Trippstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Vogelkirsche: Die wilde Schwester der Süßkirsche ist ein Schatz für den Wald

Antonihof-Mitarbeiter Lars Bausch an der Passiermaschine: Er säubert stundenlang die Vogelkirschfrüchte, trennt dabei Stein und
Antonihof-Mitarbeiter Lars Bausch an der Passiermaschine: Er säubert stundenlang die Vogelkirschfrüchte, trennt dabei Stein und Frucht.

Am Forstlichen Genressourcenzentrum Antonihof sollen 1000 Kilogramm Vogelkirschen geerntet werden. Warum die Pflanze an Bedeutung gewinnt.

Die Vogelkirsche (Prunus avium) liefert aromatische, süße Früchte mit einem leicht bitteren Beigeschmack. Kugelig, etwa einen Zentimeter dick, zeigen sich die reifen Früchtchen schön rot glänzend. Nur, was ist die Vogelkirsche, und wo ist die Verbindung zur Süßkirsche?

Bäume werden bis zu 20 Meter hoch

Kurz gesagt: Die Vogelkirsche ist die wilde Form der Süßkirsche. Die Wildkirsche lässt sich bei uns im Mischwald, am Waldrand und als Pioniergehölz auf unbewirtschafteten Wiesen und Weiden finden. Die kultivierte Süßkirsche liefert dickere Früchte ohne Bitterstoffe, steht bei den Obstbauern in der Südpfalz und Rheinhessen hoch im Kurs, findet sich natürlich auch in der Westpfalz in den Gärten. Die Zucht stellt viele Sorten bereit, die unterschiedlich abreifen und mal mit gelben, mal mit roten und mal mit fast schwarzen Früchten locken.

Die wilde Vogelkirsche gehört zur Familie der Rosengewächse und wird als Baum gut 20 Meter hoch mit kegelförmiger Krone. Die rot leuchtenden, nahrhaften Kirschen locken Amseln, Drosseln, Stare und auch Krähen an. Der Baum ist so zu seinem Namen gekommen, und genau so gelingt es ihm, sich zu verbreiten: mit und im wahrsten Sinne durch die Vögel. Auch Eichhörnchen und Mäuse helfen ein bisschen, die Vogelkirsche zu verbreiten. Denn sie stehen ebenfalls auf die süßlichen Kirschen und lassen die Steinfrüchte mit den glatten Kernen an unterschiedlichen Stellen als Winterfutter zurück.

Edelholz für hochwertige Möbel

Bei dem Pioniergehölz handelt es sich um eine Baumart, die gut mit Trockenheit und Hitze zurecht kommt und „die im Zuge des Klimawandels an Bedeutung gewinnt“, weiß Patrick Lemmen, der Leiter des Forstlichen Genressourcenzentrums des Landes Rheinland-Pfalz. Das liege daran, dass „sie recht stabil bei Trockenheit ist und natürlich ökologisch wegen Blüte und Frucht in unseren Wäldern immer stärker gefördert wird“. Auch liefere die Vogelkirsche im hohen Alter wunderschönes Edelholz für hochwertige Möbel oder Intarsien.

Am Trippstadter Antonihof, dem Sitz des Genressourcenzentrums, organisiert Lemmen die Saatguternte im Staatswald. Und das sind eben nicht nur die Eicheln, Buchecker und Zapfen, auch die Vogelkirsche wird beerntet. „Rheinland-Pfalz hat zwei Samenplantagen mit Vogelkirschen, eine in Kusel und eine in Saarburg, auf denen Nachkommen besonders hervorragender, alter Waldkirschen aus ganz Rheinland-Pfalz stehen und sich munter genetisch untereinander austauschen können“, schildert Lemmen. Dort gebe es schon die ersten Helfer: In den Plantagen stehen Bienenvölker, die alles für die Bestäubung unternehmen.

Nichts wegwerfen, was die Natur geschenkt hat

Die Arbeit für die Mitarbeiter des Antonihofs beschränkt sich nun aber beileibe nicht darauf, einfach mal Kirschen zu pflücken. Die Flächen unter den Vogelkirschen werden zunächst freigepflegt, Netze werden ausgebreitet, und dann werden die Kirschen abgeschüttelt. Der nächste, noch aufwendigere Schritt erfolgt am Sitz des Genressourcenzentrums. „Das Fruchtfleisch muss vom Kern entfernt werden, da in der Frucht selbst keimhemmende Stoffe eingelagert sind“, erläutert der Chef des Hauses. Weggeworfen wird es nicht. Das Fruchtfleisch landet als Marmelade auf dem Tisch, oder die Maische wird an Brenner verkauft. „Hohle Kerne – oder richtiger: Steine – nutzen wir zum Teil sogar für Kirschkernkissen“, sagt Lemmen. Ungern werde etwas weggeworfen, was die Natur geschenkt hat.

Fürs Jahr 2025 rechnet Lemmen mit weit mehr als 1000 Kilogramm geernteter Früchte. Das entspreche einer Ausbeute von 150 bis 200 Kilogramm reiner Saatmenge. „Ein Kilo kann 5000 Pflanzen ergeben, die dann den Förstern im Wald wieder zur Verfügung stehen“, sagt Lemmen und freut sich über den Vogelkirschennachwuchs der Zukunft.

Aus 100 Kirschen werden Tausende

Die Samen, also die gereinigten Kirschsteine, werden nicht direkt im Wald ausgesät. „Das Saatgut ist zu wertvoll und knapp, und jede Pflanze zählt.“ Mäuse, Vögel und andere Tiere hielten sich nicht nur an die Kirschen, sondern könnten als Mitesser auch die Saat extrem dezimieren. Die Kerne gehen an Forstbaumschulen, von dort ziehen die ein- bis zweijährigen Vogelkirschpflänzchen über die Forstämter in den Wald.

„Am Waldrand gepflanzte Kirschen und Sorbusarten wie Eberesche, Mehlbeere, Speierling sind Selbstläufer“, berichtet Lemmen. Die Vögel sorgten dafür, dass im Laufe der Zeit aus 100 Kirschen Tausende werden. In Dansenberg sei das schön zu sehen: Der Kerschenknabberweg, von Gemeinde und Förster vor Jahren am Waldrand angelegt, habe dafür gesorgt, dass sich mittlerweile überall im Dansenberger Wald kleine Kirschenpflanzen entdecken lassen.

Erst wird auf den Plantagen in Kusel und Saarburg der Bewuchs unter den Bäumen entfernt, dann werden Netze ausgelegt und die Kir
Erst wird auf den Plantagen in Kusel und Saarburg der Bewuchs unter den Bäumen entfernt, dann werden Netze ausgelegt und die Kirschen abgeschüttelt.
x