Weilerbach
Was Briten und Englandfreunde im Kreis Kaiserslautern zum Tod der Queen sagen
„Wir sind einerseits sehr traurig. Die Queen war eine sehr wichtige Person, unser Commander und Chief“, sagt der Brite Jolyon Goodwin, Leiter der Pressestelle der Nato, die ihren Sitz auf der Airbase Ramstein hat, zum Tod der Monarchin. Rund 80 britische Nato-Angehörige – Ehefrauen und Kinder mitgerechnet – leben in Ramstein und Umgebung. Andererseits habe Elisabeth II. ein unglaublich erfülltes Leben gehabt. Das gelte es auch zu feiern, so der Nato-Angehörige. Für die Briten sei am Montag, wenn die Königin in einer feierlichen Zeremonie beigesetzt wird, Feiertag. Es sei keine Schule, weiß Goodwin, dessen Ehefrau an der britischen St. David’s Primaryschool in Ramstein arbeitet. Wird er sich die Beerdigung am Montag im Fernsehen ansehen? „Sicher, wenn es mir möglich ist“, so der Pressemann.
„Großmutter der Nation gewesen“
„Die Engländer haben ihre Queen geliebt. Sie ist die Großmutter der Nation gewesen und alle sind tief betrübt, dass sie jetzt nicht mehr da ist“, beschreibt Helga Fuhrmann die Stimmung in Weilerbachs Partnergemeinde Kingsbridge, das rund 400 Kilometer entfernt von London liegt. Gerade vor zwei Wochen ist sie mit einer Gruppe von einem Besuch dort zurückgekehrt. Kurz nachdem bekannt war, dass es der 96-jährigen Monarchin gesundheitlich nicht gut geht, seien die Nachrichten in ihrer Whatsapp-Gruppe hin- und hergegangen, berichtet die 67-Jährige. Die Englandbegeisterte koordiniert die Partnerschaft der Ortsgemeinde Weilerbach mit der 6000-Seelengemeinde in der Grafschaft Devon bereits seit 30 Jahren. In dieser Zeit sind tiefe Freundschaften entstanden, jede Woche wird telefoniert. Bei allen wichtigen Ereignissen, wie den Hochzeiten der Kinder, sind die Familien aus Kingsbridge dabei.
Wie Charles als neuer König bei den Briten ankommt? „Er und seine Schwester Anne gelten bei der Bevölkerung als sehr fleißig mit ihren vielen Charity-Projekten. Aber ob Charles mal so beliebt wird wie seine Mutter?“, fragt sich die Weilerbacherin. „Wer das 70. Thronjubiläum erlebt hat, der hat eine Vorstellung bekommen, wie begeistert die Briten von ihrer Queen waren“, schildert Fuhrmann, die dazu in diesem Sommer eine private Reise nach London gemacht hatte. „Überall die weiß-rot-blauen Fähnchen, in jedem Pub war was los.“ Tiefen Eindruck hinterlassen hat bei der 67-Jährigen auch, wie aufwendig die Engländer ihre Häuser und Gärten anlässlich des Thronjubiläums geschmückt hätten. „Das war nicht nullachtfünfzehn. Die Leute haben sich sehr viel Mühe gegeben, Souvenirs, Bilder, Teller und Blumen ganz liebevoll arrangiert“, erinnert sich Fuhrmann. Dazu habe es einen Wettbewerb der lokalen Verwaltung gegeben, bei dem die am schönsten dekorierten Häuser prämiert wurden.
Mehrere Male der Queen ganz nah gekommen
Zwar nicht persönlich gesprochen und die Hand geschüttelt, aber doch bei einigen Gelegenheiten der Queen ganz nah gekommen ist Jean Turrell, Helga Fuhrmanns Gegenpart, die Partnerschaftskoordinatorin in Kingsbridge. Vor 40 Jahren hat die Monarchin, die vergangene Woche mit 96 Jahren auf ihrem Sommersitz Balmoral in Schottland starb, das Örtchen Kingsbridge besucht. Sie erinnere sich noch gut daran, wie sie mit den anderen Dorfbewohnern an der Straße stand und ihr mit einer Englandflagge zuwinkte, so Turrell. Zehn Jahre später dann sei die Queen bei einer Landwirtschaftsausstellung in Devon gewesen. „Sie war eine unglaubliche Person, den Menschen sehr zugewandt, sehr volksnah“, erinnert sich die 80-Jährige. „Kein Vergleich zu Politikern, die oft von Sicherheitskräften komplett abgeschirmt sind.“ Vor vier Jahren war dann ein ganz besonderer Tag für Turrell: Sie war bei einer Gartenparty der Queen im Buckingham Palast in London zu Gast. „Hunderte ganz normale Leute hatte sie zum Tee eingeladen. Es war ihre Art mit ihrem Volk in Kontakt zu kommen“, schildert die Britin. Elisabeth II. und Prinz Philip, ihr Sohn Edward, der Earl of Wessex, und seine Frau Sophie seien im Garten herumspaziert und hätten sich ganz zwanglos mit den Gästen unterhalten. Die Queen sei zwar von ihrer Statur her sehr klein, habe aber eine unglaubliche Ausstrahlung gehabt, schildert Turrell. Wegen der vielen Leute habe es leider nicht geklappt, dass sie der Monarchin persönlich die Hand geben konnte, trotzdem sei dieser Tag eine herausragende Erfahrung für sie gewesen.
Der Tod der Queen sei ein Ereignis, das in ihrer Heimat alle Menschen jeden Alters sehr berühre. Sie selbst könne sich noch an den Todestag von Elisabeths Vater, König George VI., erinnern. Ein Erlebnis, dass sie schon als Kind als einschneidend empfunden habe: „Ich war elf Jahre alt, als er starb. Als ich aus der Schule nach Hause kam, fand ich meine Eltern aufgelöst in Tränen.“ Mit ihrem Ehemann und den Enkelkindern wird sie am Montag, die Beerdigung im Fernsehen verfolgen.