Mehlingen / Sembach
Was Kristina Zick und Peter Beutler sich für ihr Bürgermeisteramt vorgenommen haben
Kommunalpolitisch ist Kristina Zick noch ein relativer Neuling. Sie saß erst eine Legislaturperiode für die SPD im Ortsgemeinderat, ehe sie Anfang Juni zur neuen Ortsbürgermeisterin gewählt wurde. Lebenserfahrung aber hat die 44-Jährige reichlich. Bevor sie zugunsten ihrer Familie weitestgehend zuhause blieb, um sich unter anderem um die mittlerweile zehnjährigen Zwillinge zu kümmern, arbeitete die gelernte Bürokauffrau und studierte Sozialpädagogin in mehreren Berufen. Zunächst unterstützte sie ihren Vater in dessen Sanitär-, Heizungs- und Elektrobetrieb, dann kümmerte sie sich acht Jahre lang im Auftrag des Jugendamtes des Kreises Kaiserslautern um die Verselbstständigung von Jugendlichen. Nebenher bot die begeisterte Reiterin, die einen kleinen Offenstall betreibt, immer heilpädagogisches Reiten an. Bis vor einem Jahr war sie, die selbst Klarinette und Saxophon in der Katholischen Vereinskapelle Enkenbach spielt, auch noch im musikpädagogischen Bereich zum Beispiel in Kindertagesstätten aktiv. Sie selbst glaubt, dass sie von den vielen Erfahrungen aus diesen Jahren heute profitiere.
Jetzt kommt ein neuer Job dazu, auch wenn es streng genommen nur ein Ehrenamt ist: Ortsbürgermeisterin der 3900-Einwohner-Gemeinde Mehlingen. „Das wird für mich ein Fulltime-Job sein“, sagt Zick, anders sei das kaum zu stemmen, zumal sie in der neuen Legislaturperiode auch im Verbandsgemeinderat von Enkenbach-Alsenborn sitzen wird. Angst vor der neuen Aufgabe hat sie nicht, aber Ehrfurcht schon. „Aber ich weiß, dass ich ein ganz tolles Team hinter mir habe“, vertraut sie darauf, sich etwa bei ihrer Amtsvorgängerin und Parteigenossin Monika Rettig immer Rat holen zu können.
Jugendraum wiederbeleben
Sie hofft aber auch darauf, dass im Rat weiterhin so konstruktiv über Parteigrenzen hinweg für das Wohl der Gemeinde zusammengearbeitet wird, wie sie es in den vergangenen fünf Jahren kennengelernt hat. Als erstes angehen möchte sie die Wiederbelebung eines Jugendraums in Mehlingen. Im Haus der Vereine wäre dafür Platz. Wenn der Verein „Mehlingen hilft“ innerhalb des Gebäudes umziehen würde, könnte der Jugendtreff im Idealfall schon im Herbst im hinteren Bereich untergebracht werden. Einen Billardtisch gebe es bereits, auch Spendengelder seien bereits eingegangen.
Als „Riesenprojekt“ bezeichnet Zick, was auf Mehlingen als Schwerpunktgemeinde für Dorferneuerung in den nächsten acht Jahren zukomme. Defizite sieht sie bei der Ärzteversorgung und altersgerechtem Wohnen in der Gemeinde. In Sachen Ärzteversorgung liefen bereits Gespräche mit den Zahnärzten vor Ort, die eventuell ein Medizinisches Versorgungszentrum bauen wollten. „Das wäre etwas Tolles für Mehlingen“, findet Zick. Auch das schon geplante Neubaugebiet Dellchen II steht auf der Agenda der neuen Ortschefin, ebenso wie einige anstehende Renovierungsarbeiten, etwa an der Sporthalle. In Hinblick auf alle diese Punkte hält sie lachend fest: „Langweilig wird’s, glaube ich, hier nicht.“
Sozialer Zusammenhalt und Sauberkeit
Der soziale Zusammenhalt und die Sauberkeit im Ort nennt Peter Beutler (FWG) als zwei der Themen, die er als künftiger Ortsbürgermeister von Sembach voranbringen will. Der 42-Jährige wurde bei den Kommunalwahlen mit 79 Prozent gewählt. Er beendet damit eine SPD-Ära: 20 Jahre hatte der Sozialdemokrat Fritz Hack die Geschicke der Gemeinde gelenkt. Hack trat nicht mehr an, doch seinem Parteikollegen Sascha Rudolph, der seine Nachfolge antreten wollte, gaben nur 21 Prozent der Wähler ihre Stimme. Die Freien Wähler mit Beutler an der Spitze sind mit zehn Sitzen auch die stärkste Kraft im Gemeinderat. Die CDU und die SPD sind mit jeweils drei Mandaten gleichauf. „Es sind jetzt wieder mehr junge Leute nachgerückt, was ein Verdienst unseres FWG-Teams ist“, sagt der alleinerziehende Vater eines 15-jährigen Sohnes. Erste kommunalpolitische Erfahrung hat er bereits in früheren Jahren im Gemeinderat sammeln können, auch wenn er in der letzten Legislaturperiode nicht Mitglied in diesem Gremium war. Zum ersten Mal ist er allerdings auch im Verbandsgemeinderat vertreten. Es habe ihn gefreut, dass er dort vom 23. Listenplatz auf den neunten gewählt wurde.
Beutler, der in der Personalentwicklung bei den US-Streitkräften in der Kleber Kaserne Kaiserslautern arbeitet, möchte die Menschen in der Gemeinde mit verschiedenen Aktionen wieder mehr zusammenbringen. „Vereine sind hier schon vorhanden, aber es muss noch mehr Aktivität angestoßen werden“, findet der künftige Ortschef. Der Musikverein mache eine tolle Arbeit und dass der Kegelverein jetzt auch ein Angebot für junge Leute mache, sei toll, nennt er positive Beispiele.
Die Freien Wähler hatten im Mai ein Spielplatzfest organisiert, von dessen Spendenerlös eine große Spielzeugkiste angeschafft wurde. Diese komme bei Klein und Groß gut an, berichtet Beutler, der sich auch darüber freut, dass sich diese durch Spenden inzwischen immer mehr gefüllt hat. Für Jugendliche soll noch ein Bolzplatz geschaffen werden, gibt er einen Ausblick.
Zweite Stelle für Gemeindearbeiter
Das zweite Thema, das dem 42-Jährigen am Herzen liegt, ist die Sauberkeit in den 1156 Einwohner zählenden Ort und im Gewerbegebiet. Dort werde von den Lkw-Fahrern, die dort übernachteten, viel Müll hinterlassen. Eine zweite Vollzeitstelle für einen Gemeindearbeiter habe der alte Rat bereits genehmigt. Diese solle jetzt so schnell wie möglich ausgeschrieben werden.
In seiner Freizeit geht der künftige Ortschef gern auf Konzerte. Zurzeit freut er sich auf Gringo Mayer & Seine Kegelband, die demnächst Pfälzer Blues in der Kaiserslauterer Kammgarn spielen. Sein anderes Hobby, der Fußball – er hat eine Trainerlizenz – werde allerdings in der nächsten Zeit ruhen müssen, so Beutler, der bei der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats Ende August sein Amt antritt. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits. So habe er sich im Kindergarten und bei den Gemeindearbeitern vorgestellt. Mit seinem Vorgänger Fritz Hack, der ihn sehr unterstütze, mache er zurzeit eine Übergabe. Zusammen seien sie auch schon bei der VG-Verwaltung in Enkenbach-Alsenborn gewesen, um ihn dort vorzustellen.
Die Serie
In unserer Serie „Neu im Amt“ stellen wir in loser Folge die Ortsbürgermeisterinnen und Ortsbürgermeister im Kreis vor, die diesen Posten nun ganz neu übernehmen.

Wahlen Rheinland-Pfalz 2024: So hat die Pfalz gewählt
Verfolgen Sie live den aktuellen Stand der Auszählungen in unseren interaktiven Karten und Grafiken: Oberbürgermeister, Bürgermeister, Gemeinderäte, Kreis- und Stadträte, Bezirkstag - bei den Wahlen am 9. Juni könnte die Kommunalpolitik in Rheinland-Pfalz umgekrempelt werden. Foto: dpa /Jacob Schröter