Hütschenhausen
Veteranentag: Berührungsängste zur Bundeswehr abbauen
„Unser Ziel ist es, dass wir die Bundeswehr, ihre Aufgaben und ihre Bedeutung für unseren Staat sowie ihre aktiven und ehemaligen Angehörigen wieder etwas mehr in das Bewusstsein der Menschen rufen wollen. Gleichzeitig wollen wir mit unserem Angebot, zu dem wir insbesondere für den Samstag die ganze Bevölkerung eingeladen haben, Berührungsängste abbauen, zeigen, für was wir stehen und auch ein bisschen Werbung in eigener Sache machen“, sagt Fred Schneider. Der Oberstleutnant der Reserve ist Vorsitzender der rheinland-pfälzischen Reservisten-Arbeitsgemeinschaft Krad (kurz für Kraftrad – so nennt man beim Militär ein Motorrad), die zusammen mit dem Reservistenverband Kreisgruppe Westpfalz erstmals zu einem Veteranenwochenende an den Steinbruch und ans Schützenhaus nach Hütschenhausen eingeladen haben.
Dort, wo eigentlich die Reservistenkameradschaft Hütschenhausen ihr Vereinsheim hat, in der landschaftlich sehr reizvollen Umgebung eines aufgelassenen Steinbruchs, hat man sich an Samstag für größeres Publikum gerüstet. Vor einer steil aufragenden Felswand ist an zentraler Stelle des Steinbruchs eine Bühne aufgebaut, auf der in den lauen Abendstunden des bislang heißesten Tags des Jahres die amerikanisch-deutsche Band „Rock’n’Roll“ unter anderem mit Country Rock einheizen wird.
Typisierungsaktion inklusive
Im Rund des ehemaligen Steinbruchs gibt es neben den obligatorischen Verpflegungsständen, an denen in den Nachmittagsstunden hauptsächlich gut gekühltes Mineralwasser nachgefragt wird, auch ein umfangreiches Infoprogramm. Vertreten ist unter anderem das Rhema Café der Kaiserslautern Military Community, dessen Landstuhler Standort nicht nur für seine Auszeichnung im „Restaurant-Guru“ bekannt ist, sondern vor allem für sein umfangreiches Hilfsangebot, das sich an aktiven Militärangehörige und Veteranen aller Nationen sowie deren Familien richten.
Vertreten mit einem Stand ist auch die Stefan-Morsch-Stiftung. Liane Helmold und Ellen Kreis-Adam informieren dort nicht nur über die Arbeit der Stiftung und die Stammzellenspende, sondern könne auch gleich sogenannte Typisierungen vornehmen, durch die man sich als möglicher Spender von Stammzellen und Knochenmark registrieren lassen kann. „Wir haben den Westpfälzer Veteranentag der Stefan-Morsch-Stiftung gewidmet, der wir heute ein öffentliches Podium bieten und die wir mit dem Erlös der heutigen Veranstaltung unterstützen, wozu alle Mitwirkenden einschließlich unserer Band ehrenamtlich im Einsatz sind“, berichtet Simone Schäfer von der Geschäftsstelle des Reservistenverbands, die zusammen mit Fred Schneider den Veteranentag in Hütschenhausen organisiert hat.
Haare schneiden für den guten Zweck
Zum Kreis der Unterstützer gehört auch die Friseurmeisterin Susanne Klauk aus Pirmasens. Sie hat sich, wie Schäfer berichtet, am Vortrag spontan dazu bereit erklärt, den Besuchern des Veteranentags gegen eine Spende an die Stefan-Mosch-Stiftung die Haare zu schneiden – und hat in den Nachmittagsstunden alle Hände voll zu tun.
Gewissermaßen Werbung in eigener Sache macht die Bundeswehr nebenan am Infostand ihres Karrierecenters, wo Karen Lukas unter anderem darüber informiert, dass die Bundeswehr nicht nur Soldaten beschäftigt. Sie ist auch ziviler Arbeitgeber und hat mehr als 30 verschiedene Ausbildungsberufe für alle Schulabgänger in ihrem Portfolio.
Schießtraining und Flugabwehr
Neben zahlreichen Infos rund um die Bundeswehr, ihre Reservisten und Veteranen gibt es auch was zu gucken. Auf der zum Parkplatz umfunktionierten Wiese zwischen dem Steinbruch und dem Schützenhaus, in dem man sich an dem Nachmittag im Kleinkaliber-Schießen auf 50 Meter entfernte Zielscheiben versuchen kann, steht ein auf einem 15-Tonner-Lkw montiertes Flugabwehrraketensystem „Roland“. Das wird zwar seit 2005 nicht mehr bei der Bundeswehr eingesetzt, sein Radarsystem ist jedoch beim Polygone-Kontrollzentrum in Bann zu Übungszwecken immer noch im aktiven Dienst.
Nicht mehr aktiv, dafür aber umso sehenswerte sind einige alte Militärmotorräder, die von Angehörigen der RAG „Krad“ liebevoll gepflegt werden und die gelegentlich, blauen Zweitaktqualm hinter sich herziehend und unverkennbar „duftend“, flotte Runden über den ziemlich holperigen Parkplatz ziehen.
Veteranentag soll jährlich veranstaltet werden
Nicht nur in Hütschenhausen sondern in der ganzen Bundesrepublik gab es am vergangenen Wochenende ähnliche Veranstaltungen. Grund war der Nationale Veteranentag, dessen Einführung vom Bundestag auf Initiative von SPD, CDU/CSU, den Grünen und der FDP im vergangenen Jahr beschlossen wurde und der ab diesem Jahr immer am 15. Juni oder am darauffolgenden Sonntag stattfinden wird. Der Tag soll, so die Intention der Parteien, für „umfassende Wertschätzung“ von Soldaten sorgen und die „Versorgung von Veteranen und deren Familien verbessern“. Als Veteran gilt in der Bundesrepublik jeder, der seinen Militärdienst geleistet hat und nicht unehrenhaft entlassen wurde oder noch aktiver Soldat ist. Demnach gibt es in Deutschland rund zehn Millionen Veteranen, hauptsächlich jene Frauen und Männer, die zwischen 1957 und 2011 in der Bundeswehr oder der Nationalen Volksarmee ihren Wehrdienst geleistet haben.