Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Weilerbach: Schäfer Drehteile fertigt nicht nur Buchsen für die Bahn

Auch der Junior mischt in der Weilerbacher Firma Schäfer Drehteile kräftig mit: (von links) Rüdiger und Jutta Scheuer mit Sohn M
Auch der Junior mischt in der Weilerbacher Firma Schäfer Drehteile kräftig mit: (von links) Rüdiger und Jutta Scheuer mit Sohn Markus vor einer CNC-Drehmaschine. Foto: VIEW

Von Generation zu Generation: Nur noch wenige Jahre, dann kann das familiengeführte Unternehmen Schäfer Drehteile sein 100-jähriges Bestehen feiern. Heute hält hier die dritte Generation das Ruder sicher in der Hand und die vierte arbeitet in der Produktion mit.

Weilerbach. Buchsen, Buchsen und nochmal Buchsen. Rohre, die ein Gegenstück passgenau aufnehmen, sind das Hauptgeschäft der Schäfer Drehteile GmbH, die schon seit 1950 ans Bundesbahnzentralamt in Speyer liefert. Auch heute noch gehört die Deutsche Bahn zu den Hauptabnehmern des Familienbetriebs, der seit fast 20 Jahren zertifizierter Q1-Lieferant ist. „Wir fertigen auch Buchsen mit Verschraubungen für Dampfloks und haben artverwandte und kundenspezifische Teile mit in unsere Produktpalette aufgenommen“, verdeutlicht Geschäftsführer Rüdiger Scheuer die Spannbreite des Portfolios. Bedient werden auch andere Kunden aus der Industrie, zumal ein Fräszentrum in den Betrieb integriert ist.

Exakt bis auf den Bruchteil eines Millimeters

Leise geht es in der Produktionshalle nicht zu. Moderne CNC-Maschinen dröhnen und zischen, Kühlschmierstoff spritzt an die Glasscheibe, wenn sich die Spindel an der Spitze des Armes dreht, um die Buchsen auf den Bruchteil eines Millimeters exakt zu bearbeiten. Im eigens dafür eingerichteten Betriebsbüro in der Produktion werden sie entsprechend einer Zeichnung programmiert. Nach einem Testlauf beginnt die Herstellung. Die Mindeststückzahl ist zehn, nach oben gibt es keine Grenze.

Das Programmieren ist die Aufgabe von Markus Scheuer, der auch sonst überall in der Produktion mit anpackt. Nach dem Fachabitur 2013 hat er eine Ausbildung zum Feinwerkmechaniker absolviert und ist danach als Fräser in die elterliche Firma eingestiegen. Nun wird er voraussichtlich im Sommer 2020 seine Meisterprüfung ablegen. „Ich wollte schon immer handwerklich arbeiten. Ich bin kein Bücherwurm“, sagt der 24-Jährige, der schon früh wusste, welche Richtung die für ihn richtige ist.

Als „Bub“ mit dem Kettcar durch die Hallen

„Schon als Bub ist er mit seinem Kettcar durch die Hallen gedüst“, erzählt seine Mutter Jutta Scheuer lachend. Sie übernimmt halbtags das Kaufmännische, während ihr Mann Rüdiger, aus Winnweiler im Donnersbergkreis stammend, seit 1995 die Position des alleinigen Geschäftsführers innehat. „Es ist wichtig, dass die Hierarchie im Betrieb stimmt“, beschreibt Jutta Scheuer das Miteinander. „Chef ist Chef“, sind sich alle einig.

1926 ging es mit einer Werkstatt los

Begonnen hat die Geschichte von Schäfer Drehteile 1926 in der Kaiserslauterer Mühlstraße. Hier gründete Jakob Schäfer eine Werkstatt mit Verkauf für Fahr- und Motorräder, die später durch eine Schleiferei und Dreherei erweitert wurde. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges fiel der Betrieb einem Bombenangriff zum Opfer, doch mit dem Wiederaufbau wuchsen die Sparten Fahrzeugbau und Dreherei. Eine Lösung für den Platzmangel fand sich 1954 mit dem Kauf des 10.000 Quadratmeter großen Grundstücks am Kreisel in Weilerbach, wohin die Produktion ausgegliedert wurde.

Auf dem damals noch völlig unbebauten Areal kamen in den Folgejahren unter der Regie von Werner Hilbrath, der die Tochter Hedy des Firmengründers geheiratet hatte, mehrere Anbauten hinzu. 3000 Quadratmeter misst heute die bebaute Fläche mit Büros, Produktion und Lager mit Krananlage. In der Packstation wird die Ware verpackt und gelangt anschließend mit Speditionen ins In- und Ausland.

Das Unternehmen beschäftigt 38 Mitarbeiter

Beschäftigt sind heute 38 Mitarbeiter in Büro, Zwei-Schicht-Produktion und Packstation. Ein Großteil davon ist dem Betrieb seit Jahren treu. „Wir haben eine Stammmannschaft, aber es ist schwer, gute, qualifizierte Leute zu finden“, macht der Firmenchef keinen Hehl aus dem sich zuspitzenden Fachkräftemangel im Handwerk. Er selbst ist Maschinenbaumeister und würde die drei Auszubildenden gerne an die Firma binden, denn: „In den nächsten fünf Jahren gehen zwölf Mitarbeiter in Rente“, blickt er in die nicht allzu ferne Zukunft.

„Qualität sichert Zukunft“ lautet der langjährige Leitspruch der Geschäftsführung. Dieser Anspruch kann mit mehreren Zertifikaten belegt werden. An weitere Anbauten denkt Scheuer nicht. „In dieser Größenordnung ist der Betrieb übersichtlich und in Ordnung. Wir investieren in neue Technik und in Maschinen, das ist klar, aber größer muss er nicht werden.“ Als Relikt aus den 1970er Jahren findet sich ein Abstechautomat am Rande der Produktionshalle, der von Hand eingestellt und bedient wird.

„Klack“ und nochmal „Klack“ fallen die abgeschnittenen Rohre stückweise in die Sammelbehälter.

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