Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Vollzugsbeamte radeln über die Alpen

Walter Moog, Alf Kraushaar, Steffen Cronebach, Manfred Reis und Thomas Rutz (von links) haben schon mehrmals die Alpen mit dem F
Walter Moog, Alf Kraushaar, Steffen Cronebach, Manfred Reis und Thomas Rutz (von links) haben schon mehrmals die Alpen mit dem Fahrrad überquert. Im Jahr 2011 führte sie die Route von Zürich nach Locarno über Jochpass, Grimselpass und Griespass.

Eine Alpenüberquerung mit dem Fahrrad ist eine echte Herausforderung, die durchaus zur Tortur werden kann. Wer macht so etwas? Fünf Männer aus den Landkreisen Kusel und Kaiserslautern wagen das Abenteuer – zum achten Mal.

Fünf Freunde im Alter von Mitte 50 bis Anfang 60 gehen bald auf große Tour. Die Vollzugsbeamten lieben das Radfahren. Auf elektrische Unterstützung verzichten sie dabei. Sie strampeln mit eigener Power – wie sie es nennen: mit Bio-Kraft – gerne mal gemeinsam über die Alpen und haben nach sieben Alpenüberquerungen immer noch nicht genug davon. Natürlich bringt solch ein muskelforderndes Abenteuer neben Glückseligkeit beim Erreichen der nächsten Anhöhe immer wieder auch Unverhofftes und Erlebnisse, die sie nicht wirklich brauchen. Steckenbleiben der Räder im Schnee, Flucht vor einer Kuh, die eine gelbe Regenjacke spannend fand, eine einsame stromlose Übernachtung irgendwo im gefühlten Niemandsland, Stürze, Abschürfungen, kaputte Räder, Unterkünfte, die sich einfach nicht finden ließen: Die Männer haben schon viel erlebt und gemeinsam gemeistert.

Das verschwundene Rad

„Übernachten im Gruppen-Schlafsaal mit 25 Leuten und einem kleinen Giebelfenster“, schildert Alf Kraushaar, einer der fünf Freunde, als ein Erlebnis, das er kein zweites Mal braucht. Harmlos sei dagegen die Begebenheit mit dem verschwundenen Rad gewesen. Gestohlen? Nein, der Herbergsvater hatte es damals konfisziert, weil die Männer die Ausweise nicht ordnungsgemäß vorgelegt hatten. Ihnen war Hunger und Durst dazwischen gekommen, erinnert sich Kraushaar. Er berichtet von an unzähligen, unvergesslichen Erlebnissen und gibt ehrlich zu, dass er zwischendurch immer mal wieder an die eigenen Grenzen stößt. Die nächste Tour über die Alpen ist dennoch schon geplant. An der Kondition wird längst wieder gefeilt.

Die Anfänge der gemeinsamen Kraft-Strampelei liegen für Manfred Reis und Thomas Rutz aus Bann, Steffen Cronebach aus Wiesweiler, Walter Moog aus Landstuhl und Alf Kraushaar aus Kaiserslautern in den 1990ern. Der Beruf bringt die fünf Vollzugsbeamten der Justizvollzugsanstalt (JVA) Kaiserslautern zusammen. Die Freundschaft bleibt auch bestehen, als die JVA Kaiserslautern im Jahr 2002 für immer die Tore schließt und sie beruflich unterschiedliche Wege gehen. Thomas Rutz und Walter Moog arbeiten seitdem in der JVA Zweibrücken, Steffen Cronebach in der JVA Rohrbach, die anderen beiden sind bei der Stadt Kaiserslautern beschäftigt. Beim Mountainbiken quer über die Alpen sind die Freunde bis heute ein unzertrennliches Team geblieben.

Harmlose Anfänge im Mountainbikepark

Dabei fing das mit dem Radeln ganz „harmlos“ an, wie Kraushaar der RHEINPFALZ berichtet. Mit dem Mountainbikepark Pfälzerwald ging alles los. Die Rennsteig-Überquerung in Thüringen war dann schon fordernder. Das reichte den Männern aber noch nicht. Im Jahr 2007 ließen sie sich nach sorgfältiger Tourplanung durch Steffen Cronebach zum ersten Mal auf die Alpen ein, fuhren über den San Bernardino Pass. Die Lunte war gelegt, und es gab ja noch so viele Alpenpässe, die nur darauf warteten, von der Truppe mit Rad und einem etwa acht Kilo schweren Rucksack überquert zu werden. Planer Steffen Cronebach tüftelt seitdem im zweijährigen Rhythmus eine neue Tour aus – mit Ausnahme der Corona-Jahre. 2022 waren die Männer zum letzten Mal gemeinsam unterwegs.

Als „überragend“ bezeichnet Kraushaar das, was der Freund an Planung stets vorlegt. Vom Zugtransfer über den Startpunkt, von der ersten bis zur letzten Übernachtung: Der Kumpel plane alles, überlasse auch bei der Rückreise nichts dem Zufall und arbeite die Etappen aus. Die Übernachtungsmöglichkeiten zwischen dem meist einwöchigen Radabenteuer werden dagegen spontan angefahren. Cronebach, mit 62 der älteste der Truppe, schert etwas aus, wenn es um die sogenannte Bio-Power geht. Er fährt seit der bisher letzten Tour ein E-Mountainbike – aus Rücksicht auf die Freunde. Die sollen an besonders bösen Steigungen oben nicht so lange auf ihn warten müssen.

Die Alpen rufen wieder

Seit der ersten Alpenüberquerung liegen mehr als 2600 alpine Radkilometer und knapp 44.500 Höhenmeter und immer ein anderer Start und Zielpunkt hinter den Männern. Und da geht noch was! Die Alpen rufen wieder, die Waden zwicken voller Vorfreude, das Rad muss raus aus dem Schuppen. „Wir wollen in Füssen starten und bis zum Lago di Poschiavo in der Schweiz fahren. Wir rechnen mit rund 370 Kilometern und etwa 8000 Höhenmetern“, stellt Kraushaar die von Steffen Cronebach für alle ausgearbeitete, neuste Tour vor. Die achte Alpenüberquerung ist für Ende August geplant.

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