Kreis Kaiserslautern Vulkan löst „Hungerjahr“aus

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Ganz Europa litt unter dem „Hungerjahr 1817“, das als unmittelbare Folge des „Jahrs ohne Sommer“ 1816 die Menschen heimsuchte. Wie überall wurden im Lauterer Land „Wohlfahrtsausschüsse“ zur Unterstützung der Notleidenden ins Leben gerufen. Außerdem benannte der bayerische König Max Joseph, der sich seit dem Wiener Kongress das linksrheinische Terrain mit Preußen teilte, die pfälzischen Gebiete in „Rheinkreis“ um. Lauterns Landrat Leopold Heusner trug ab 1817 die Amtsbezeichnung „Bezirksdirektor“ und firmierte später als „Landcommissär“.

Weitaus massiver als verwaltungs- und territorialrechtliche Änderungen wirkten sich das „Jahr ohne Sommer“ und das anschließende „Hungerjahr“ aufs Alltagsleben der Menschen aus. Der Sommer blieb aus, weil es im April 1815 zu einer gewaltigen Explosion des Vulkans Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa gekommen war. Neben 150 Kubikkilometern Staub und Asche schleuderte die Eruption Schwefelverbindungen in die Atmosphäre, wo sie sich verteilten und wie ein Schleier um den gesamten Erdball legten. Das „Jahr ohne Sommer“ wirkte sich vor allem auf den Nordosten Amerikas sowie auf das westliche und südliche Europa aus, wo man bitter vom „Elendsjahr achtzehnhundert-und-erfroren“ sprach. Die Abkühlung des Weltklimas durch den Ausbruch hielt noch bis ins Jahr 1819 an. Der Vulkanausbruch von 1815 war nach einhelliger Meinung der Wissenschaftler verheerender als der Untergang von Pompeji zu Füßen des Vesuv anno 79 nach Christus und die Detonation des Krakatau im Jahr 1883. Über ein Jahr nach der Tambora-Katastrophe gab es Anfang Juli und Ende August 1816 im Nordosten der USA Nachtfrostperioden. Im Osten Kanadas und in Neuengland fiel Schnee, der in Québec eine Höhe von 30 Zentimetern erreichte. Hüben wie drüben des Ozeans kam es zu Ernteeinbußen und einem enormen Anstieg der Getreidepreise. Hungersnöte brach aus, zudem trat der Rhein über die Ufer, überschwemmte das Land und gab den nach anhaltenden Regenfällen und niedrigen Temperaturen ohnehin dürftigen Ernten den Rest. In Bayern hatte die Krise wesentlichen Anteil an der Entlassung von Minister Maximilian von Montgelas. Der König ließ kostenlos oder verbilligt „Rumfordsuppe“ verteilen − eine nahrhafte Pampe aus Graupen und getrockneten Erbsen. Im April 1817 probierte Max Joseph in einer Münchner Suppenküche höchstselbst einen Teller des Eintopfs − und ließ verkünden, er habe ihn „regelrecht genossen“. In seinem königlich-bayerischen Rheinkreis grassierte weiterhin der Hunger. Die Menschen versuchten, als Wanderarbeiter Geld zu verdienen, etwa in den Hafenstädten Südfrankreichs. Sie zogen übers Land und verkauften Bürsten aus Ramberg und Schuhe aus Pirmasens. Auch das Wandermusikantentum erhielt in den Jahren 1816/17 seinen ersten Impuls, obwohl erst die große Missernte von 1831 als eigentlicher Auftakt dieser Tradition gilt.

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