Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Was macht der Einzelhandel im Lockdown?

 Die Fahrradwerkstatt darf der Verkaufsleiter des Fahrradladens Ramstein, Marvin Glytas, öffnen. Die Verkaufsräume sind jedoch g
Die Fahrradwerkstatt darf der Verkaufsleiter des Fahrradladens Ramstein, Marvin Glytas, öffnen. Die Verkaufsräume sind jedoch geschlossen. Das heißt aber nicht, dass kein Verkauf stattfindet.

Zum zweiten Mal müssen Einzelhändler im Landkreis Kaiserslautern wegen des verschärften Lockdowns ihre Verkaufsräume geschlossen halten. Mit welchen Konzepten sie trotzdem den Kontakt zu ihren Kunden halten, haben vier von ihnen der RHEINPFALZ erzählt.

Im Fahrradladen Ramstein läuft der Werkstattservice wie gewohnt weiter: „Die Fahrradwerkstatt gilt als systemrelevant und darf geöffnet bleiben“, erklärt Verkaufsleiter Marvin Glytas. „Wir vergeben allerdings Termine, damit die Kunden in zeitlichen Abständen vorbeikommen, um Ansammlungen zu vermeiden“, ergänzt er. Aktuell sei mit Wartezeiten von einer Woche zu rechnen. Die Verkaufsräume sind geschlossen, trotzdem geht der Verkauf weiter: „Wir haben bereits beim ersten Lockdown im Frühjahr eine Abhol- und Bringservice-Aktion ins Leben gerufen. Wir machen die Beratung per Telefon, per E-Mail oder per Video-Sprachanruf. Hat der Kunde das Passende gefunden, kann er auf dem Parkplatz vor dem Geschäft eine Probefahrt machen“, erklärt Glytas. Im Frühjahr sei das sehr gut angenommen worden: „Da hatten wir täglich vier bis fünf Termine.“ Momentan sei es etwas ins Stocken geraten, da die Leute weniger vor die Haustür gingen. Nach wie vor bestehe die Möglichkeit, Fahrräder und Zubehör im Online-Shop zu bestellen und die Räder vor Ort abzuholen. „Unser Online-Shop ist aber eher das zweite Standbein. Die meisten Leute rufen hier im Geschäft an, weil sie Wert auf den persönlichen Kontakt und die Beratung legen, um das richtige Rad zu finden“, hat Glytas festgestellt. Da die Pause genutzt werde, um die Verkaufsräume umzubauen, könne der Fahrradladen die acht Mitarbeiter dafür einsetzen und Kurzarbeit vermeiden.

Kontakt zu den Kunden halten

„Ich glaube, wenn man als inhabergeführtes Fachgeschäft immer den Kontakt zu den Kunden hält, kann man auch solche Situationen überstehen“, äußert sich Uwe Neu, Inhaber der Buchhandlung „Der Bunte Hund“ in Weilerbach mit einer Niederlassung in Otterberg, optimistisch. Angesichts der hohen Infektionszahlen sei allen klar gewesen, dass es zu strengeren Auflagen kommen würde. „Man hat im Dezember im Weihnachtsgeschäft gemerkt, dass die Leute den lokalen Handel unterstützen und sich solidarisch verhalten“, so seine Erfahrung. Nach Bekanntwerden des zweiten Lockdowns habe er sofort reagiert und einen Bestellservice eingerichtet. Die Kunden könnten ihre Bücher telefonisch bestellen und zu festgesetzten Terminen im Geschäft abholen. Daneben laufe noch der Online-Shop, bei dem die Lieferung frei Haus erfolgt. Vieles laufe über soziale Medien wie Facebook. Da der Laden geschlossen ist, entfalle das beliebte Stöbern nach Lesestoff – es werde gezielt bestellt. „Wir machen aus der Not eine Tugend und nutzen die Zeit für einige Renovierungsarbeiten“, sagt der Inhaber.

Mit Onlineversand etwas über Wasser halten

Die Notwendigkeit der aktuellen Maßnahmen stellt Jörg-Volker Häufle vom Modehaus Jörg in Enkenbach nicht infrage: „Wenn man die Geschäfte zu früh öffnet, ist das für uns Geschäftsleute auch nicht dienlich. Die Zahlen müssen drastisch nach unten gehen, damit die Leute wieder unbeschwert einkaufen gehen können. Mir nutzt keine Öffnung, bei der die Leute Angst haben, in ein Geschäft zu gehen“, meint er. Mit dem Onlineversand könne sich sein Geschäft etwas über Wasser halten: „Das ist aber nicht vergleichbar mit dem Umsatz, den wir im stationären Einzelhandel verlieren“, erklärt er. Von den versprochenen finanziellen Hilfen sei in seinem Modehaus, das bereits 115 Jahre besteht, noch nichts angekommen. Es dauere ewig, bis die ausgezahlt würden. Für Betriebe mit schwacher Finanzausstattung werde es eng. „Wir nutzen die sozialen Medien, verkaufen Gutscheine auf der Internetplattform ,kauf.nebenan.de’ und haben auf unserer Homepage eine ,Heimat-Shirt-Aktion’ gestartet“, schildert er weitere Aktivitäten, um den Umsatz anzukurbeln.

Schuhe abholen oder liefern lassen

„Man kann bei mir im Eingangsbereich Schuhe anprobieren und abholen“, sagt Silke Pletsch, Inhaberin von Schuh Pletsch in Landstuhl. „Ich weise mit Zetteln am Schaufenster darauf hin, dass die Abholung von Schuhen möglich ist und ich auch ausliefere, falls gewünscht. Man kann mich jederzeit telefonisch erreichen“, erklärt sie. Gegenwärtig sei das Geschäft in der Reduzierphase, die Wintermode müsse raus, da bald die Frühjahrsware komme. An jedem ausgestellten Modell seien als Platzhalter Nummern angebracht mit den Größen, die noch verfügbar sind. Die Kunden könnten anrufen und das gewünschte Modell bestellen. „Ich gebe auch eine Auswahl von Schuhen mit nach Hause, falls das jemand wünscht. Wir versuchen alles Mögliche, damit der Kunde irgendwie an seine Schuhe kommt, sind auch auf Facebook unterwegs“, betont sie. Trotz allen Bemühungen sei damit nur ein Umsatz von zehn Prozent des üblichen zu machen. Unfair findet sie, dass die großen Supermarktketten so viele Non-Food-Artikel verkaufen dürfen – darunter Schuhe und Textilien –, aber die Fachgeschäfte schließen mussten.

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