Vor der Landratswahl
Nahverkehr und Mobilität: Landratskandidaten diskutieren über Probleme
Mobilität ist für die Menschen auf dem Land ein wichtiges Thema. Anders als in der Stadt sind die Wege zur Firma, zur Schule oder zum Ausbildungsplatz oft weit. Über 27.000 der rund 41.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – und damit 67 Prozent, Stand Juni 2024 – pendeln laut der Agentur für Arbeit im Kreis Kaiserslautern zu ihrer Arbeitsstelle. Mehr als die Hälfte davon (14.499) arbeitet zwar in der Stadt Kaiserslautern, aber 13.151 fahren weiter, etwa in die Nachbarkreise: Rund 1782 verdienten im Sommer 2024 ihr Geld im Saarpfalzkreis, zum Beispiel in Homburg, und mehr als 1100 hatten jeweils eine Stelle im Donnersbergkreis oder im Kreis Kusel. Über 700 fahren laut Arbeitsagentur nach Ludwigshafen und rund 600 in den Regionalverband Saarbrücken. Die durchschnittliche Pendlerdistanz betrug 2023 (aktuellere Zahlen liegen nicht vor) 22,3 Kilometer und war damit die sechsthöchste in Rheinland-Pfalz, so das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung.
Im Kreis ist man schnell abgehängt
Nicht nur die Fahrt zum Job, auch der Einkaufs- oder Kneipenbummel oder der Besuch einer Veranstaltung in der Stadt ist für Kreisbürger ohne Auto oft nur schwer oder gar nicht zu bewerkstelligen. Die Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) entscheidet daher mit darüber, wie attraktiv – oder eben auch nicht – eine Kreisgemeinde als Wohnort ist.
Wie sollte die Mobilität der Zukunft im Kreis Kaiserslautern aussehen und wie bewerten die beiden Landratskandidaten Ralf Leßmeister (CDU) und Thorsten Haferanke (SPD) die derzeitige Qualität des ÖPNV? Das möchte Christian Clemens, Leiter der Lokalredaktion Kaiserslautern, bei der RHEINPFALZ-Podiumsdiskussion zur Landratswahl in Ramstein wissen. Der amtierende Landrat sieht den ÖPNV gut aufgestellt: „Wir haben mit den Ortsgemeinden die Bedarfe für die Busverbindungen ausgelotet und die Linien danach ausgerichtet“, sagt Ralf Leßmeister. Diese hätten sich bewährt. Ändere sich das Nutzerverhalten, so werde nachgesteuert. „Unheimlich wichtig“ als Ergänzung seien zudem die Ruftaxen und die Nachtbusse, um auch abends nach Hause zu kommen. Außerdem gebe es für Senioren im Landkreis elf bedarfsorientierte Bürgerbusse, die von Ehrenamtlichen gefahren werden. „Einen zwölften Bürgerbus haben wir in der Pipeline. Damit sind wir in ganz Rheinland-Pfalz in Sachen Bürgerbusse absolute Spitze“, so der CDU-Politiker. „Alles zusammengenommen behalten wir dieses Gesamtpaket im Auge und versuchen, es immer wieder zu optimieren“, so Leßmeister.
„Die Kurzstrecken sind oft ein Problem“
„Das Problem sind aber sehr oft die Verbindungen zwischen zwei Nachbarorten, die Kurzstrecken“, gibt Thorsten Haferanke zu bedenken. „Das ist ein großes Manko.“ In seiner Vision für die Mobilität der Zukunft könne er sich beispielsweise vorstellen, dass am Lautertal-Bahnhof Hirschhorn eine Rent-a-Bike-Station eingerichtet ist: Dort könnte man sich ein Rad mieten – „im besten Fall auch ein E-Bike, dessen Strom vor Ort produziert wird“ – und damit durchs Pfeifertal ins nahe Weilerbach fahren. So könne man das System verbessern und den Menschen auch Alternativen zum Auto anbieten, findet Haferanke.
Wie sieht es kreisübergreifend aus? Ist es möglich, auch hier den ÖPNV zu verbessern und ein autofreies Pendeln in den Nachbarkreis zu ermöglichen? „Wir haben eine stündliche Taktung bei uns im Landkreis eingeführt. Da ist es entscheidend, wie wir das kreisübergreifend koordinieren können“, sagt Leßmeister. Es gebe Abstimmungsgespräche, aber man müsse auch die unterschiedlichen Konzessionen für die Buslinien berücksichtigen. „Wenn man da was verändern will, muss man neu ausschreiben, europaweit.“ Außerdem gibt Leßmeister zu bedenken, dass der ÖPNV ein „sehr, sehr teueres Unterfangen“ sei. „Wir müssen da den Spagat hinbekommen zwischen Bedürfnisorientierung und finanzieller Leistbarkeit.“
Kreisstraßen: „LBM kommt bei Sanierung nicht hinterher“
Wie ist es um die Kreisstraßen bestellt? Kommt man da gut und sicher von A nach B? „Es gibt gute Straßen, es gibt schlechte Straßen“, hat Haferanke auf seinen Wahlkampftouren durch den Kreis beobachtet: „Wir haben einen Investitionsstau, was die Infrastruktur betrifft.“ Hier müsse investiert werde. „Auch wenn die Baukosten extrem gestiegen sind, dürfen wir die Straßen nicht vernachlässigen. Denn nehme ich hier kein Geld in die Hand, wird es am Ende noch teurer.“
Es gebe ein jährliches Kreisstraßenprioritätsprogramm, das mit dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) eng abgestimmt werde, berichtet der amtierende Landrat. Der LBM nehme je nach Straßenzustand die Priorisierung vor. Dann werde die Liste abgearbeitet. „Allerdings“, so betont Leßmeister, „ist das Problem im Landkreis hier ausnahmsweise nicht das Geld, sondern die Realisierungsquote, die gerade einmal bei 37 Prozent liegt.“ Das Geld stehe im Haushaltsplan zur Verfügung, doch der LBM komme wegen Personaldefiziten mit Planung und Bauumsetzung „nicht so nach, wie wir das gerne hätten“. Es gebe Überlegungen, die Planungen extern zu vergeben und kreisübergreifend nach Lösungen zu suchen.
Ärgernis Zugausfälle
Stichwort: Bahnverkehr. Nicht nur auf der Lautertalstrecke, sondern auch zwischen Kaiserslautern und Pirmasens, zwischen Landstuhl und Kusel sowie auf der Hauptstrecke zwischen Saarbrücken und Neustadt kommt es immer wieder zu Zugausfällen – was viele Kreisbürger ärgert. Und wenn die Züge durchs Lautertal rollen, sind sie oft nicht barrierefrei zugänglich, trotz umgebauter Bahnsteige, weil alte Fahrzeuge eingesetzt werden. „Auch wenn die Schiene keine Aufgabe des Landkreises ist: Was kann der Landrat trotzdem unternehmen, um die Situation zu verbessern?“, fragt Moderator Clemens. „Der Landrat hat schon etwas gemacht“, betont Leßmeister. Er habe mit den DB-Verantwortlichen geredet, nach Berlin geschrieben und die Bundestagsabgeordneten eingebunden. Doch die Erklärungen seien immer die gleichen, alles hänge am Personalstamm der Bahn. „Dass es immer wieder zu personalbedingten Ausfällen kommt, ist nicht hinnehmbar und absolut unbefriedigend. Wir müssen da am Ball bleiben.“
Man müsse die Stimme lauter erheben, findet hingegen Thorsten Haferanke, der selbst im Lautertal wohnt, dass seitens des Landkreises mehr als bisher getan werden müsse. Mehr Zuverlässigkeit im Bahnverkehr müsse her, fordert der SPD-Mann und betont: „Das Thema ist für mich sehr wichtig.“ Der Landrat sei Mitglied im Zweckverband Schienenpersonennahverkehr. Auch dort müsse man das Thema ansprechen und auf eine Lösung hinarbeiten. „Man kann die Bahn nur nerven. Irgendwann erreicht man auch etwas“, ist Haferanke überzeugt.
„Das kann ich so nicht stehen lassen“, entgegnet Leßmeister und zählt auf, dass er nicht nur den Bahnchef angeschrieben, sondern das Thema auch im Zweckverband und beim Landkreistag angesprochen habe. „Ich habe es auf allen Kanälen probiert, allerdings sind die Antworten immer die Gleichen.“ Auch sei nicht nur der Landkreis Kaiserslautern von den Zugausfällen betroffen. „Meine Landratskollegen berichten mir das Gleiche.“
RHEINPFALZ-Wahlblog
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