Kreis Kaiserslautern Was hat Linden mit Leipzig gemein?

Die Winterlinde ist der Baum des Jahres 2016. Damit hat die Berliner Stiftung „Baum des Jahres“ einen Allerweltsbaum gekürt. Einen Baum, der wie kein anderer die Landschaften und Orte prägt und der vielen Straßen, Kneipen und Orten zum Namen verholfen hat. Die Winterlinde folgt dem Feldahorn als Jahresbaum. Die Sommerlinde trug den Titel bereits 1991.
Was hat es auf sich mit der Winterlinde, mit Tilia cordata, die genau wie die Sommerlinde, Tilia platyphyllos, 1000 Jahre alt werden kann? Eine ganze Menge! War sie doch schon vor den Eiszeiten in Europa heimisch und in der Eichenmischwald-Zeit, datiert etwa auf 5500 bis 2500 vor Christus, weit verbreitet. Die einwandernde Buche hat mit der Ulme auch die Esche und die Linde in unseren Wäldern zurückgedrängt. Im Pfälzerwald sind zumindest die Sommerlinden noch gut vertreten. Beide Lindenarten können aufgrund ihrer niedrigen Ansprüche gut mit dem Klimawandel leben, was ihnen im Wald durchaus wieder eine Zukunft bringen kann. In den Städten und Dörfern wird dagegen, wenn es sich um eine Neuanpflanzung handelt, doch eher die dürreresistente und gegen Abgase unempfindlichere Silberlinde bevorzugt. Zurück zum Baum des Jahres, zur Winterlinde. Der Zusatz „Winter“ ist den Bienen geschuldet. Im Gegensatz zur Sommerlinde, die Mitte Juni ihre Blüten öffnet, beginnt die Winterlinde nicht vor Juli mit der Blüte und versorgt so die Honigbienen in einer Zeit, in der nicht mehr allzu viel blüht und die meisten Nahrungsquellen schon versiegen. Das kommt natürlich auch Hummeln und Co zugute. Was den kleinen Honigfliegern recht ist, ist dem Menschen manchmal nicht geheuer. Der Honigtau tropft als Zuckerwasser aus den Kronen der Linden. Eine klebrige Angelegenheit. Mit Blick darauf, dass viele große alte Linden am Straßenrand, in der Dorfmitte, vor der Kneipe thronen, kann ein darunter geparktes Auto anschließend schon mal eine Wäsche gebrauchen. Kaum eine Baumart begleitet die Menschen so innig wie die Linde. Allein die herzförmigen Blätter machen sie seit Jahrhunderten zum Baum der Liebenden, zum Baum, der sich in alten Volksliedern und Bräuchen immer wieder findet. Sie war ein gefundenes Objekt für Literaten und sie dient bis heute, als Lindenblütentee getrunken, dem Wohlbefinden. Holz und Bast der Linde sind weich und geschmeidig und werden deshalb gerne in der Bildhauerei, Schnitzerei und beim Körbemachen verwendet. Schon die alten Römer wanden ihre Kränze aus Lindenbast und verarbeiteten die Blätter zu Arznei. Bei den Germanen besaß jedes Dorf im Mittelpunkt eine Linde, ein Treffpunkt für Liebende, für Trauungen, für die Rechtsprechung – für einfach alles. Viele Städte und Ortschaften und Flurnamen schmücken sich heute noch immer mit der „Linde“, so auch Linden in der Verbandsgemeinde Kaiserslautern-Süd, das damit auf derselben Ebene steht wie die große Stadt Leipzig, deren Name ebenfalls auf die Linde zurückgeht.