Kreis Kaiserslautern Vignette löst Chaos-Knoten nicht

Eine neue Dimension wird wohl ab Montag das Verkehrs-Chaos in Miesau erreichen: Drei Wochen lang ist auch für ortskundige Autofahrer kein Durchkommen mehr, bleibt der größte Teil Miesaus vom Süden des Ortes, von Bruchmühlbach und der Autobahn-Auffahrt abgeschnitten. Wer auf die jeweils andere Seite muss, dem bleiben größere Umwege nicht erspart. Dass es keine Alternative gebe, erfuhren leidgeplagte Bürger bei einer Anliegerversammlung. Die bot auch Gelegenheit, angestautem Ärger Luft zu machen.
Die Nerven liegen blank in Miesau. Das wurde deutlich am Donnerstagabend in der Turn- und Festhalle. Bürgermeister Werner Holz, Ortsbürgermeister Klaus Neumann (beide SPD) sowie Mitarbeiter des Landesbetriebs Mobilität (LBM) informierten über den Stand der Dinge und das weitere Vorgehen beim Straßenbau-Großprojekt. Seit September 2013 wird die Bahnhofstraße grundlegend erneuert. Die Begleiterscheinungen nerven vor allem die Anwohner: Die innerörtliche Umleitung über die Wiesenstraße sollte Einheimischen vorbehalten sein. „Stattdessen hängt der halbe Kuseler Südkreis drin“, hat auch Holz beobachtet. Meist knattern Autos Stoßstange an Stoßstange durch die Wiesenstraße. Lasse es die Situation aber zu, werde mit Karacho durch die Wohnstraße gebrettert. Nicht mal Fahrer von 40-Tonnern kümmerten sich um das Durchfahrts-Verbot. In all dem ist man sich einig. Nur: Wie den Auswüchsen Herr werden? Im Grunde ging es um die ab Montagmorgen gültige dreiwöchige Sperrung der Kreuzung Bahnhof-/Wiesen-/Pfühlstraße. Die verwehrt auch Ortskundigen Zugang zum Schleichweg. Es gehe aber nicht anders: Unmengen an Versorgungsleitungen müssten in der Kreuzung verlegt werden. Aus Sicherheitsgründen sei dies nur mit einer Vollsperrung machbar, hat die Baufirma laut Holz versichert. Dies unterstrichen auch die Vertreter des LBM, die bei der Anliegerversammlung Rede und Antwort standen. Doch war es vor allem Holz, der mit Engelszungen sprach. Drei Wochen über Hütschenhausen und Hauptstuhl oder über Schönenberg fahren – das sei doch mal zumutbar, appellierte Holz an Vernunft und Verständnis. Ab beidem fehlt’s ja nicht bei den Anliegern. Aber: Die haben nach eigenem Bekunden schon so viel mitgemacht: Beispiel: Einige werden innerhalb der „Umleitung“ von einem kaputten Kanaldeckel wachgehalten, der überlaut scheppert, wenn Autos drüber rollen – was praktisch rund um die Uhr der Fall sei. Vorschläge, andere Schleichwege zu nutzen, gingen ins Leere. Feldwege und zu gering belastbare Brücken seien dafür einfach nicht geeignet, punktum, beschied Holz. Ein Bürger forderte gar eine Vignette für Einheimische. Der Rest müsse halt einen Bogen um Miesau machen. Dies aber löse den Chaos-Knoten genauso wenig wie Polizeikontrollen: Die seien wünschenswert, gingen aber ins Leere, sobald ein Ertappter geltend mache, er habe ja in der Wiesenstraße ein Anliegen. „Wir Anlieger werden durch die Vollsperrung noch bestraft“, rief ein Betroffener. Die Fachleute aber sagten klar, dass es für manches Problem beim Bahnhofstraßenausbau keine Lösung gibt. Die drei Wochen seien zu überstehen, danach ist die innerörtliche Umleitung wieder nutzbar. Wenngleich das Chaos bleibe. Da allzu viele durchrollten, die dort überhaupt nichts verloren hätten.