Kreis Kaiserslautern
Vor der Landratswahl: Wer wäre der bessere Kreischef?
Landrat Ralf Leßmeister (CDU) ist seit Ende 2017 im Amt. „Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit des amtierenden Landrats?“, wollte das Mannheimer Meinungsforschungsinstitut für Communication und Marketing-Research (CMR) wissen und hat 500 Männer und Frauen, die im Kreis Kaiserslautern wahlberechtigt sind, angerufen und nach ihrer Einschätzung befragt. „Die Befragten bescheinigten dem Amtsinhaber ein solides Leistungsimage“, so CMR-Vorstand Werner Dieing.
Schulnoten für den Landrat
Die Ergebnisse im Einzelnen: Acht Prozent gaben Leßmeister die Note eins und 36 Prozent die Note zwei. „Damit bewerten 44 Prozent der Befragten seine Arbeit mit ,sehr gut‘ oder ,gut‘“, sagt Dieing. Als „befriedigend“ empfindet ein Drittel der Befragten, was der Amtsinhaber in den letzten acht Jahren geleistet hat. Die Note vier gab es von acht Prozent. Gänzlich unzufrieden sind nur wenige: Die Note fünf vergaben fünf Prozent, eine glatte Sechs gab es von zwei Prozent der 500 Wahlberechtigten, die dazu interviewt wurden. „Nur sieben Prozent geben Ralf Leßmeister also mit ,mangelhaft‘ oder ,ungenügend‘ schlechte Noten“, fasst Dieing zusammen. Am Ende erreiche der amtierende Landrat in Schulnoten einen Mittelwert von 2,7: „Also zwischen ,gut‘ und ,befriedigend‘.“ Laut Werner Dieing ist dies ein durchaus respektables Resultat, das „im Rahmen dessen liegt, was man erreichen kann“: „Unter den Befragten gibt es eben nicht nur Fans, sondern immer wieder auch Leute, die den Kandidaten schlicht nicht leiden können. Ihre schlechte Benotung drückt dann das Gesamtergebnis.“ Nach seiner Erfahrung sei es in solchen Meinungsumfragen deshalb für Politiker nicht möglich, „über 2,3 oder maximal 2,2 hinauszukommen“.
Um weitere acht Jahre im Chefzimmer der Kreisverwaltung residieren zu dürfen, muss sich Leßmeister bei der Wahl am 18. Mai gegen seinen Herausforderer Thorsten Haferanke von der SPD durchsetzen. Da Landratswahlen zum großen Teil Persönlichkeitswahlen sind, ist es entscheidend, welche Eigenschaften die Wähler in den beiden Bewerbern verkörpert sehen. Wen empfinden sie als bürgernah? Wer kommt sympathisch rüber? Welcher Kandidat gilt in ihren Augen als besonders sachkompetent und führungsstark? Kurz: Unter wessen Leitung sieht der Wähler die besten Chancen, damit sich der Landkreis Kaiserslautern in den nächsten acht Jahren im positiven Sinne weiterentwickelt.
Sachkompetenz und Sympathiewerte
Bei der CMR-Umfrage zu den Eigenschaften der Kandidaten haben 67 Prozent der Befragten dem Amtsinhaber Sachkompetenz bescheinigt: Von den 336 Interviewten, die der Ansicht sind, dass Ralf Leßmeister sich in seinen Aufgabenfeldern gut auskennt, waren 176 Männer und 160 Frauen. Bei Thorsten Haferanke, der ebenfalls seit über 20 Jahren in der Kreisverwaltung im Jugendamt tätig ist, waren nur 30 Prozent der Auffassung, dass der SPD-Mann ausreichend Sachkompetenz für das Landratsamt mit bringt. Ein Viertel der Befragten hielt indes keinen der beiden Bewerber für sachkompetent.
Auch bei der Frage nach der Bürgernähe fanden 27 Prozent, dass diese Eigenschaft auf keinen der Kandidaten zutreffe. Bei den anderen Befragten hatte Leßmeister deutlich die Nase vorn: 61 Prozent halten den 57-jährigen Hütschenhausener für bürgernah. Bei Haferanke ist es weniger als die Hälfte: 28 Prozent.
Etwas besser kommt der 50-jährige Olsbrückener bei den Sympathiewerten weg, doch auch hier kann der amtierende Landrat punkten: Von den 500 Befragten finden Leßmeister 319 (64 Prozent) sympathisch, bei Haferanke sind es 172 (34 Prozent). 115 Männer und Frauen (23 Prozent) können sich hingegen für keinen der beiden Bewerber erwärmen.
Wer hat mehr Führungsqualitäten?
Der Landrat ist nicht nur Politiker, sondern auch Chef der Kreisverwaltung mit ihren 544 Beschäftigten. Bei solch einer großen Personalverantwortung ist Führungsstärke und -geschick gefragt: 63 Prozent sehen diese Eigenschaften beim Amtsinhaber. Bei Thorsten Haferanke, der in der Abteilung Jugend und Soziales ebenfalls Führungsverantwortung trägt, ist dieser Wert viel niedriger und liegt lediglich bei 29 Prozent. 32 Prozent der Befragten halten keinen der Bewerber für führungsstark.
Wer hat in den Augen der Befragten das Zeug dazu, den Landkreis weiter voranzubringen? 27 Prozent der Männer und Frauen, die CMR angerufen hat, trauen dies Thorsten Haferanke zu. 56 Prozent sind hingegen der Meinung, dass Ralf Leßmeister dafür weiterhin der richtige Mann ist. 29 Prozent sehen bei keinem der Kandidaten die nötigen Eigenschaften für diese anspruchsvolle Aufgabe.
„Keine Wahlprognose“
„Die CMR-Umfrage liefert ein repräsentatives Stimmungsbild zum Zeitpunkt der Befragung und bietet ein realistisches Abbild der Meinungen und Präferenzen der Bürger, aber keine Wahlprognose“, betont Werner Dieing. „Entscheidungsträgern bieten die Ergebnisse aber wertvolle Einblicke in die Stimmung der Bevölkerung.“ Mit Blick auf die Aussagen der Befragten ist für den Meinungsforscher klar: „Leßmeister profitiert von seiner Amtsinhaberschaft, hoher Sichtbarkeit und einem soliden Leistungsimage. Er hat ein starkes Standing.“ Auch bei der Bewertung der abgefragten Eigenschaften führe er deutlich vor seinem Herausforderer. Dieings Empfehlung für den SPD-Mann: „Haferanke muss jetzt richtig Gas geben, um seine Sichtbarkeit und seinen Bekanntheitsgrad zu steigern. Um konkurrenzfähig zu werden, muss er zudem sein Profil und seine Kompetenzzuschreibungen dringend verbessern.“
RHEINPFALZ-Wahlblog
Wissenswertes rund um die Landratswahl im Kreis Kaiserslautern finden Sie in unserem RHEINPFALZ-Wahlblog unter www.rheinpfalz.de/blogland. Weitere Berichte zur CMR-Befragung folgen dort und auch in der gedruckten Zeitung.
