ENKENBACH-ALSENBORN RHEINPFALZ Plus Artikel Warum die Verbandsgemeinde trotz Beitragserhöhung bei der Pfalz-Touristik bleibt

 Weltachs in Waldleiningen.
Weltachs in Waldleiningen.

Die Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn will weiterhin Mitglied der Pfalz-Touristik bleiben, obwohl die Beiträge in den kommenden beiden Jahren deutlich steigen. Welchen Mehrwert sich die Verbandsgemeinde davon erhofft.

Zum Hintergrund: In der jüngsten Mitgliederversammlung der Pfalz-Touristik haben die Vertreter der an dem Verein beteiligten Gemeinden, Städte und Landkreise für eine deutliche Budgetsteigerung gestimmt. Der Etat, bislang 750.000 Euro, wird bis 2025 in zwei Schritten auf knapp 1,4 Millionen Euro aufgestockt. Damit soll die Pfalz-Touristik mehr Stellen besetzen – und Aufgaben übernehmen, die bislang einzelne Mitglieder stemmen. Mit dem Zusatzgeld soll die Dachmarke „Pfalz“ attraktiver gemacht werden.

Doch viele Mitglieder stellen sich jetzt die Frage nach dem Mehrwert: Was habe ich als Stadt, Verbandsgemeinde oder Gemeinde davon, wenn ich Mitglied bei der Pfalz-Touristik bin? Der Stadtrat Kaiserslautern hat zum Beispiel entschieden, die Mitgliedschaft zu kündigen. Die Finanzierung der erhöhten Beiträge stelle sich aufgrund der Haushaltsituation sehr schwierig dar, es müsse dann an anderen Stellen gespart werden, begründete die Stadt Kaiserslautern den Schritt. Das touristische Angebot in einer Großstadt unterscheide sich stark vom Urlaubstourismus in der Vorderpfalz, bei dem Themen wie Wandern und Wein im Vordergrund stünden, hatte Lauterns Oberbürgermeisterin Beate Kimmel zudem betont. Die Stadt bezahlt bislang jährlich etwa 29.400 Euro an die Pfalz-Touristik. Für dieses Jahr erhöht sich der Beitrag auf circa 40.300 Euro, ab 2025 müsste die Stadt 48.500 Euro jährlich bezahlen.

Deutlich mehr Geld

Die Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn musste bisher rund 1400 Euro pro Jahr für die Mitgliedschaft hinlegen. In diesem Jahr wird mit etwa 4370 Euro deutlich mehr fällig. 2025 erhöht sich der Beitrag dann noch einmal auf rund 5070 Euro. Trotz der saftigen Erhöhung hat der Verbandsgemeinderat Enkenbach-Alsenborn, der über den Verbleib bei der Pfalz-Touristik in seiner jüngsten Sitzung diskutiert hat, einstimmig beschlossen, zu bleiben und die höheren Beiträge in Kauf zu nehmen. Eine Verbandsgemeinde allein könne nicht im Tourismus bestehen und zukunftsorientiert arbeiten. „Tourismus funktioniert nur als Region mit einer zentralen starken Management-Organisation“, zitierte Erster VG-Beigeordneter Jürgen Wenzel (CDU) die Stellungnahme des Tourismusbüros der Verbandsgemeinde. Gerade im Landkreis Kaiserslautern sei seit dem Wegfall des Landkreistourismus’ eine große Lücke entstanden, die nur gemeinsam mit der Pfalz-Touristik gefüllt werden könne. Daneben seien viele digitale Angebote, wie das Buchungs- und Infrastruktursystem Deskline oder die Plattform „outdooractive“ ohne die Pfalz-Touristik nicht mehr zugänglich.

„Zwei Nummern zu groß für uns“

„Wir können es mit unserem Tourismusbüro gar nicht leisten, auf Messen zu gehen oder überregional Inserate zu schalten. Das ist zwei Nummern zu groß für uns. Deswegen brauchen wir die Mitgliedschaft“, erklärte Wenzel. Der Landkreis habe sich vor einigen Jahren aus dem Thema Tourismus zurückgezogen, weil es sich um eine freiwillige Leistung gehandelt habe. „Von daher ist die Pfalz-Touristik die einzige übergeordnete Stelle, um für unser Angebot vor Ort zu werben“, führte der Beigeordnete aus.

Im Gegensatz zur Vorderpfalz oder dem Dahner Felsenland werde die Westpfalz kaum von der Pfalz-Touristik beworben, hielt dem Tanja Rahm (SPD) entgegen. „Als einzigen Grund, weiter Mitglied zu bleiben, sehe ich, dass die Verbandsgemeinde die Systeme der Pfalz-Touristik nutzen kann“. Ein Vorteil sei sicherlich, dass eine zentrale Stelle besser koordinieren könne. Damit nicht jede Verwaltung alleine stehe, sagte Frank Zimmermann, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Er müsse Tanja Rahm allerdings zustimmen: „Wenn man schon die Überschrift ,Zum Wohl die Pfalz’ liest, kommt keiner auf die Idee, dass die Westpfalz gemeint sein könnte“, nahm er Bezug auf den Werbeslogan der Pfalz-Touristik.

Roth: „Bürger stärker einbeziehen“

CDU-Fraktionsvorsitzender Alexander Roth mahnte an, dass die Bürger stärker einbezogen werden müssten. Dies fördere Offenheit und sei ein wesentlicher Faktor für das Gelingen von Tourismus. Er regte an, eine Informationsveranstaltung für die Bürger zu organisieren, bei denen Vertreter der Pfalz-Touristik das Konzept einmal vorstellten. „Um zu zeigen, was von unserer Region an Werbematerial da ist, wie das aussieht und wie das auf so einem Messestand präsentiert wird.“

Tourismus funktioniere nur, wenn die ganze Region betrachtet werde, so FWG-Fraktionsvorsitzender Manfred Petry. Er schlug vor, der Pfalz-Touristik vorzutragen, wie die Verbandsgemeinde sich repräsentiert sehen wolle. „Mit allem, was es bei uns gibt, ob das die Jugendherberge Hochspeyer, die Schwimmbäder, Wohnmobilstellplätze, die Weltachs oder die Burgen sind. Wir müssen gucken, dass sich das entsprechend wiederfindet.“

Er hätte eine Zusammenarbeit mit der Stadt Kaiserslautern und dem Landkreis sehr begrüßt, so Thomas Wansch, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD und Landtagsabgeordneter. „Wir haben wahnsinnig viel zu bieten. Nur wer sucht seinen Urlaub aus nach dem Motto: In Enkenbach-Alsenborn, da war ich noch nie. Wir fahren ja auch in den Schwarzwald. Wir brauchen eine Destination, und die heißt hier Pfalz“, warb er ebenfalls für den Verbleib in der Pfalz-Touristik.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Frank Zimmermann sprach die Beitragskosten an. „Welche Konsequenzen hat es jetzt, dass die Stadt Kaiserslautern ihre Mitgliedschaft kündigt? Wird es dann für alle anderen teurer?“ Wenzel versprach, für eine der nächsten Verbandsgemeinderatssitzungen ein Treffen mit Vertretern der Pfalz-Touristik zu organisieren. „Dabei können wir ja dann als Auflage an die Pfalz-Touristik mitgeben, mehr Werbung für unsere Region zu machen“, sagte Wenzel.

So haben wir über das Thema berichtet:

Große Pläne der Pfalz-Touristik: Was das fürs Leiningerland bedeutet

 Mehlinger Heide.
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Burg in Frankenstein.
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