Landstuhl RHEINPFALZ Plus Artikel Verkauf geplant: Schlosshotel Landstuhl unter vorläufiger Insolvenzverwaltung

Das Schlosshotel unterhalb der Burg Nanstein steht zum Verkauf.
Das Schlosshotel unterhalb der Burg Nanstein steht zum Verkauf.

Einst galt es vielen als das erste Haus am Platz: Jetzt steht das Schlosshotel Landstuhl unter vorläufiger Insolvenzverwaltung, teilt das Amtsgericht Zweibrücken mit.

Ob schicke Geschäftsessen, große Hochzeiten und Familienfeste oder einfach der sonntägliche Gaststättenbesuch: Das idyllisch von Wald umgebene Drei-Sterne-Hotel unterhalb der Burg Nanstein gehörte über viele Jahre zu den Top-Adressen in Landstuhl und Umgebung. Im Jahre 1935 von der damaligen Kurstadt Landstuhl für die Kurgäste errichtet, folgte in den 1990er Jahren die Renovierung und Erweiterung des Schlosshotels durch die Hoteliersfamilie Schuff. Dabei entstand ein Gebäudekomplex mit 30 Zimmern, Wellness- und Spa-Bereich, Tagungsraum sowie Restaurant mit Biergarten. 2022 allerdings wurde das Restaurant geschlossen – wegen Personalmangels, wie Inhaber Hans-Joachim Schuff damals gegenüber der RHEINPFALZ diesen Schritt begründete. Nun ist der gesamte Betrieb, der vor gut zehn Jahren noch 23 Mitarbeiter und drei Auszubildende beschäftigte, in finanzielle Schieflage geraten und das Amtsgericht Zweibrücken hat im Insolvenzantragsverfahren die vorläufige Verwaltung angeordnet.

Was ist passiert? Hotelier Hans-Jürgen Schuff möchte sich auf RHEINPFALZ-Anfrage nicht äußern. Doch der Landstuhler Rechtsanwalt Patrick Rietz, den das Amtsgericht zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt hat, erläutert die Situation: „In der Regel sind die beiden häufigsten Gründe einer Insolvenz die Überschuldung oder die Zahlungsunfähigkeit. Im Falle des Schlosshotels hat der Inhaber so viel Geld in die Renovierung der Zimmer und die Modernisierung des Wellness-Bereiches investiert, dass er dem Betrieb weitestgehend die Liquidität genommen hat.“ Zu dieser vorläufigen Einschätzung kommt Rechtsanwalt Rietz nach Sichtung sämtlicher Bilanzen und Buchführungsunterlagen des Hotels. Hinzu kam laut Rietz, dass die Buchungen der Amerikaner zurückgegangen seien. Zwischenzeitlich habe es zwar wieder ein gastronomisches Angebot im Schlosshotel gegeben, aber seit Dezember vergangenen Jahres sei das Restaurant wieder geschlossen, erneut aus Personalmangel.

Der Betrieb läuft als Hotel Garni weiter

„Der Hotelbetrieb läuft weiter, jetzt als Hotel Garni, nur mit Frühstück für die Gäste“, berichtet Rietz vom Stand der Dinge. Vorhanden sei noch eine „Rumpfmannschaft“ von fünf Mitarbeitern, die sich gemeinsam mit dem Inhaber um das Wohl der Gäste kümmerten: Ihre Gehälter seien vorerst gesichert. „Die zwei Zimmermädchen, die Buchhalterin und zwei Köche schmeißen den Laden. Alle machen jetzt alles. Es ist unglaublich, wie toll dieses Team ist und wie alle zusammenhalten“, staunt der Rechtsanwalt über die Einsatzbereitschaft der verbliebenen Mitarbeiter und besonders über die beiden Köche: „Bei dem derzeitigen Personalmangel in der Gastronomie könnten die Zwei sofort eine neue Stelle finden. Aber sie bleiben dem Schlosshotel und ihren Kollegen treu, machen das Frühstück und kümmern sich danach eben um all das, was gerade anfällt.“

Der Rechtsanwalt erstellt derzeit ein Gutachten, wie es um die Finanzen des Betriebs bestellt ist. „Wir prüfen bisher noch, ob und gegebenenfalls welcher Insolvenzgrund vorliegt.“ Falls sich dies bestätige, werde es „wahrscheinlich im Mai“ zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens kommen. Das Schlosshotel steht bereits zum Verkauf. Dafür hat der Jurist eine Ramsteiner Immobilienfirma als Makler mit ins Boot geholt.

Das Hotel steht für 1,9 Millionen Euro zum Verkauf

„Ein geschlossenes Hotel zu verkaufen ist dreimal schwerer als eines, das noch offen ist und Gäste beherbergt“, betont der vorläufige Insolvenzverwalter und hofft auf gute Angebote. Als Preis wurden 1,9 Millionen Euro angesetzt. „Von der schönen Location her kann das Schlosshotel in Landstuhl der Platzhirsch sein. Hinzu kommt der Wellness-Bereich mit zwei Saunen, einem Whirlpool und einem Dampfbad. Wer hat das schon?“, unterstreicht Patrick Rietz die Pluspunkte des Objekts und ist überzeugt, dass sich ein Käufer findet, auch wenn das Erbpachtgrundstück, auf dem das Hotel steht, den Wert mindere. „Da der Inhaber ja so viel Geld in die Renovierung gesteckt hat, ist jetzt eigentlich der richtige Zeitpunkt für einen Verkauf. Denn der Käufer kann gleich loslegen, muss nicht erst noch investieren.“ Obwohl das Objekt erst wenige Tage auf dem Markt sei, gebe es bereits Interessenten. „Stand jetzt sind es vier“, sagt der Anwalt.

Ausgelöst durch den Irankrieg sei inzwischen auch die Nachfrage nach Zimmern durch die Amerikaner wieder gestiegen. „Die Umstände sind zwar traurig, aber: Seit Februar gehen die Zahlen wieder hoch.“ Das erleichtere ihm seine Aufgabe, „das Hotel kostendeckend bis zum Verkauf am Leben zu erhalten“. Rietz zeigt sich zuversichtlich, dass dem künftigen Besitzer mit einem neuen Konzept ein guter Neustart gelingen werde.

„Wellness-Bereich ist ein Alleinstellungsmerkmal“

Davon ist auch Stadtbürgermeister Mattia De Fazio überzeugt: „Das Schlosshotel hat Potenzial, mehr daraus zu machen.“ Allein schon der Wellness-Bereich mit Sauna sei ein Alleinstellungsmerkmal, das seiner Ansicht nach stärker beworben werden sollte. „Dafür fahren die Leute in die Vorderpfalz.“ Er hofft, dass der Käufer künftig verstärkt auf den Tourismus setze. „Auf besondere Events, die die Leute anlocken. Auf die Burgspiele und auf Wanderangebote. Schließlich liegen unsere Premiumwanderwege vor der Haustür.“ Als Bürgermeister der Kommune, auf deren Erbpachtgrundstück das Hotel steht, wünscht sich De Fazio, dass das Schlosshotel unter neuer Führung wieder zu seiner alten Bedeutung in der Sickingenstadt zurückfindet.

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