Sembach
US-Militär gewährt Einblick in sein Gefängnis
Bei einer Führung am Dienstagmorgen gewährt das US-Militär seltene Einblicke in seine Haftanstalt auf dem Heuberg. Aktuell sind zwölf Inhaftierte im Vollzug – sieben wurden bereits verurteilt, fünf warten noch auf ihr Gerichtsverfahren. Ihre Vergehen spiegeln die ganze Bandbreite möglicher Straftaten wider – von Betrug, Körperverletzung, sexueller Gewalt bis zu Mord. Untergebracht sind die Straftäter in der Regel in Zellen für bis zu zehn Personen – nach Geschlechtern getrennt. Privatsphäre gibt es nicht. „Das ist nicht wirklich ein Problem“, meint der Kommandant der Einrichtung, Major Randall Zamora. Der Aufenthalt im Sembacher Gefängnis dauere 30 Tage bis zu einem Jahr. Danach erfolge die Verlegung in Gefängnisse in den USA, wie beispielsweise in Leavenworth/Kansas.
Fünf Meter hohe Zäune
Die streng bewachte Haftanstalt gleicht von der Größe her einer durchschnittlichen Mehrzweckhalle. Rund fünf Meter hohe, doppelreihige Zäune umschließen das Gelände. Am Boden und auf der Oberseite der Zäune sollen zusätzlich dicke Rollen Stacheldraht einen Ausbruch verhindern. 72 Armeeangehörige leisten hier ihren Dienst. Enge, schmale Gänge durchziehen das Gebäude. Die Büros, in denen die Verwaltung untergebracht ist, befinden sich nur wenige Meter entfernt von den Zellen der Inhaftierten. Straffällig gewordene Militärangehörige der Luftwaffe, Marine und der Armee werden hier festgehalten. Die „United States Army Correctional Activity Europe“, auch bekannt als „Iron Sentinels“, hatte ab 2010 ursprünglich in den Mannheimer Coleman Barracks ihren Sitz.
Randall Zamora erklärt, was die Haftanstalt auf dem Heuberg so besonders macht. „Die hochmoderne Einrichtung wurde als die beste Justizvollzugsanstalt ihrer Abteilungsgröße ausgezeichnet und von der American Correctional Association erneut akkreditiert.“ Alle drei Jahre wird diese Zulassung neu vergeben. Sie gilt als Voraussetzung dafür, die Haftanstalt weiter betreiben zu dürfen. In diesem Jahr wurde die Sembacher Einrichtung ebenfalls mit der Thomas-F.-Barr-Auszeichnung gewürdigt. Nach Angaben der US-Armee soll diese Professionalität und Korpsgeist fördern, indem die Einheit gewürdigt wird, die über einen Zeitraum von zwölf Monaten besonders herausragende Leistung zeigt.
Schreien und schlagen
Kaplan Jeremi Wodecki und Sozialarbeiterin Kimberly Hyatt stehen mit ihrem Team den Gefängnisinsassen als Seelsorger zur Seite. Inhaftierte können in psychische Ausnahmesituationen geraten. Schreien und um sich schlagen gehöre zum Alltag. Besonders die Insassen in den Isolationszellen seien suizidgefährdet oder gewalttätig.
Um zu zeigen, wie die Wache der Militärpolizei im Falle einer Eskalation vorgeht, sind fünf Protagonisten angetreten. Sie sichern in einer eingeübten Demonstration eine „Gefangene“ in der Isolationszelle, durchsuchen sie nach Waffen und fixieren die Person auf dem Boden. „Dieses Verhalten hat oft disziplinäre oder medizinische Gründe“, erklärt Zamora.
Gute Zusammenarbeit mit der Polizei
Generalmajor James M. Smith, Leiter des 21st Sustainment Command in der Kaiserslauterer Panzerkaserne, würdigt die Arbeit des Personals in der Haftanstalt. Er bedankt sich ebenfalls bei der deutschen Polizei – insbesondere dem Polizeipräsidium Westpfalz – für die Schulung von US-Soldaten und die gute Zusammenarbeit. Die Polizeikommissare Kai Fauss und Yon Degen sowie Polizeihauptkommissar und Pressesprecher Bernhard Christian Erfort erhalten jeweils eine Dankesurkunde. Zu Themen wie Alkohol im Straßenverkehr, E-Roller fahren und Taschendiebstahl auf dem Weihnachtsmarkt wurden die Militärangehörigen von ihnen unterrichtet. Das Polizeipräsidium Westpfalz ist mit zehn Vertretern an diesem Morgen vor Ort. Polizeipräsident Michael Denne und seine Kollegen wollten erfahren, wie in diesem Militärgefängnis gearbeitet wird. „Es war für mich ein sehr wichtiger Tag“, sagt Denne im Nachgang. Er kündigt an: „Unsere gemeinsame Kampagne zur Prävention wird fortgesetzt.“