Sembach RHEINPFALZ Plus Artikel Untersuchungen zur PFC-Belastung laufen

Wird gründlich beprobt: Das ehemalige Flughafengelände in Sembach könnte mit Chemikalien belastet sein. Wie stark, das gilt es h
Wird gründlich beprobt: Das ehemalige Flughafengelände in Sembach könnte mit Chemikalien belastet sein. Wie stark, das gilt es herauszufinden.

Wie hoch ist die Belastung mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) auf dem Gelände des ehemaligen Sembacher Flughafens wirklich? Gelangen Stoffe, die auf dem Areal früher eingesetzt wurden, ins Grundwasser? Um das herauszufinden, untersucht die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) die Fläche derzeit.

Was sind PFC und wie sind sie auf das ehemalige Flughafengelände gelangt?
Die Chemikalien sind besonders stabile Fluor-Kohlenstoff-Verbindungen. Sie sind wasser-, fett- und schmutzabweisend und stecken daher in vielen Produkten: vom Pappbecher bis zur Outdoorkleidung, vom schmutzabweisenden Teppichboden bis zur Wetterschutzfarbe fürs Haus. Früher waren sie auch in Feuerlöschmitteln enthalten. „Aufgrund der geringen Oberflächenspannung können die PFC viele Oberflächen gut benetzen und sind bei gleichzeitiger Hitzebeständigkeit sehr gut für die Brandbekämpfung geeignet“, schreibt die Bima. Vor allem auf Flugplätzen seien sie häufig eingesetzt worden. Auch die US-Streitkräfte, die das Sembacher Areal von 1953 bis 1995 nutzten, verwendeten solche PFC-Schäume bei Übungen.

Was wird nun genau auf dem Gelände gemacht?
An mehreren Hundert Stellen werden in diesen Tagen Bodenproben auf dem einstigen militärischen Flughafengelände entnommen. Oberflächennah, aber auch aus bis zu sechs Metern Tiefe werde mithilfe von Rammbohrungen, Bagger- und Handschürfen Material für die späteren Analysen gewonnen, teilt Stefan Ivert, der regionale Fachplaner für Altlasten der Bima, mit. Außerdem gibt es bereits Grundwassermessstellen, die beprobt werden. Dieses Messstellennetz soll noch erweitert, das Wasser noch besser auf PFC-Belastung untersucht werden.

Welche gesundheitlichen Folgen hätte PFC im Trinkwasser?
Gelangen die Chemikalien in den menschlichen Organismus, könnten sie bewirken, dass der Körper weniger Antikörper zum Beispiel nach einer Impfung produziert und insgesamt infektanfälliger wird. Darauf weist das Umweltbundesamt hin. Auch ein erhöhter Cholesterinspiegel könnte die Folge sein. Es gibt allerdings noch keinen Grenzwert, ab dem mit Auswirkungen auf den Menschen zu rechnen ist. Die Wissenschaft schreite jedoch voran und nähere sich einem solchen Wert immer mehr an, teilt Ivert mit.

Wann ist mit Ergebnissen zu rechnen?
Bis Anfang Dezember werden noch Proben gesammelt, danach werden diese im Labor analysiert. Ivert rechnet im Frühjahr 2022 mit ersten Erkenntnissen, die Arbeiten werden aber voraussichtlich erst 2023 komplett beendet sein. Nach allgemeinen Untersuchungen, folgten detailreichere. Dieses stufenweise Vorgehen sei üblich. Außerdem nehme der geplante Messnetzausbau viel Zeit in Anspruch, dafür seien tiefe Bohrungen notwendig. Diese Arbeiten müssten ausgeschrieben werden und die Firmen, die so etwas übernehmen könnten, seien zurzeit sehr gut ausgelastet.

Welche weiteren Schritte müssen danach erfolgen?
Ziel der 500.000 Euro teuren Untersuchungen sei es, ein besseres Gesamtbild zu erhalten, betont Ivert. Anhand der Ergebnisse müsse die Gefahr abgeschätzt werden, die von den Stoffen für Umwelt und Mensch ausgeht. Gemeinsam mit der Struktur- und Genehmigungsbehörde (SGD) Süd werde dann ein Sanierungsplan entwickelt.

Wie können Wasser und Boden saniert werden?
Um PFC-belastetes Wasser zum Beispiel wieder als Trinkwasser nutzbar zu machen, müsste es laut Umweltbundesamt durch Aktivkohlefilter laufen und zudem mit Ionenaustauschanlagen und Umkehrosmose behandelt werden. Das sei aufwendig und teuer. Kläranlagen verfügten derzeit nicht standardmäßig über eine solche Technologie. Ivert weist ebenfalls auf die Methode des Abpumpens und Reinigens in speziellen Anlagen hin. Dazu schränkt er ein: „Da muss die Verhältnismäßigkeit geprüft werden.“ Das gleiche gelte für die Sanierung des PFC-belasteten Bodens. Mit hohen Temperaturen von über 1200 Grad Celsius könnten die Chemikalien zwar abgebaut werden, „aber das kriegen Sie kostenmäßig nicht dargestellt“. Für Sembach schließt er diese Vorgehensweise daher nahezu aus.

Würde die Versiegelung der Fläche, zum Beispiel durch Bebauung, helfen?
Das sei eine Strategie, die auch die Bima verfolge, teilt Ivert mit. „Das ist schon ein sehr sinnvoller Schritt.“ Auch Ortsbürgermeister Fritz Hack (SPD) könnte sich damit anfreunden, würde das doch bedeuten, dass die Vermarktung des Geländes endlich weitergehen könnte.

Warum wird dann überhaupt großflächig untersucht und die Vermarktung des Areals nicht zügig vorangetrieben?
Rund 98 Hektar des ehemaligen Flughafens sind im Besitz der Bima, etwa 30 davon sollen noch als Gewerbegebiet entwickelt und vermarktet werden. An diesem Ziel halte sie fest, betont die Bundesanstalt. Allerdings spiele es beim Verkauf eine Rolle, ob es sich um belastete Flächen handele oder nicht, stellt Ivert heraus. Altlasten minderten den Wert. Zudem müsse dem künftigen Besitzer klar sein, was sich im Boden, auf dem er baut, befinde und wie er daher mit diesem Untergrund umgehen muss. Das könnte zum Beispiel bei einem nachträglichen Kellerbau relevant werden. „Außerdem wollen wir ja auch nicht den ganzen Flughafen versiegeln“, fügt Ivert an.

Erschwerend komme hinzu, dass auf dem Gelände zwischen 2001 und 2004 Erde in größerem Umfang bewegt worden sei. Unter anderem sei unbelastetes Aushubmaterial vom Bau der A63 eingebracht worden, das dadurch eventuell mit belasteter Erde vermischt wurde. So könnten PFC auch auf Flächen gelangt sein, auf denen sie eigentlich nicht vermutet würden.

Was sagt der Ortsbürgermeister zum Stand der Dinge?
„Es tut einem weh“, sagt Fritz Hack, die Gewerbefläche weiterhin ungenutzt liegen zu sehen. Zahlreiche Anfragen von Unternehmen gebe es nach wie vor, wenngleich es weniger würden, je länger sich alles hinziehe. Hack glaubt nicht, dass schnell eine Lösung für den Gewerbepark gefunden werde. „Keiner möchte ein Risiko eingehen, falls später etwas passiert“, kritisiert er die Verantwortlichen bei den Behörden. Dabei wäre, das betont er mehrfach, „das Abdichten in meinen Augen das Sinnvollste“.

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