Kreis Kaiserslautern
Vor der Landratswahl: Das sind die Topthemen der Kreisbürger
Viele Straßen sind im Kreis Kaiserslautern in einem schlechten Zustand, noch immer sind nicht alle Haushalte mit schnellem Internet versorgt, obwohl seit Jahren daran gewerkelt wird, und auch der Handyempfang lässt an einigen Stellen stark zu wünschen übrig: Es ist nicht verwunderlich, dass die Bürger auf die Frage „Welche Themen sind Ihnen in der Kreispolitik besonders wichtig?“ die Infrastruktur besonders häufig nennen. 500 Wahlberechtigte wurden im Vorfeld der Landratswahl, die am Sonntag, 18. Mai, stattfindet, im Auftrag der RHEINPFALZ vom Meinungsforschungsinstitut CMR zu ihren Topthemen befragt. Bei der Wahl treten der Amtsinhaber, Ralf Leßmeister von der CDU, und sein Herausforderer, der Sozialdemokrat Thorsten Haferanke, gegeneinander an.
Auf welche Themen sollte der Wahlsieger ein besonderes Augenmerk legen? In dieser Frage sind sich die Interviewten weitgehend einig: 91 Prozent wünschen sich eine gute Infrastruktur in ihrer Region. Dazu zählen sämtliche Einrichtungen, Anlagen, Institutionen, Systeme und Strukturen, die gewährleisten, dass eine Volkswirtschaft funktioniert. Straßen, Brücken und öffentliche Gebäude gehören ebenso zur Infrastruktur wie etwa die Energieversorgung und die Kanalisation, aber auch die Bildungseinrichtungen. Männern (94 Prozent) und jüngeren Menschen zwischen 18 und 59 Jahren (93 Prozent) ist es noch ein bisschen wichtiger als Frauen und älteren über 60 Jahren (beide Gruppen 89 Prozent), dass in puncto Infrastruktur im Landkreis alles gut geregelt und ausgestattet ist.
„Klassische kommunale Themen“
Ein Topthema ist auch eine gute ärztliche Versorgung. Sie liegt mit der Infrastruktur gleich auf. Auch dieser messen 91 Prozent der Umfrageteilnehmer einen besonders hohen Stellenwert bei, und zwar unabhängig von Geschlecht und Alter.
An dritter Stelle des Themenrankings steht die Wirtschaft. Für 86 Prozent der Befragten ist sie zentral, wobei sie den über 60-Jährigen (91 Prozent) erstaunlicherweise noch etwas wichtiger erscheint als den jüngeren, die noch im Erwerbsleben stehen: Bei den 18- bis 59-Jährigen nennen 84 Prozent die Wirtschaft als besonders wichtiges Kreisthema.
Dass diese drei Themenkomplexe vorne liegen, sei nicht ungewöhnlich, ordnet CMR-Vorstand Werner Dieing die Ergebnisse der Befragung ein. „Die Bevölkerung wünscht sich sichere Infrastruktur, gute medizinische Versorgung und Wirtschaftsförderung – klassische kommunale Themen.“
Nahverkehr für Jüngere interessant
Auf Platz vier liegt der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV): Er genießt bei jüngeren Menschen einen höheren Stellenwert als bei den Rentnern: 77 Prozent der 18- bis 59-Jährigen sehen ihn bei der Befragung als wichtig an, während dies nur 66 Prozent der Ü-60-Jährigen findet. Das überrascht, heißt es doch immer, dass gerade Senioren, die vielleicht aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr selbst Auto fahren können oder dies nicht mehr so gerne tun, auf einen gut getakteten und bezahlbaren ÖPNV angewiesen seien. Vielleicht liegt die etwas geringere Bedeutung, die dem Thema eingeräumt wird, aber auch daran, dass viele Menschen im Kreis ein eigenes Auto haben. Auf 1000 Einwohner kommen (Stand 2023) 654 Pkw. In der Stadt Kaiserslautern sind es hingegen nur 501. Außerdem springen vielerorts im Landkreis Kaiserslautern Bürgerbusse in die Versorgungslücke und sorgen für Mobilität unter all jenen Senioren, die darauf angewiesen sind. Mit elf Bürgerbussen und einem weiteren in Planung hat der Kreis Kaiserslautern in ganz Rheinland-Pfalz den Spitzenplatz inne. Darauf hat Landrat Ralf Leßmeister kürzlich in der RHEINPFALZ-Podiumsdiskussion zur Landratswahl in Ramstein hingewiesen.
Fast gleich auf in puncto Bedeutsamkeit für die Befragten liegen die beiden Bereiche Migration und Digitale Verwaltung. 65 beziehungsweise 64 Prozent der Landkreisbewohner liegen diese Themen am Herzen. Der Zuzug von Menschen aus anderen Ländern beschäftigt dabei deutlich mehr Frauen (67 Prozent) als Männer (61 Prozent) und Ältere (70 Prozent) stärker als Jüngere (61 Prozent) – und das anscheinend in beiden politischen Lagern gleichermaßen. Mit Platz fünf im Themenranking sei die Migration im Kreis zwar präsent in den Köpfen, aber kein Top-Thema, ordnet CMR-Vorstand Dieing das Ergebnis ein.
Moderne Verwaltung gewünscht
Für das Thema digitale Verwaltung sei der Wert im Kreis Kaiserslautern hingegen vergleichsweise hoch, betont der Meinungsforscher. Das zeige Modernisierungswillen bei den Bürgern. Und hier sind es besonders die Männer (72 Prozent), die darauf hoffen, dass das Kreishaus und die Rathäuser mehr Dienstleistungen auf digitalem Weg anbieten. Bei den Frauen sind es nur 57 Prozent.
Ob die Region touristisch gut aufgestellt ist, ist übrigens nur 46 Prozent der Befragten wichtig. Bei den Wahlberechtigten unter 60 Jahren sind es sogar nur 39 Prozent. „Der Tourismus ist als Thema hierzulande eher nachrangig“, sagt denn auch Werner Dieing mit Blick auf die Zahlen.
RHEINPFALZ-Wahlblog
Wissenswertes rund um die Landratswahl im Kreis Kaiserslautern finden Sie in unserem RHEINPFALZ-Wahlblog unter www.rheinpfalz.de/blogland. Weitere Berichte zur CMR-Befragung folgen dort und auch in der gedruckten Zeitung.