Kreis Kaiserslautern
Vorschulkinder aus Frankreich besuchen die Trippstadter Schmiede
Bei einer bilingualen Freizeit im Finsterbrunnertal erleben Vorschulkinder aus Frankreich so allerlei. Der Besuch der alten Schmiede Huber begeistert und flößt Respekt ein. Der Lohn: Ein ganz besonderer Glücksbringer.
Deutsch mischt sich mit Französisch, ab und an erklingt ein fremd klingender Dialekt. Vor der Schmiede am Heimatmuseum in Trippstadt haben drei Frauen alle Hände voll zu tun, um die aufgeregten Kinder aus dem Bus zu holen. Diese kommen allesamt aus Saverne im Elsass. Sie besuchen dort die bilinguale École maternelle, quasi eine Art Vorschule. Neben ihrer Muttersprache Französisch wird dort nur Deutsch und Elsässisch mit den Kindern gesprochen. Nun sind sie im Naturfreundehaus im Finsterbrunnertal für zwei Tage und verbringen hier eine Freizeit. Die 30 Kinder sind in Gruppen aufgeteilt, und für eine dieser Gruppen steht eine Schmiedevorführung in der alten Schmiede Huber auf dem Programm.
Das deutsche Wort Schürhaken ist den jungen Franzosen unbekannt
„So, dann stellt euch mal im Halbkreis hier her, damit ihr alles seht“, fordert Jan Baus, der Schmiedegehilfe, die Kinder auf. Er erklärt, dass er nun einen Schürhaken schmieden wird. „Was stellt der her?“, will Lenaelle wissen. „Das sind Franzosen, wenn es ins Detail geht, verstehen sie das nicht“, sagt Eva Schneider-Portron, eine der Lehrerinnen. Sie erklärt, dass die Kinder die deutsche Alltagssprache sehr gut verstehen: „Aber Schürhaken und Kohle kommen im Kindergarten oder der Schule selten vor“, lacht Schneider-Portron.
Die Lehrerinnen sprechen konsequent deutsch mit den Knirpsen. Konsequent sind die fünf und sechs Jahre alten Kinder aber auch: Sie antworten immer in französischer Sprache. Baus gibt ein Stück Eisen in das Feuer, das bereits brennt. Er wartet kurz und erklärt Begriffe wie Amboss und Hammer. Dann nimmt er das rotglühende Eisen aus dem Feuer und legt es auf den Amboss, der direkt vor den Kindern steht. Ein Raunen geht durch die Schmiede. Das glühende Eisen flößt den Kindern Respekt ein. Schnell treten sie alle sicherheitshalber ein paar Schritte zurück.
Beim Schmieden mit dem Hammer halten sich einige die Ohren zu
Ata und Ediz sind ganz gespannt und beobachten, wie Baus mit dem Hammer das runde Stück Eisen dünner klopft. Einige Mädchen halten sich lieber die Ohren zu, weil es in der Schmiede so schallt, wenn Baus kräftig mit dem Hammer ausholt und auf das Eisen klopft. „Ist das heiß?“, will die kleine Zoe wissen, als das nächste Eisen glühend aus dem Feuer geholt wird. Mittlerweile ist Schmied Hans Wagner da. Er legt ein Hufeisen ins Feuer, zeigt den Kindern ein Eisenerz und zeigt Bilder von einem alten Erzofen, in dem das Eisen aus dem Stein geschmolzen wurde. Ata und Ediz tuscheln begeistert und staunen, als Wagner das heiße Eisen in Wasser steckt und ein kräftiges Zischen ertönt. „Das ist schon mal das Highlight der zwei Tage“, meint Schneider-Portron zu ihrer Kollegin Laura Votte.
Das geschmiedete Hufeisen dürfen die Kinder mitnehmen
Wagner holt das Hufeisen aus dem Feuer und fängt an, es dünner zu schlagen. „Das dürft ihr euch mitnehmen als Glücksbringer“, verrät er den Kindern. Nachdem diese nun wissen, wie es geht, dürfen sie selbst ran. Natürlich nur mit der Unterstützung von Wagner. Wer möchte, darf gemeinsam mit dem Schmied den Hammer halten und ein glühendes Eisen bearbeiten. Während Ediz total begeistert ist, gehen einige Mädchen lieber mal zurück. So ganz geheuer ist ihnen die Sache dann doch nicht.
Organisiert hat Schneider-Portron die Fahrt nach Trippstadt ins Naturfreundehaus im Finsterbrunnertal. In den vergangenen Jahren hat sie meist den Schwarzwald für die Freizeiten mit den Kindern ausgesucht. Doch das Konzept mit dem Ausflugspaket, das Hans Müller vom Naturfreundehaus Finsterbrunnertal zusammengestellt hat, hat sie überzeugt, mit den Kindern nach Trippstadt zu reisen. Hier steht noch der Besuch der Bienenstöcke am Naturfreundehaus auf dem Programm. An einem Tag kommt der Jagdverband mit der Waldschule und danach geht es mit den Hunden in den Wald.