Reichenbach-Steegen RHEINPFALZ Plus Artikel VfB bietet Chronik zum 100-jährigen Bestehen an

 Erster Vorsitzender Uwe Kadel, Jürgen Müller (Autor der Chronik) und Zweiter Vorsitzender Mark Rheinheimer (von links) stellen
Erster Vorsitzender Uwe Kadel, Jürgen Müller (Autor der Chronik) und Zweiter Vorsitzender Mark Rheinheimer (von links) stellen die Chronik zur Vereinsgeschichte vor.

1921 – die Zeit der Gründung des Vereins für Bewegungsspiele (VfB) Reichenbach war für viele Menschen eine Zeit voller Sorgen. Zwar hatten sie den Ersten Weltkrieg überstanden, dennoch waren Armut, Hunger und Ungewissheit noch weit verbreitet. Mit einer Chronik blickt der VfB auf seine Geschichte zurück.

In dieser Zeit entschlossen sich 28 junge, fußballinteressierte Männer, den VfB Reichenbach 1921 zu gründen. „Viele Namen der Gründer sind leider nicht bekannt. Es gibt auch keine Belege über die Gründung aus dieser Zeit“, sagt der seit fast 28 Jahren amtierende Erste Vorsitzende Uwe Kadel. So viel ist gewiss: Uwe Kadels Großvater Otto, geboren 1900, hob den Verein am 1. Mai 1921 aus der Taufe. Gemeinsam mit zehn weiteren Spielern der ersten Stunde ist Otto Kadel auf der Titelseite der Chronik zum 100. Jubiläum zu sehen.

Fünf Jahre recherchiert

Der Enkelsohn war es auch, der die Idee zur Erstellung der Chronik hatte. Auf über 200 Seiten kann man darin historische Ereignisse nachlesen, sich an gute und schwierige Zeiten erinnern, alte Bilder betrachten und in Erinnerungen schwelgen. Viel Zeit und Energie hat der gebürtige Reichenbacher Jürgen Müller (58) unentgeltlich in diese Chronik investiert. Vor fünf Jahren begann er mit der Recherche – unter anderem im Landesarchiv Speyer, beim Sportbund Pfalz, im Rathausarchiv in Kaiserslautern und bei der Kreisverwaltung Kusel sowie in der Pfalzbibliothek und beim Südwestdeutschen Fußballverband Edenkoben. „Viele alteingesessene Familien sind über Generationen hinweg im Verein aktiv. Das zeichnet einen Ortsverein aus“, sagt der ehemalige SPD-Ortsbürgermeister Jürgen Müller. Namen wie Schröer, Bangert, Gabel, Hahnenberger, Rinder und Fuhrmann tauchen neben historischen Fotografien auf.

Zahlreiche Sportvereine wurden von den Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs aufgelöst. Zu einer Auflösung kam es zwar in Reichenbach nicht, doch zum Vereinsvorsitzenden war eine im Ort unbekannte Parteigröße ernannt worden. Bereits früh nach Ende des Krieges, Anfang 1946, wurde beim VfB wieder Fußball gespielt. „Die Reichenbacher wollten weg vom Kriegsgrauen“, sagt Chronist Müller.

Humorvolle Reichenbacher

„Hier wird nicht gerammbauschelt!“ Auf dem schwarz-weiß Foto aus dem Jahr 1949 sieht man sechs Männer mit nackten Oberkörpern und Arbeitsgerät in den Händen in offensichtlich großer Hitze um eine Lore platziert. In großer Schrift prangt darauf dieser Satz. „Damals wurde per Hand der Platz abgeräumt“, erklärt Uwe Kadel. Doch was bedeutet „gerammbauschelt“? Das weiß so recht heute keiner mehr. „Vielleicht heißt es so viel wie ,Hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt’“, vermutet Zweiter Vorsitzender Mark Rheinheimer. Wie dem auch sei, humorvoll waren die Reichenbacher damals schon. Auf einem weiteren Bild aus der gleichen Zeit begründen sie mit der Aufschrift auf der Lore den „Club der Ungeküßten“. Die Orientierung im Spielbetrieb habe auch gewechselt, so Uwe Kadel. In den 40er Jahren suchte der VfB seine Gegner mehr in der Kaiserslauterer Ecke, in den 50er Jahren war man Richtung Kuseler Orte unterwegs.

Ein „falscher Spieler“ kostet die Meisterschaft

Was hat der VfB Reichenbach mit dem FC Bayern München zu tun? Immerhin wurden die beiden Vereine 1930 in der Pfälzischen Volkszeitung gemeinsam in einer Rubrik erwähnt. Chronist Jürgen Müller klärt auf. „Die damalige Sportberichterstattung war bei weitem nicht so ausführlich, wie sie es heute ist. Da wurde einiges zusammengelegt. In der Runde 1929/30 errang der VfB auch die Meisterschaft in der B-Klasse. Vor der stattlichen Anzahl von 800 Zuschauern kam es in Kusel nach einem Unentschieden zu einem Wiederholungsspiel gegen Herschweiler. Reichenbach gewann die Partie mit 2:1. Ein ,falscher Spieler’, wie es bei alten Fußballern im Verein heute noch heißt, sorgte damals dafür, dass dem VfB die Meisterschaft wieder aberkannt wurde. „Ein Spieler war nicht bei uns gemeldet“, erinnert Jürgen Müller an das niederschmetternde Ereignis.

Schönste und gepflegteste Anlage

Traditionell steht beim VfB Reichenbach der Fußball im Mittelpunkt. 1971 erfolgte die Gründung der Damen-Gymnastikgruppe durch Karin Kadel – die Mutter des heutigen Vorsitzenden. Noch heute, mit 72 Jahren, leitet sie als Ehrenmitglied diese Abteilung. „Die Tanzangebote haben sich bemerkbar gemacht, besonders auch seit 2004 das Kindertanzen. Die Nachwuchsarbeit ist uns wichtig“, betont Rheinheimer. Heute zählt der VfB fast 600 Mitglieder. „Bei rund 1500 Einwohnern ist das schon eine Nummer“, meint Uwe Kadel erfreut.

1967 bis 1971 wurde das Sportheim erbaut und seither mehrfach modernisiert und erweitert. „Der Ort steht hinter dem Verein“. Für die große Unterstützung seit 100 Jahren sei man dankbar, so der Vorsitzende. „Vom Ascheplatz zum Kunstrasen“, beschreibt Mark Rheinheimer die Entwicklung in den 100 Jahren Vereinsgeschichte. Im Oktober 2014 wurde die 25.000 Quadratmeter große Sportstätte des VfB vom Sportbund Pfalz als schönste und gepflegteste Anlage im Kreis ausgezeichnet.

Info

Die Chronik ist nach Vorbestellung über die Homepage www.vfbreichenbach.de/Chronik/ ab 11. Dezember für 19,21 Euro erhältlich. Zehn Euro des Verkaufspreises fließen in die Jugendarbeit.

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