Otterbach RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Stefan Kölbel als Ortsbürgermeister zurücktritt

Otterbach verliert sein Gemeindeoberhaupt: SPD-Ortsbürgermeister Stefan Kölbel tritt zum Monatsende zurück. Innerhalb von drei M
Otterbach verliert sein Gemeindeoberhaupt: SPD-Ortsbürgermeister Stefan Kölbel tritt zum Monatsende zurück. Innerhalb von drei Monaten muss ein Nachfolger gewählt werden.

Erneut steht im Landkreis Kaiserslautern eine Ortsbürgermeisterwahl außerhalb der Reihe an: In Otterbach tritt Stefan Kölbel zum Monatsende zurück. Was den SPD-Mann zu diesem Schritt bewogen hat.

Stefan Kölbel steht seit der Kommunalwahl 2019 an der Spitze der 4050-Einwohner-Gemeinde, immerhin der siebtgrößten im Landkreis Kaiserslautern, gemessen an der Anzahl der dort lebenden Menschen. Mit 53,28 Prozent der Stimmen war der Architekt, der in Kaiserslautern aufgewachsen ist und zum Zeitpunkt des Urnengangs erst dreieinhalb Jahre in der Lautertalgemeinde lebte, zum Nachfolger von Herbert Matz gewählt worden, der aus Altersgründen nicht mehr angetreten war. Voller Enthusiasmus ging Kölbel damals an seine neue Aufgabe, wollte Otterbach „mit Herz und Verstand“ weiterentwickeln und in dem langgezogenen Dorf ohne echten Mittelpunkt eine „lebendige Ortsmitte“ schaffen. „Mich reizt die neue Aufgabe“, freute sich der selbstständige Architekt damals im Gespräch mit der RHEINPFALZ auf sein neues Amt.

Keine Querelen oder parteipolitisches Hickhack

Doch heute – drei Jahre später – ist er ernüchtert: „Die vergangenen beiden Jahre waren eine Katastrophe“, bekennt Kölbel. Wie er erläutert, haben ihn – im Gegensatz zu anderen Amtskollegen – aber keineswegs innerörtliche Querelen oder parteipolitisches Hickhack zermürbt: „Ich hatte mein Amt gerne inne. Die Zusammenarbeit mit Verbandsbürgermeister Harald Westrich war toll. Ebenso mit meinem Partner Holger Jung, dem Ortsvorsteher von Sambach.“ Auch die Arbeit im bunt gemischten Ortsgemeinderat, in dem die SPD sieben, die CDU sechs, Grüne und FWG je drei Sitze und die Liberalen ein Mandat haben, sei „angenehm“ verlaufen. „Wir haben zwar auch mal über Themen gestritten, aber immer einen guten Konsens gefunden.“

Was Stefan Kölbel jedoch zunehmend überforderte, war seine Dreifachbelastung, wie er sagt: Der 64-Jährige ist neben seinem Ehrenamt als Ortsbürgermeister auch Inhaber eines Architekturbüros und einer Bauträgerfirma. Schon Corona habe ihn wegen Krankheitsausfällen und Personalengpässen durch Quarantäne stark gefordert.

Es fehlt hinten und vorne die Zeit

Doch mit Beginn des Ukrainekriegs sei alles erst so richtig schlimm geworden: „Die Welt ist aus den Fugen geraten“, sagt Kölbel, der seit Frühjahr in seinen Firmen mit massiven Lieferschwierigkeiten, fehlendem Material und steigenden Preisen zu kämpfen hat. „Der Zeitaufwand für die Beschaffung aller notwendigen Materialien für die von mir betreuten Bauvorhaben hat sich unheimlich erhöht. Zudem müssen wir jetzt zu Preisen bauen, die wir vor einem halben Jahr nicht hatten, müssen versuchen, das irgendwie zu kompensieren. Das alles ist mit einem gigantischen Aufwand verbunden“, schildert er die „extreme Veränderung“ in seinem Hauptberuf.

Hinzu kommt das Ehrenamt als Ortsbürgermeister einer großen Gemeinde, in der unter anderem ein Kita-Neubau und ein Neubaugebiet geplant sind. „Auch hier sind die Anforderungen deutlich gestiegen“, berichtet Kölbel. „Etwa weil wir als Gemeinde Gelder für Projekte gekürzt bekommen. Dann werden immer wieder Anträge mit umfangreichen Begründungen fällig“, schildert er die aus seiner Sicht „überbordende Bürokratie“, die ein Ortsbürgermeister im Ehrenamt und neben seinem Beruf bewältigen müsse. „Eigentlich müsste das bei Gemeinden von der Größe von Otterbach ein Hauptamt sein“, findet Kölbel. „Nebenher ist das einfach nicht mehr machbar. Es fehlt hinten und vorne die Zeit, sich so in die Materie einzuarbeiten und hineinzuknien, wie es nötig wäre.“ Zumal zur Bürokratie noch eine Vielzahl von Bürgeranfragen sowie eine Vielzahl von abendlichen Sitzungen und Veranstaltungen kämen, bei denen der Ortsbürgermeister präsent sein müsse.

Noch kein Nachfolger in Sicht

Nach drei Jahren auf dem Posten sei er daher „nach intensivem Familienrat“ zu der Erkenntnis gelangt, „dass ich den drei Arbeitsteilen in meinem Leben nicht mehr so gerecht werden kann, wie ich das eigentlich gern möchte und mich nicht mehr im Stande sehe, mein Amt als Ortsbürgermeister und meinen Beruf qualitativ auszuüben, wie ich den Anspruch an mich selbst habe“, begründet der 64-jährige Vater zweier noch studierender Söhne seinen Rücktritt. „Es tut mir sehr leid, jetzt aufzuhören“, betont Kölbel. „Aber ich muss jetzt die Reißleine ziehen, bevor es für alle unbefriedigend wird.“

Ist ein Nachfolger in Sicht? „Bislang hat noch niemand die Hand gehoben“, sagt der scheidende Ortsbürgermeister und hofft, dass sich innerhalb der Drei-Monats-Frist bis zur anstehenden Neuwahl ein Bewerber oder eine Bewerberin findet. „Vielleicht jemand, der mehr Zeit hat“, fügt er an. „Am kommenden Mittwoch gibt es zum Thema Nachfolge jedenfalls eine Krisensitzung mit Bürgermeister Westrich und unseren Fraktionschefs. Dann sehen wir weiter.“

Stefan Kölbel
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