Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Viele Hundehalter sind ihrer Tiere überdrüssig

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Einst als niedlicher Welpe während der Pandemie zum Kuscheln und Schmusen im Homeoffice angeschafft, sind die Tiere jetzt für manche Menschen nur noch ein Störfaktor, berichten die Tierschützer im Kreis, die von abgabewilligen Haltern überrannt werden.

Viele Menschen, die sich während der Pandemie Hund oder Katze zugelegt haben, sind inzwischen von ihrem Vierbeiner nur noch genervt. Als Folge werden die Tierschutzorganisationen im Landkreis mit Anfragen von Haltern bombardiert, weil diese ihre Tiere vor dem Urlaub loswerden wollen. Für immer.

„Es ist ganz, ganz schlimm im Moment! Pro Tag haben wir derzeit bis zu 30 Anrufe von Leuten, die ihren Hund bei uns abgeben wollen“, ärgert sich Kai Zöller, Vorsitzender des Kindsbacher Tierschutzvereins, über die Einstellung der Hundehalter, die er als „absolut verantwortungslos“ empfindet. Die Vierbeiner, die in ihren Familien nicht mehr erwünscht sind, seien in der Regel ein bis zwei Jahre alt. „Allesamt Corona-Hunde!“ Nun da viele Menschen wieder vor Ort in ihren Firmen arbeiteten und reisen wieder uneingeschränkt möglich sei, sähen viele Besitzer in ihren Tieren nur noch eine Last. Dies werde oft auch unumwunden zugegeben, berichtet er. „Die ein- bis zweijährigen Hunde, die während der Pandemie angeschafft wurden, sind nun in der Pubertät. Und viele Halter haben sich mit der Erziehung keine Mühe gegeben, höchstens mal Martin Rütter oder ein Youtube-Video geschaut.“ Nun fühlten sie sich genervt und überfordert, wenn sie der Hund beispielsweise zur Begrüßung anspringe oder anderweitig geringfügig anecke. „Statt mit ihm in eine Hundeschule zu gehen und an dem Problem zu arbeiten, wollen sie ihn deswegen abgeben“, berichtet er kopfschüttelnd vom fehlenden Engagement und von der Gleichgültigkeit dieser Tierhalter.

Das Gassigehen nervt die Halter

Auch das „nervige Gassigehen“ vor oder nach der Arbeit werde häufig als Abgabegrund angeführt. „Wir haben bei der Tierrettung in letzter Zeit ganz oft mit entlaufenen Hunden zu tun.“ Manche Besitzer gäben dann gegenüber dem Tierschutzverein ohne jedes Schuldgefühl zu, dass sie dem Vierbeiner zuvor selbst die Tür geöffnet haben. „Ach, der geht oft alleine spazieren“, habe ihm neulich eine Frau lapidar berichtet, deren Hund von der Autobahn gerettet werden musste, so Zöller. „Was soll man da noch sagen!“

Während die einen ohne Umschweife zugäben, dass „sie endlich mal wieder alleine in Urlaub fliegen wollen“, ihnen eine Tierpension zu teuer sei und der Tierschutzverein den Hund deswegen aufnehmen solle, kämen andere mit fadenscheinigen Begründungen daher: „Der Besitzer eines jungen 50-Kilo-Rottweilers behauptete, er sei von seinem Hund gebissen worden und wolle ihn deswegen nicht mehr behalten. Die angebliche Wunde, die er auf Nachfrage vorzeigte, entpuppte sich als harmloses winziges Kratzerchen, das beim Spielen mit dem Tier entstanden ist“, erinnert sich Zöller, der selbst drei Hunde der großen Rasse Cane Corso besitzt. „Dem Mann hab ich gesagt: Wenn ihr Rottweiler sie wirklich gebissen hätte, sähe ihr Arm aber ein bisschen anders aus.“

„Wie ein Stofftier einfach entsorgt“

Der Vorsitzende des rührigen Kindsbacher Tierschutzvereins, dessen ehrenamtliche Tierrettung pro Tag zehn bis zwölf Einsätze absolviert, ist empört über die „absolute Verantwortungslosigkeit“ dieser Halter: „Die entsorgen ihren Hund wie ein Stofftier, das sie nicht mehr mögen“, findet Zöller und befürchtet, dass über Sommer im Kreis Kaiserslautern zahlreiche Hunde ausgesetzt werden könnten. „Wir bieten Erziehungs- und Vermittlungshilfe, können aber keine Hunde mehr aufnehmen, denn unser Tierheim ist schon gerammelt voll“, stellt er klar.

Das betont auch Katja Günther von der Tierschutzorganisation „Stubentiger in Not“, die derzeit 22 Katzen, darunter verwaiste Kitten, die alle paar Stunden gefüttert werden müssen, betreut. „Mehr geht nicht, wir haben derzeit einen absoluten Aufnahmestopp, denn wir können sie nicht stapeln“, sagt die Trippstadterin. Viele Stubentiger – darunter auch Rassekatzen und „sehr liebe, verschmuste Tiere“ – seien bereits ausgesetzt worden, befürchtet auch sie, dass sich diese Fälle noch häufen werden.

Bei den Katzen ist es nicht anders

Wie Zöller wird auch Günther von abgabewilligen Katzenhaltern überrannt. „Das ist schon seit Ostern so.“ Während die Menschen, die während der Pandemie bei „Stubentiger in Not“ eine Samtpfote adoptiert hätten, ihren Tieren allesamt weiter die Treue hielten, werde sie nun meist von Leuten kontaktiert, die ihre Katze aus dem Internet haben: „Über Ebay-Kleinanzeigen wurden während der Pandemie unzählige Katzen, viele aus dem Ausland, nach Deutschland vermittelt. Den Haltern war langweilig, sie wollten was Süßes zum Spielen und Schmusen. Doch nun, da die Beschränkungen weg sind und die Urlaubszeit naht, sind viele ihrer Katze überdrüssig“, berichtet sie.

Dreiste Ausreden

Die „plötzliche Allergie“ sei eine beliebte Ausrede, mit der die Abgabe ihr gegenüber begründet werde. „Andere sind aber völlig dreist, berichten ganz offen von ihrer Flugreise, die sie jetzt ,nach zwei Jahren Pandemie ganz einfach für ihre Seele brauchen’ oder gar von der anstehenden 40-tägigen Weltreise, die schließlich schon so viel Geld koste, dass eine Unterbringung des Tiers in der Katzenpension nicht auch noch drin sei.“ Oder sie schlügen vor, die Organisation, die selbst eine Katzenpension betreibt, solle das Tier „doch kostenlos übernehmen“. „Und wenn ich aus dem Urlaub zurück bin und das Vieh dann noch nicht vermittelt sein sollte, hole ich es vielleicht wieder ab“, zitiert Katja Günther eine andere Aussage, über die sie sich ebenfalls „ganz furchtbar geärgert“ habe. „Was die Leute von sich geben, ist echt der Wahnsinn! Einfach nur der Hammer!“

Wenn man ein Tier zu sich nimmt, übernimmt man die Verpflichtung, sich die nächsten 10 bis 15 Jahre anständig darum zu kümmern, betont Kai Zöller. „Das müssen sich die Leute bewusst machen.“ Dass nicht selten das Gegenteil der Fall ist, stimmt ihn und Katja Günther traurig. „Einfach abgeschafft zu werden für das bisschen Urlaub, das hat doch kein Tier verdient.“

Info

Weitere Infos zum Tierschutzverein Kindsbach gibt es im Internet unter www.animal-sunshine-farm.de. Die Trippstadter Katzenhilfe betreibt eine Homepage unter www.stubentiger-in-not.de

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