Kreis Kaiserslautern „Voller Bauch hält friedlich“

Der niederländische Friedensaktivist Wam Kat verwendet in seiner mobilen Küche nur Bio-Lebensmittel aus regionalem Anbau. Im Koc
Der niederländische Friedensaktivist Wam Kat verwendet in seiner mobilen Küche nur Bio-Lebensmittel aus regionalem Anbau. Im Kochtopf schmoren sie langsam, energiesparend.

Mit 20 wollte er ein Held werden – und landete in der Kombüse des Greenpeace-Schiffs Rainbow Warrior. Dort wurde ihm bewusst, dass Essen etwas mit Politik zu tun hat. Bis Sonntag füttert der Niederländer Wam Kat mit seiner mobilen Küche die Aktivisten im Camp der Stopp-Air-Base-Ramstein-Kampagne bei Kottweiler-Schwanden durch.

Koch hat er nicht gelernt und Fleisch probierte der Doktor der Psychologie und Soziologie, Jahrgang 1956, noch nie. „Ich komme aus einer großen Familie mit zwei leiblichen Brüdern und vielen Adoptivgeschwistern. Das Geld war knapp und Fleisch hat damals noch das gekostet, was es kosten muss“, erklärt er seine Fleisch-Abstinenz. In schwarzer Sweatjacke und Wollmütze über dem grauen Pferdeschwanz sitzt Wam auf der Camp-Wiese außerhalb von Kottweiler-Schwanden. Von der kleinen Bühne klingt Gitarrenmusik, im Veranstaltungszelt läuft ein Workshop. Videos vom Vorabend zeigen den Lichtermarsch zur Air Base, Plakate kündigen die für morgen geplante Menschenkette durch Ramstein und die Reden von Eugen Drewermann, Daniele Ganser und Ann Wright an, die heute Abend in der Kaiserslauterer Versöhnungskirche auftreten werden.

„Essen verschwenden ist kriminell"

„Vor dem Demonstrieren wird gut gegessen. Das hält friedlich“, findet Wam Kat. Er schnippelt Ingwer und Karotten und kann dabei reden wie ein Wasserfall, ohne den Faden zu verlieren. Ein Thema: die Lebensmittelindustrie und, „dass so unglaublich viel Essen verschwendet wird. Das ist kriminell, das kann nicht sein.“ 5000 Tiefkühlpizzas, die jeden Tag weggeschmissen würden, zehn Kilo Getreide, um ein Kilo Fleisch zu produzieren, ein Ernährungswohlstand, der sich auf Kosten der ärmeren Teile der Welt speise – der drahtige Mann versteht seine Küche als solidarisches Beispiel, wie es anders geht „und trotzdem gut schmeckt“.

Kochbuch geschrieben

Er hat ein Kochbuch geschrieben mit 24 veganen und vegetarischen „Rezepten zur kulinarischen Weltverbesserung“. Der Band ist eine Biografie in Rezepten, ein Tagebuch mit weiten Abständen, das Schlaglichter wirft auf den Vater, der im Widerstand gegen die Nazis war, eine unbeschwerte Kindheit und aktive Jugend, Widerstandsjahre in der Anti-Atomkraftbewegung und den Hausbesetzerzonen, zwei Jahre Arbeit in einer Wurstfabrik und Praktika beim Biobauern. Raum gibt Wam Kat darin auch dem humanistischen Engagement in den Jugoslawien-Kriegen.

Zwei mobile Küchen

Letzteres gehört zu den Stationen, die ihn international bekannt gemacht haben. Das andere Markenzeichen sind die mobilen Küchen. Zwei davon hält der Mitbegründer des niederländischen Kochkollektivs Rampenplan am Laufen. Seit 36 Jahren füttert er auf diese Art soziale Bewegungen idealistisch, lässig und ökologisch bei ihren Aktionen durch, von der Startbahn West über Heiligendamm bis zur „Wir haben es satt“-Demo auf der Grünen Woche. „250 Tage im Jahr bin ich unterwegs.“

Kampfdrohnen beschäftigen Wam Kat

Inzwischen befreit Wam Tomaten vom Grün. „Lass mich überlegen, wann ich das erste Mal in Ramstein war – 85 war das. Bei den langen Friedensmärschen.“ Gut 30 Jahre später zählt er wieder die Flugzeuge am Himmel. Auf 62 kam er am Dienstag. „So viel Lärm immer noch“, findet er. „Und nicht nur für Waffen, sondern auch, weil die Armeeangehörigen überall Hamburger und Erdnussbutter essen wollen. Dass die Leute hier sich nicht wehren, verstehe ich nicht.“ Die Kampfdrohnen treiben ihn auch um. Nicht die Technik an sich, einer seiner Söhne nämlich entwickelt Segeldrohnen zum humanitären Einsatz, sondern ihr Einsatz: „Krieg und Töten wird zum Computerspiel. Es wird immer absurder. Die Distanz zwischen Tötenden und Getöteten wird immer größer, wodurch Gewalt immer wahrscheinlicher wird.“

„Alles bio“

Längst steht Wam Kat im Küchenzelt. Um 19 Uhr wird serviert, mittags auch und morgens ein Frühstück mit Brot und Aufstrich und Müsli. Die 150-Liter-Töpfe braucht das sechsköpfige Team noch nicht, kleinere reichen. Auf den gasbefeuerten Herden schmoren Tomaten aus eigener Ernte mit Knoblauch, Zucchini und Paprika, die geschnippelten Möhren und der Ingwer geben Kartoffeln Würze. Sie schmoren langsam, energiesparend. Ein Berg bunten Salats wächst in einer Schüssel, Kräuterduft hängt in der Luft. Das Spülwasser dampft heiß. „Alles bio“, sagt Wam Kat beim Blick in den Kühlwagen. Und eigentlich auch regional, zumindest, wenn man seinen Standort im winzigen Weitzgrund im brandenburgischen Fläming zugrunde legt. Er hat viel mitgebracht. Lieber hätte er vor Ort gekauft. Aber leider habe kein Biohof in der Nähe ausreichende Mengen Gemüse liefern können.

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