Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Was in der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach 2022 ansteht

Das Freizeitbad Azur in Ramstein-Miesenbach hat nicht nur für Freizeitschwimmer eine große Bedeutung, sondern auch für Schulen u
Das Freizeitbad Azur in Ramstein-Miesenbach hat nicht nur für Freizeitschwimmer eine große Bedeutung, sondern auch für Schulen und Vereine in der Region. Die Frage, ob und in welchem Umfang das Bad saniert werden kann, wird die Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach auch 2022 noch beschäftigen. Die Außenhülle des Bads stammt noch aus dem Jahr 1970. 1986 wurde es für fünf Jahre geschlossen und erstmals generalsaniert.

Solide Finanzen und das 50. Jubiläum ihres Zusammengehens: Die Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach hat im kommenden Jahr einiges zu feiern, freut sich Bürgermeister Ralf Hechler (CDU). Die rund 20 Millionen Euro teure Sanierung des Freizeitbads Azur ist wegen fehlender Förderzusagen vom Land ins Stocken geraten. Angepackt wird dagegen der Neubau der Feuerwache in Ramstein.

Herr Hechler, wie haben Sie das vergangene Jahr unter dem Eindruck von Corona erlebt? Was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn, wenn Sie an 2021 zurückdenken?
Ralf Hechler: Ich denke daran, was von Verwaltungsseite alles organisiert werden musste. Die Mitarbeiter hier in der Kernverwaltung, in den Stadtwerken, dem Kanalwerk und bei der Feuerwehr wurden, wo es ging, ins Homeoffice geschickt oder in Gruppen eingeteilt. Schwierig war die Situation für die Mitarbeiter, die zwingend Kundenkontakt haben, wie zum Beispiel bei der Meldestelle, den Erzieherinnen unserer kommunalen Kitas und den Betreuerinnen an den Schulen. Die latente Angst, sich anzustecken, der Druck und jetzt die Diskussionen darüber, wer geimpft ist und wer nicht: Das hat was mit den Leuten gemacht. Diese Auswirkungen werden sich mit der Zeit zeigen.

Wie hoch ist denn die Impfquote bei Ihren Mitarbeitern?
Hier in der Verwaltung liegt sie bei knapp 90 Prozent, bei den Werken sogar darüber.

Haben sich denn mehr Mitarbeiter in den vergangenen Monaten krank gemeldet?
Nein, da mache ich meinen Leuten ein großes Kompliment. Was mich persönlich sehr geschmerzt hat, war, dass ich einige in Kurzarbeit schicken musste. Betroffen war vor allem das Freizeitbad Azur und unser Congress Center. Zum Teil konnten wir die Mitarbeiter aber an anderer Stelle einsetzen. So haben zum Beispiel Azur-Angestellte unsere Ordnungskräfte bei den nächtlichen Streifengängen unterstützt. Einige haben jetzt sogar eine Ausbildung zum „Mitarbeiter im Vollzugsdienst“ absolviert.

Masken, Desinfektionsmittel, Plexiglasscheiben, häufigeres Putzen und Kontrollen: Was hat die Verwaltung denn die Pandemie-Maßnahmen im vergangenen Jahr gekostet?
Die Maßnahmen haben uns gut 180.000 bis 200.000 Euro gekostet. Der Kreis hat dafür vom Land eine Aufwandsentschädigung von 25 Euro pro Einwohner bekommen. Davon wurden auf meine Anregung im Kreistag hin elf Euro pro Einwohner an die Verbandsgemeinden weitergegeben. Mit der Summe, die wir davon erhalten haben, kommen wir ganz gut hin.

Gibt es auch etwas Gutes, was Sie aus der Zeit mitgenommen haben?
Ja, wir haben seit dem letzten Lockdown eine digitale Rathaus-Sprechstunde auf Facebook und Youtube immer samstags, wenn neue Verordnungen gekommen sind, angeboten. Der Erste Beigeordnete Marcus Klein und ich haben dann immer eine Stunde ’zig Fragen der Bürger beantwortet und Auslegungen erklärt. Das wird nach wie vor gemacht und wir erreichen damit tausende von Interessierten!

Was sind denn, abgesehen von der Pandemie, die großen Themen im nächsten Jahr?
Als eine der größten Investitionen steht der Umbau unserer Feuerwache in Ramstein an. Sie ist vor 40 Jahren eingeweiht worden. Das Dach ist undicht, es wird jetzt saniert. Daneben wird die Atemschutzwerkstatt, in der die Atemmasken gereinigt und gewartet werden, erweitert und den neuesten Erfordernissen angepasst. Ganz neu gebaut wird eine Atemschutz-Übungsstrecke, auf der die Helfer den Ernstfall proben können. Sie steht dann allen Feuerwehren im Landkreis zur Verfügung. Die drei Maßnahmen zusammen kosten rund 1,3 Millionen Euro. Dazu gibt es einen Zuschuss vom Land von rund 530.000 Euro.

Die Moorbachtal-Grundschule in Steinwenden bekommt einen Anbau, da es in Zukunft mehr Kinder gibt, die die Schule besuchen werden. Schon dieses Jahr sind statt zwei, drei erste Klassen an den Start gegangen. In der Nachbarschaft gibt es das große Neubaugebiet „In den Hasenwiesen“, so dass wir glauben, dass der Bedarf zukünftig da ist. Für die Erweiterung nehmen wir 1,7 Millionen in die Hand. Auch dafür gibt es Zuschüsse vom Land, so dass wir uns das ohne Probleme leisten können. Gut 2,3 Millionen Euro werden wir für Lüftungsanlagen an allen Schulen, die in Trägerschaft der Verbandsgemeinde sind, im kommenden Jahr ausgeben. Und dann haben wir ja noch unser Freizeitbad Azur.

Das Land hat vor ein paar Wochen überraschend angekündigt, dass es die rund 20 Millionen teure Sanierung des Bades anstatt mit vier nur noch drei Millionen Euro fördern will. Was ist da in den Gesprächen in Mainz schief gelaufen?
Wir fühlen uns inzwischen vom Land hingehalten und würden uns mehr Entgegenkommen wünschen. Ob die Wirtschaftlichkeit eines so teuren Umbaus unter diesen Umständen noch gegeben ist, muss neu berechnet werden. Wir sind stolz darauf, dass unsere Verbandsgemeinde nicht verschuldet ist. Doch stellt sich die Frage, ob ein so hoher Betrag mit geringeren Zuschüssen zu stemmen ist, denn die VG trägt die laufenden Kosten für das Bad ganz alleine. Wir haben zurzeit drei Millionen Euro in der Kasse, aber die fehlenden Gelder müssten über Kredite finanziert werden. Je geringer dieser Anteil durch Förderungen wird, desto besser. Andere Bäder in Simmern oder in Bad Kreuznach haben kürzlich entsprechende Förderungen vom Land erhalten. Bitte nicht falsch verstehen, ich gönne das jeder Kommune. Aber wir haben hier gute Argumente für die Sanierung des Bads vorgetragen und in der Vergangenheit schon Vorarbeit geleistet. Voraussetzung für Förderungen bei Sanierungen ist die Verringerung der Wasserflächen im Bad. Durch die bestehende Bäder-Kooperation mit Landstuhl und der Schließung deren Allwetterbades haben wir diese Forderung für den Bereich Ramstein-Landstuhl bereits vor Jahren erfüllt!

Wir sind das einzige Hallenbad im Kreis, das Schulschwimmen anbieten kann. Das Bad ist wichtig für die Vereine wie die DLRG als Trainingsstätte. Nicht zuletzt haben wir 20 Angestellte im Bad und gehören zu den wenigen, die noch ausbilden. Wir haben wegen der Unsicherheit jetzt schon Probleme, Mitarbeiter zu finden, weil sich alle fragen, wann das Bad wegen der Renovierung geschlossen werden muss.

Gibt es Alternativen?
Eine Möglichkeit wäre, ausschließlich die Technik des Bads zu sanieren. Diese ist durch 30 Jahre Dauerbetrieb absolut marode. Das würde acht bis neun Millionen Euro kosten und ist zwingend notwendig, um den Badebetrieb weiter gewährleisten zu können. Doch das halten wir für ein Sterben auf Raten. Denn über kurz oder lang muss die Hülle um die Technik, sprich das Bad in seiner Gesamtheit, ja doch erneuert werden.

Was wünschen Sie sich für das kommende Jahr?
Ich bin stolz auf unser 50. Jubiläum der Verbandsgemeinde. Der Zusammenschluss datiert offiziell am 15. Dezember 1971 – aber der erste Verbandsgemeinderat wurde im April 1972 gewählt. Daher feiern wir die 50 Jahre auch im April oder Mai mit einer historischen Sitzung. Damals hat man sich nicht so als Einheit gesehen, inzwischen sind wir zu einer Solidargemeinschaft zusammengewachsen. Wir stehen finanziell gut da. Ich wünsche mir, dass das so bleibt. Wir haben ein gutes Arbeitsklima im Verbandsgemeinderat und arbeiten sehr lösungsorientiert zusammen. Mein Motto lautet: Es ist egal, wer den Vorschlag macht. Hauptsache, es kommt was Gutes für die Bürger dabei heraus.

Ralf Hechler
Ralf Hechler
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