Landstuhl RHEINPFALZ Plus Artikel Viel Freude am Fahrservice für die kleinen Amerikaner

Roman und Gudrun Müller fahren mit ihrem Kleinbus amerikanische Kinder zur Kita oder zur Schule.
Roman und Gudrun Müller fahren mit ihrem Kleinbus amerikanische Kinder zur Kita oder zur Schule.

Die Amerikaner und wir: Einstmals die lockere Einstellung der Amerikaner bewundernd und oft bei ihnen als Haushaltshilfe oder Kindermädchen tätig, haben sich viele Freundschaften zwischen Deutschen und Amerikanern entwickelt. Das Ehepaar Müller ist heute besonders gerne mit den kleinen US-Bürgern unterwegs.

Das Ehepaar Roman (65) und Gudrun (62) Müller aus Landstuhl ist von September bis Juni mit viel Freude und Herzblut unterwegs, um amerikanische Kinder täglich zum Kindergarten oder zur Schule zu bringen und am Nachmittag wieder nach Hause zu fahren. Hier schließt sich ein Kreis im Rückblick auf ein Leben, das von Kindesbeinen an geprägt wurde durch Freundschaft und Zuneigung mit amerikanischen Mitbürgern auf Zeit.

Kinder, die in den 1950er und 1960er Jahren im Großraum Kaiserslautern, Landstuhl, Ramstein aufwuchsen, erlebten ihre Welt aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. Einfache Verhältnisse und ein von großer Sparsamkeit geprägter Alltag bestimmten das Leben der deutschen Bevölkerung. Ganz anders, für viele junge Westpfälzer damals schon fast traumhaft, war das Leben der amerikanischen Soldaten und ihrer Familien hier bei uns.

Freundschaften, die oft über Jahrzehnte gepflegt wurden

Zu dieser Generation gehört auch das Ehepaar Müller. Als Kinder wuchsen beide hoch über Landstuhl auf der Pick auf. „Pick“ war die umgangssprachliche Bezeichnung für den heutigen Stadtteil Melkerei. „Unsere gesamte Kindheit hinweg hatten wir stets Kontakt zu amerikanischen Familien. Um die Haushaltskasse aufzubessern, vermieteten unsere Eltern oftmals das Dachgeschoss ihres Hauses an Amerikaner. Geblieben davon sind schöne Erinnerungen an Menschen, die das Leben leichter nahmen und im Vergleich zu unseren Eltern glücklicher und zufriedener wirkten“, erzählt Müller. Seine Ehefrau ergänzt: „Immer ein Lächeln auf den Lippen und dabei Hershey’s-Schokolade und amerikanische Süßigkeiten aus der Rocktasche der Uniform zaubernd, wurden sie für uns Kinder zu unseren Helden auf Zeit. Zu vielen Familien, die ja oftmals nur drei bis vier Jahre in ,Germany’ verbrachten, hatten unsere Eltern noch jahrelang Verbindung.“

Mit zunehmender Bebauung auf der Melkerei wurde dieses Wohngebiet sehr beliebt bei amerikanischen Familien. Für deutsche Frauen bot sich die Chance, als Reinigungskraft, Haushaltshilfe oder Kindermädchen bei diesen Familien zu arbeiten. Auch hier entstanden Freundschaften, die oft über Jahrzehnte gepflegt wurden. Gudrun Müller selbst hat lange Jahre bei Amerikanern im Haushalt gearbeitet und dabei nur gute Erfahrungen sammeln können. Auch ihr Ehemann hatte in seiner beruflichen Zeit, anfangs als Polizeibeamter in Kaiserslautern, später als Schichtkoordinator bei der Opel AG im Werkschutz-Werksicherheit aktiv, ebenfalls oft Kontakt mit US-Bürgern.

Früh morgens zum Stützpunkt

„Unser ganzes Leben wurde bis heute von den stets herzlichen und freundschaftlichen Erlebnissen mit unseren amerikanischen Mitbürgern auf Zeit positiv geprägt“, sagt der 65-Jährige. Auch im Unruhestand sind die beiden Landstuhler ihrer deutsch-amerikanischen Freundschaft treu geblieben. „Im Team befördern und betreuen wir als Fahrer und Begleit- person amerikanische Kinder – je nach Auftrag mit einem Kleinbus der Firma ,Special Needs’, ein Ableger des Busunternehmens Imfeld, zum Kindergarten oder zur Schule hin und zurück“, so Müller. Seine bessere Hälfte ist seit 2013 als Fahrerin und Begleitperson aktiv, er selbst seit 2017 als Fahrer.

Früh am Morgen starten die beiden Landstuhler, um ihre Schützlinge – zwischen drei und fünf Jahre alt – aus Winnweiler und Münchweiler zum Kindergarten und zur Vorschule auf den Stützpunkt Sembach zu bringen. „Am Nachmittag bringen wir Kinder, die auf dem Kirchberg beim Landstuhl Regional Medical Center den Kindergarten oder die Vorschule besuchen, zurück nach Lambsborn und Hauptstuhl. Dazwischen werden auch Fahrten mit Lehrkräften zu Meetings oder anderen Schulen bis hoch nach Baumholder eingeplant. So entsteht dabei auch eine Freundschaft, wenn die Fahrt als lustiger Deutschkurs für unseren Fahrgast endet. Besonders ins Herz geschlossen haben wir unsere kleinen Fahrgäste. Wenn nach einem Jahr die Trennung wegen Schulwechsel oder Versetzung der Familie zu einem anderen Standort ansteht fließen öfter Tränen, und das auch beidseitig“, so Gudrun Müller.

Auf ein gutes deutsches Bier

Sie erinnert sich auch an ein weniger schönes Ereignis: „Während einer Abholfahrt im Januar 2022 musste mein Mann als Ersthelfer eine amerikanische Frau und einen drei Monate alten Säugling aus einem Auto befreien. Die Frau, völlig im Schock, hatte sich nach einem Fahrfehler mit ihrem Fahrzeug überschlagen und war auf einem Feld gelandet. Da ich den Bus wegen unserer kleine Fahrgäste nicht verlassen durfte, brachte mir mein Mann das Baby zum Bus. Bis zum Eintreffen der Rettungskräfte betreute ich das Baby. Dieses Erlebnis wird mich wohl auch als Oma von drei Enkeln für den Rest meines Lebens begleiten.“

Besonders freut sich das Ehepaar, dass auch sein privates Umfeld in der Mühlstraße in Landstuhl von amerikanischen Freunden mitgeprägt wird. „Im Nachbarhaus wohnt ein Ehepaar – beide im Militär und oft bei uns zu Gast auf ein gutes deutsches Bier. Darum meine Bitte: Friends, please stay“, sagt Müller.

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