ins Becken einzuladen. So hatte sich das Petra Schweißguth vorgestellt.
Gerne erneut vom Cubo-Team verwöhnen lassen
„Das tut ihnen allen so gut, medizinisch wie psychisch. Gerade für die Spastiken ist es eine Wohltat“, erklärt sie. Ihr Wunsch sei es, dass bei der Förderschule des Gemeinschaftswerkes auf der Atzel, die über ein kleines Hallenbad verfügt, zusätzlich ein Wellnessbereich mit Sauna eingerichtet werde. So könnten Menschen mit Behinderungen im angegliederten Wohnheim öfter in den Genuss solch entspannender Maßnahmen kommen. Denn so brillant die exklusive Einladung ins Cubo auf Kosten der Verbandsgemeinde war, so war es dennoch mit viel Aufwand verbunden.
40 Mitarbeiter des Gemeinschaftswerkes hatten mit vier Transportbussen die Bewohner und diverse Hilfsmittel wie Rollstühle, Liegen und Duschstühle zur Wellnessoase gebracht und sich den ganzen Tag um sie gekümmert, teilweise mithilfe von Angehörigen. Zwölf Touren waren allein für die Hinfahrt nötig. Demnächst werde man bei einem Treffen diesen Tag nochmal Revue passieren lassen. Nun könnten die Bewohner aus eigener Erfahrung berichten und ihre Bedürfnisse kundtun. Christine Bohrer sei hier als Heimbeirätin Sprachrohr aller.
Gegen Ende des ereignisreichen Tages gibt es für alle noch eine Regendusche im Cubo, bevor es wieder ins Wohnheim geht. „Wahrscheinlich werden die meisten schon im Bus einschlafen“, vermutet Schweißguth. Denn für die Menschen mit komplexen, geistigen Behinderungen war dies auch ein Kraftakt. Gerne würden alle nächstes Jahr wiederkommen, um sich von dem netten Cubo-Team verwöhnen zu lassen.