Westpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Wann kommt der Goldene Oktober?

So bunt ist der Herbst: Diese Impression von der Sickinger Höhe hat RHEINPFALZ-Leserin Susanne Wilhelm festgehalten.
So bunt ist der Herbst: Diese Impression von der Sickinger Höhe hat RHEINPFALZ-Leserin Susanne Wilhelm festgehalten.

Das Wetter in der Region: Der September war ein Monat der großen Kontraste. Hochsommerliche Hitze gab es ebenso wie erste herbstliche Bodenfröste. Im Oktober kann phasenweise der Spätsommer nochmals vorbeischauen.

Nach einem hochsommerlichen Start in den September mit fast rekordverdächtigen Temperaturen leiteten Regenfälle die Umstellung der Wetterlage ein. Ein tüchtiger Polarluftvorstoß sorgte bei längerem nächtlichem Aufklaren für Bodenfrost vor allem in den Tälern, an Gewässern sowie in der Westpfälzischen Moorniederung. Ein Blick auf die Statistik: Das Mittel der Lufttemperatur lag im September in der Westpfalz mit 15,5 Grad um 0,9 Grad über dem langjährigen Durchschnittswert der vergangenen 25 Jahre, aber um 1,2 Grad über dem 30-jährigen Referenzzeitraum von 1961 bis 1990. In den letzten Jahren fielen viele Monate mehr oder weniger zu warm aus. Nur wenige lagen unter den Werten aus der vieljährig gemittelten Klimareihe.

Im September kletterte das Quecksilber an 13 Tagen über die 20-Grad-Marke, fünf Tage war es 25 Grad und mehr und am 1. September stieg die Temperatur an der Wetterstation in Lambsborn sogar noch mal auf 32,8 Grad. Der tiefste Wert mit ungewöhnlich kühlen 1,5 Grad wurde hingegen am 29. gemessen. Die Niederschlagsmenge lag in Lambsborn bei 124,9 Liter pro Quadratmeter. Das entspricht 195,8 Prozent des langjährigen Monatsmittels von 63,8 Liter pro Quadratmeter. Damit fiel fast das Doppelte der monatsüblichen Niederschlagssumme. In Martinshöhe prasselten 129,9 Liter pro Quadratmeter vom Himmel, in Landstuhl 102 Liter und in Morlautern 83,2 Liter pro Quadratmeter. Der Niederschlag konzentrierte sich auf 18 Tage. Der meiste Niederschlag fiel in Lambsborn mit 27,0 Litern pro Quadratmeter am 25. An vier Tagen blitzte und donnerte es. An zwei Tagen brauste starker Wind über die Region. Zu insgesamt 66,3 Prozent war der Himmel während dieses Monats von Wolken überzogen (mehr als üblich). Die Sonnenscheindauer erreichte 151 Stunden. Das entspricht 88,4 Prozent des langjährigen Mittels.

Und so geht’s weiter

Zu Beginn der neuen Woche erreicht uns im Vorfeld eines atlantischen Tiefs wärmere Subtropikluft mit Höchsttemperaturen von 18 bis 21 Grad. Allerdings nimmt in der Folgezeit die Unbeständigkeit zu. Schon bald überqueren uns die Fronten des Tiefs mit Regenfällen oder Schauern und lassen die Temperaturen wieder in den Herbstbereich sinken. Ein Schwall Polarluft kühlt die Luft im Mittelabschnitt vorübergehend in den einstelligen Bereich herunter, so dass sich in einigen Schauern auch Graupelkörner unter die Tropfen mischen können. In den Nächten droht bei längerem Aufklaren zumindest Bodenfrost, in exponierten Lagen sogar der erste zaghafte Frost auf Augenhöhe.

Möglicherweise dehnt sich nach der Monatsmitte ein stabiles Hoch von den Britischen Inseln her nach Mitteleuropa aus und beschert uns in der Folgezeit goldenen Oktoberglanz. Die zunächst dichteren Wolken und Nebelfelder sollten nachmittags von der Sonne verdrängt werden. Mit Verlagerung des Hochs Richtung Osteuropa stehen uns anschließend freundliche und trockene Tage bevor. Bei blauem Himmel und reichlich Sonnenschein erwärmt sich die Luft an den Nachmittagen wahrscheinlich in den Bereich der 20-Grad-Marke oder sogar noch leicht darüber. Auch die Nächte werden mit acht bis zwölf Grad spürbar milder.

Zum Monatsende wird es ungemütlich

Mit Überqueren der Kaltfront eines mächtigen Atlantiktiefs drohen zu Beginn des Schlussabschnitts teils kräftige schauerartige Regengüsse, eventuell auch in Verbindung mit Blitz und Donner, die einen durchwachsenen und herbstlichen Witterungscharakter einleiten. Von Westen rücken vermutlich weitere Schlechtwettergebiete hinterher, die sich mit kurzen Zwischenhochs abwechseln. Infolgedessen fällt gelegentlich Regen. Der Südwest- bis Westwind kann zeitweise kräftig auffrischen, so dass das Laub von den Bäumen gefegt wird. Zwischen den Regenwolken zeichnen sich kurze freundliche Phasen mit Sonnenschein ab. Die Tagestemperaturen bewegen sich nur noch zwischen zwölf und 16 Grad. Die Nächte bleiben jedoch wegen der oft schützenden Wolkendecke recht mild.

Zum Monatsende beruhigt sich das Wetter voraussichtlich unter einem sich aufbauenden Hochdruckgebiet. Nebel- und Hochnebelgebiete nehmen dann allerdings zu und lassen nur selten Sonnenstrahlen durch. Die Temperaturen gehen in der feuchten Luft allmählich weiter zurück.

Letztendlich werden die Temperaturen im Oktober gegenüber dem Durchschnittswert der vergangenen 30 Jahre vermutlich um etwa ein bis zwei Grad nach oben abweichen. Die Niederschlagsmenge wird den Monatssollwert wahrscheinlich leicht unterbieten, die Sonnenscheindauer den langjährigen Mittelwert in etwa erreichen.

Tendenz für den Folgemonat: Im November müssen wir uns wohl auf zahlreiche trübe und feuchte Tage einstellen. Teilweise hält sich zäher Nebel.

Unser Klima im Wandel:

September 2024:
Durchschnittstemperatur: 15,5 Grad
Niederschlag: 124,9 Liter pro Quadratmeter
Sonnenscheindauer: 151 Stunden
September 2023:
Durchschnittstemperatur: 18,7 Grad
Niederschlag: 15.9 Liter pro Quadratmeter
Sonnenscheindauer: 266 Stunden
September 2014 (vor zehn Jahren):
Durchschnittstemperatur: 15,4 Grad
Niederschlag: 39,0 Liter pro Quadratmeter
Sonnenscheindauer: 165 Stunden
September 1999 (vor 25 Jahren):
Durchschnittstemperatur: 16,5 Grad
Niederschlag: 73,4 Liter pro Quadratmeter
Sonnenscheindauer: 185 Stunden

RHEINPFALZ-Meteorologe Michael Agne an seiner Wetterstation in Lambsborn.
RHEINPFALZ-Meteorologe Michael Agne an seiner Wetterstation in Lambsborn.
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