Landstuhl Vernissage: Westpfälzer Künstler zeigen Vielfalt im Landstuhler Rathaus

Der Vorsitzende des Kunstvereins „Freunde der Malerei Westpfalz“, Jürgen Knies-Boulesteix, und seine Stellvertreterin Ulrike Fre
Der Vorsitzende des Kunstvereins »Freunde der Malerei Westpfalz«, Jürgen Knies-Boulesteix, und seine Stellvertreterin Ulrike Freitag tauschen die Bilder im Rathaus Landstuhl aus.

Bilder, die auf viele verschiedene Arten gestaltet wurden, sind ab Donnerstag im Landstuhler Rathaus zu sehen. Wer hinter diesen Werken steckt.

Seit drei Jahren nennen sie sich „Freunde der Malerei Westpfalz“, aber die Gruppe existiert schon viel länger. „Im Oktober 1982 wurde unser Verein gegründet“, berichtet Jürgen Knies-Boulesteix, seit 2023 Vorsitzender des Vereins. Anfangs seien es 19 „Freunde der Malerei Landstuhl“ gewesen. Inzwischen zählen aber rund 60 Männer und Frauen aus einem größeren Einzugsbereich dazu. „Zudem haben wir unseren Radius für Aktivitäten ausgeweitet“, erläutert die stellvertretende Vorsitzende Ulrike Freitag. Seit sie und Knies-Boulesteix die Führung innehaben, werde deutlich mehr unternommen.

„Erstmals werden wir uns in diesem Jahr an der Langen Nacht der Kultur beteiligen“, kündigt die 62-Jährige an und verweist auf eine Veranstaltung am 13. Juni im Hotel „Alcatraz“. Für die Jahresschau Ende November in Hütschenhausen versuche sie, das Pfalztheater für kleine Musikstücke und Lesungen zu gewinnen. An jedem ersten Samstag im Monat treffen sich Interessierte aus dem Verein zum gemeinsamen Malen. Ausstellungen finden an verschiedenen Orten statt. Die im Landstuhler Rathaus gehöre schon immer zum Jahresprogramm. Kurz vor Ostern und kurz vor den Herbstferien werden die Exponate ausgetauscht. In dem Gebäude inklusive Standesamt seien immer etwa 40 bis 50 Bilder zu sehen. Vertreten sei der Verein auch auf Kunst- und Weihnachtsmärkten.

Mitglieder lernen die Vermarktung ihrer Werke

„Einmal monatlich besprechen wir in einem Ramsteiner Restaurant alles, was wir demnächst vorhaben“, sagt die Fischbacherin. Dabei gehe es nicht nur um Ausstellungen, sondern beispielsweise auch um Workshops, die in der Regel von den eigenen Mitgliedern angeboten werden. Themen seien etwa unterschiedliche Maltechniken oder auch Verkaufsstrategien – die Vermarktung der eigenen Arbeiten ist laut Knies-Boulesteix ein weit verbreitetes Problem unter kreativen Köpfen. „Wir haben da mit Roger Graff einen Experten in unserer Runde, der einst Autoverkäufer war“, erklärt der 70-Jährige, der vor seiner Pensionierung die Berta-von-Suttner-Gesamtschule in Kaiserslautern geleitet hat.

Mit dem Malen habe er vor etwa 15 Jahren angefangen, als er monatelang krank daheim gesessen habe. Der Mathe- und Französischlehrer bannt seither Landschaften, oft aus Burgund oder Finnland, mit Ölfarbe auf verschiedene Untergründe – darunter Dachziegel, Bodenfliesen, Schallplatten und CDs. „Ich male auch gern mal nur Wolkenformationen am Himmel oder abstrakte Wohlfühlbilder in warmen Tönen“, erzählt er.

Bestatterin hat sich auf Bemalen von Urnen spezialisiert

Seine Stellvertreterin hat sich dem naturalistischen Stil verschrieben. Hauptsächlich bildet sie Tiere ab, am liebsten Pferde, aber auch Porträts und sozialkritische Szenen. Aktuell sei sie jedoch mit Pfälzer Burgen beschäftigt, berichtet sie von den Ergebnissen des Pleinair-Malens, der Freilichtmalerei. Denn auch in der Gruppe gehe es bei schönem Wetter mit der Staffelei vor die Ateliertür. Freitag bevorzugt Acrylfarben, greift aber ebenso zu Tusche und Aquarellfarben. Die Architektin und Bestatterin hat sich auf das Bemalen von Urnen spezialisiert, was sie auch als Workshop anbieten möchte. Knies-Boulesteix erzählt von der Wirkung dieser Kunst. Als seine Mutter 98 Jahre alt war, habe er begonnen, ihr späteres Aschengefäß individuell zu gestalten. „Dabei habe ich mich Schritt für Schritt von ihr verabschiedet.“ Im November 2025 sei sie dann im Alter von 102 Jahren gestorben. Und nein, die Urne stehe jetzt nicht bei ihm im Wohnzimmer, wie es nach neuem Landesrecht möglich wäre. Wie der Vorsitzende und seine Stellvertreterin sei das Gros der Mitglieder im talentierten Hobby- oder semiprofessionellen Bereich angesiedelt. „Nur wenige von uns leben von ihrer Kunst“, sagt Knies-Boulesteix.

Kooperationen würden großgeschrieben. Etwa mit Kunstkollegen aus Pont-à-Mousson, der französischen Partnerstadt Landstuhls. „Dort werden wir wieder im Mai einen Kunst-Boulevard veranstalten, wir stellen aus und malen live“, erzählt Freitag. Mit dem Kunstkreis Kusel habe man im Jahr 2024 zwei Tage lang auf der Burg Lichtenberg gearbeitet und die Ergebnisse anschließend ausgestellt. In Zusammenarbeit mit der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz werden Amerikaner zu „Paint and Wine“ eingeladen, wo sie unter Anleitung malen können.

Termin

Die „Freunde der Malerei Westpfalz“ wechseln die Bilder im Rathaus von Landstuhl aus. Vernissage ist am Donnerstag, 26. März, um 17.30 Uhr. Bis zum 1. Oktober werden während der Öffnungszeiten der Verwaltung Werke von acht Künstlern zu sehen sein.

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