Kreis Kaiserslautern
Viele Betriebe im Kreis Kaiserslautern wissen nicht, wie es weitergeht
An Aufträgen mangele es der Firma auf dem Sembacher Heuberg nicht, sagt Elektromeister Stephan Hahlbeck. Von insgesamt 18 Angestellten seien aktuell fünf im Krankenstand. Wie sieht es mit Material aus? „Wir müssten uns jetzt eigentlich jede Menge aufs Lager legen, da wir davon ausgehen, dass es demnächst Lieferengpässe gibt“, berichtet Kirsten Hahlbeck weiter. Doch das Kapital könne dann zum Bezahlen von Lohnkosten und anderen Verbindlichkeiten fehlen. „Wir werden unsere Kunden bedienen, so lange es irgendwie geht, obwohl wir nicht wissen, ob diese die Rechnungen noch bezahlen werden. Wir haben wirklich Existenzängste“, sagt der Elektromeister. Die Regierung mache Ansagen, aber die Banken haben noch nichts zur Umsetzung an der Hand. Auch Kredite müssten zurückgezahlt werden. Durch die momentane Lage kämen viele ins Straucheln.
Vom Hoffen auf Unterstützung
„Am Dienstag fand im Provinzkino unsere einstweilen letzte Veranstaltung mit vier Besuchern statt“, berichtet Ursula Simgen-Buch. „Sie konnten sich in dem Saal ja dann auch sehr gut verteilen.“ Eine der Besucherinnen habe 20 Euro gespendet. „Aus purer Solidarität mit unserer Not“, verweist die Kinobetreiberin auf die derzeit äußerst schwierige Lage von Kulturschaffenden. „Ein Programmkino schippert ja eh immer ganz knapp am Abgrund und lebt von einer Kinoprogrammpreisverleihung zur nächsten.“ Derzeit beschäftigten sie fünf Festangestellte, zehn Minijobber und einen Midijobber. Hinzu kämen Mieten für zwei Kinos und ein Büro. „Wir werden natürlich alle Möglichkeiten ausschöpfen, den uns genannten Ansprechpartner beim Ministerium in Mainz kontaktieren, auf Unterstützung seitens des Bundes hoffen und auf Kulanz der Vermieter. Wir haben täglich Krisensitzung, wie vermutlich sämtliche Betroffenen weltweit auch. Aber klar ist schon jetzt, dass wir ohne Unterstützung maximal einen Monat überstehen.“
„Wir sind zum Glück ein kleines Familienunternehmen und zahlen keine Miete und keine Personalkosten“, sagt Monica Kolender-Tiano. Ihre Mutter, Edda Tiano, ist die Inhaberin des ältesten italienischen Restaurants in Sembach, dem Portofino in der Hauptstraße. „Wir müssen uns an die gesetzlichen Vorschriften halten“, stellt die Tochter fest. Bevor Restaurants und Cafés ganz zu schließen waren, mussten sie schon ab 18 Uhr zumachen, obwohl das Portofino eigentlich erst um diese Uhrzeit öffnet. Offiziell sei von der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn dazu keine Information zu bekommen gewesen, so Kolender-Tiano. So hätten sie sich in Kaiserslautern und über das Internet schlaugemacht. Die Feier zum 50. Betriebsjubiläum im Mai werde auf jeden Fall verschoben oder ganz abgesagt.
Die Malermeister Schmitt & Meininger aus Hochspeyer haben vorerst den Betrieb geschlossen. Ihre Ansage lautet: „Wir haben uns dazu entschieden, zum Schutz unserer gefährdeten Mitmenschen, zum Wohle unserer Mitarbeiter, deren Familien, unserer Kunden und unseren Geschäftspartnern, vorerst zu Hause zu bleiben. Irgendjemand muss ja mal beginnen, mit Vernunft und Konsequenz zu handeln.“ Das Büro sei weiter täglich von 9 bis 14 Uhr telefonisch erreichbar.
50 000 Schutzmasken pro Jahr
„Wir arbeiten noch!“, sagt Johannes Heger, Geschäftsführer der Eisengießerei Heger in Enkenbach-Alsenborn, nachdem am Vormittag niemand telefonisch zu erreichen war. Der Grund dafür sei, dass die Heger-Gruppe eine Corona-Strategie habe. An allen drei Standorten wurde das System der Wechselschicht, Früh- und Spätschicht, eingeführt. Zwischen den Schichten gebe es einen ausreichenden zeitlichen Abstand, so dass sich die Mitarbeiter nicht begegneten. Die Idee dahinter sei, die sozialen Kontakte zu verringern. „Wir sind noch alle am Arbeitsplatz. Kein Mitarbeiter ist im Homeoffice“, berichtet Heger. Die Lieferketten für Roheisen, Stahl, Sand und anderes funktionierten noch. Auch die Produkte könnten noch zum Kunden gebracht werden, selbst ins Ausland. Worauf es ganz besonders ankomme: Alle Mitarbeiter in der Produktion müssten Staubmasken zum Arbeitsschutz tragen. Ohne diese sei die Arbeit nicht möglich. Rechtzeitig habe man sich darum gekümmert, diese Masken in ausreichender Menge auf Lager zu haben, da sie ja nun „unnötigerweise als Atemschutz durch die Fußgängerzone getragen werden“. „Wir brauchen circa 50.000 Masken im Jahr und zahlen pro Stück 58 Cent“, macht Heger den Bedarf deutlich.
Nur ganz gesund zum Friseur
Beim Haareschneiden kommt der Friseur dem Kopf seines Kunden recht nah. Dabei ist in Zeiten des Coronavirus ja vor allem eines geboten: Abstand. Trotzdem ist es einer der Jobs, die nach Beschluss der Bundesregierung weitergemacht werden dürfen. Im Salon von Natascha Kistner im Ortsteil Alsenborn „herrscht derzeit richtiges Chaos“, sagt die Inhaberin. Viele riefen an und wollten wissen, ob sie noch geöffnet habe. Es hagele Terminabsagen der Kunden, die Angst hätten, sich anzustecken. Und „von denen die kommen, hat auch jeder Angst“, meint Kistner. „Wenn ich selbst Angst vor dem Coronavirus hätte, dürfte ich gar nicht arbeiten.“ Jeder, der irgendwelche Krankheitssymptome verspüre, sollte doch besser zu Hause bleiben, um niemanden anzustecken, appelliert die Friseurmeisterin an alle.
Ein regelrechter Tsunami
Mark Rheinheimer, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens, betont: „Wir sind mit den Betrieben gut und ständig im Gespräch.“ Diejenigen, die für das Kurzarbeitergeld zuständig seien, hätten momentan viele Telefonate und Anträge zu bearbeiten. Ein Mitarbeiter habe davon gesprochen, dass es keine Flut, sondern ein Tsunami sei, der über sie hereingebrochen sei.
Angebote der IHK
Die Industrie- und Handelskammer für die Pfalz weitet ihr Beratungsangebot zu Hilfen für Unternehmen im Zusammenhang mit der Corona-Epidemie stark aus. Auf ihrer Homepage (www.pfalz.ihk24.de) hält sie Informationen zu Förderprogrammen, Überbrückungshilfen und Steuererleichterungen durch andere Anbieter wie Förderbanken, Finanzämter und Agenturen für Arbeit bereit. Hier finden Unternehmer über Links zum Beispiel direkt zu den neuen Voraussetzungen für Kurzarbeit oder Hinweisen zur Stundung von Steuerzahlungen. Außerdem steht für individuelle Anfragen ein IHK-Expertenteam per Telefon und Mail bereit. Die IHK Pfalz bittet, aktuell von persönlichen Besuchen abzusehen.