Enkenbach-Alsenborn RHEINPFALZ Plus Artikel Umsatz hat sich nach Corona-Jahr bei Heger-Guss wieder stabilisiert

Johannes Heger
Johannes Heger

Einmal runter und dann steil wieder rauf: Coronabedingt hatte der Umsatz der Gießerei-Gruppe Heger in Enkenbach-Alsenborn einen V-förmigen Verlauf. Trotz aller Schwierigkeiten konnte das Unternehmen die Stammbelegschaft im Jahr 2020 halten.

Nach einem Rückgang um rund 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Umsatz im Geschäftsjahr 2021 mit rund 55 Millionen Euro wieder stabilisiert. Er wies gegenüber dem Vor-Corona-Geschäftsjahr 2019 sogar ein kleines Plus von zwei Prozent auf. Die Spezialgießerei erzielte 2019 einen Umsatz von 54 Millionen Euro, der im Folgejahr pandemiebedingt auf 33 Millionen Euro zurückgegangen war. „Der Tiefpunkt war im August vergangenen Jahres erreicht, im November hat es dann wieder angezogen“, erklärt Johannes Heger, der geschäftsführende Gesellschafter.

220 Mitarbeiter

In der Unternehmensgruppe sind zurzeit insgesamt 220 Mitarbeiter in der Produktion beschäftigt. Dazu kommen noch 30 weitere in der Verwaltung und 30 Leiharbeiter. Ausgelagert an einen Subunternehmer hat Heger die Putzerei, in der 35 Mitarbeiter beschäftigt sind. Mit einem vollständigen Abbau der Arbeitszeitkonten und viel Kurzarbeit sei es gelungen, die Stammbelegschaft im vergangen Corona-Flaute-Jahr zu halten.

Zur Gruppe gehört die Produktionstochter Heger Guss GmbH in Enkenbach, die sich auf große Eisengussteile spezialisiert hat. Sie stellt unter anderem Motorblöcke für ganz große Lokomotiven, Bagger und kleine Schiffe her sowie Turbinen und Pressen. Die im Jahr 2009 gegründete Heger Ferrit GmbH in Sembach produziert Rotornaben für Windräder und Gussteile für Großmotoren. Der Dienstleister Heger GDD sowie Heger Pro, zuständig für die Bereiche Finanzen, Personal, Verkauf und Produktionsmanagement, ergänzen die Heger-Gruppe.

Transport ist eine logistische Herausforderung

Der Transport der großen Teile zum Kunden sei logistisch eine Herausforderung, schildert Heger. Die verschiedenen Genehmigungen für die Schwertransporte zu bekommen, die immer von der Polizei begleitet werden, sei recht aufwendig. Denn die bis zu 32 Tonnen schweren Stücke werden über Land- und Kreisstraßen sowie über Autobahnen durch verschiedene Landkreise transportiert.

Die Rohstoffpreise für den Herstellungsprozess sind laut Heger, der auch Präsident des Verbands Pfalzmetall ist, auf einem „historischen Höchststand“. Die Preise für Roheisen, für Stoffe zur Metallurgie oder Bindemittel für den Formsand seien zum Teil bis 250 Prozent teurer geworden. Rohstoffe wie Magnesium, das für die Schmelze verwendet wird, und Stahlschrott, der 80 Prozent der Schmelze ausmacht, könnten zum Jahresende knapp werden, schildert Heger die Herausforderungen, vor der die Gießereibranche derzeit steht. Davon sei jedes Gussteil bei Heger betroffen. Der Stahlschrott stammt aus dem Karosseriebau der Automobilwerke und ist der Rest, der beim Stanzen der einzelnen Teile entsteht. Weil wegen dem derzeitigen Chipmangel zurzeit weniger Autos produziert werden, gebe es deswegen auch weniger Stanzreste, erklärt Heger diese Kettenreaktion.

Hohe Energiekosten

Daneben haben sich 2021 auch die Preise für elektrische Energie zum Betrieb der Giessöfen um rund 800.000 Euro im Vergleich zum Vorjahr erhöht. „Umgerechnet auf einen einzelnen Arbeitsplatz bedeutet das rund 3000 Euro pro Jahr“, rechnet der geschäftsführende Gesellschafter vor.

30 Millionen Kilowattstunden Strom benötigen die beiden Gießereien pro Jahr. Sechs Millionen Kilowattstunden elektrischen Strom produziert das firmeneigene Windrad.

Beide Gießereien haben im vergangenen Jahr große Gussteile mit einem Gesamtgewicht von 30.000 Tonnen hergestellt. Die schwersten Stücke – Rotornaben für Windenergieanlagen (WEA) für große Binnenräder und Windräder für den Meereswindpark-Markt – wiegen maximal 32 Tonnen. Die Schwergewichte machen mit 75 Prozent den größten Anteil an der Gesamtproduktion aus. Das Unternehmen stellt aktuell Gussteile für rund 250 WEA pro Jahr her. „Das sind von Montag bis Freitag jeden Tag ein Windrad, was uns unsere Arbeitsplätze sichert“, so Heger. 15 Prozent Anteil an der Gesamtproduktion haben Gussteile für Großmotoren und Kompressoren, die restlichen zehn Prozent sind Komponenten, die im Maschinenbau benötigt werden.

Gaskompressoren herstellen

Mehr als die Hälfte der Produkte wird laut Heger ins Ausland exportiert. Zu den Kunden gehören Global Player in Deutschland, Dänemark, der Schweiz, Italien, Finnland und den USA.

Hoffnung setzt der Unternehmer auf Pläne der Ampelkoalition, die mit einer bundeseinheitlichen gesetzlichen Regelung dafür sorgen will, dass jedes Bundesland zwei Prozent seiner Landesfläche für Windkraft zu Verfügung stellen muss. „Die Energiewende muss Akzeptanz finden, jedes Land sollte sich gleichermaßen an der Flächenausweisung beteiligen“, sagt Heger. An der Beschleunigung von Genehmigungsverfahren für die WEA müsse seitens der Politik aber noch gearbeitet werden.

Ein großes Potenzial sieht der Unternehmer zukünftig aber nicht nur bei der Produktion von Rotornaben für Windkraftanlagen (WKA), sondern auch in der Herstellung von Kompressoren, die bei der Energiegewinnung aus Wasserstoff eine große Rolle spielen sollte. Der Bau von Gaskompressoren sei ein Zukunftsmarkt für die Heger-Kunden. „Überall dort wo Gase gefördert werden und diese komprimiert werden müssen“, erläutert er.

Keine Corona-Infektion im Unternehmen

Bisher hat es laut Heger im Unternehmen noch keine Corona-Infektion am Arbeitsplatz gegeben. In der Verwaltung seien die Mitarbeiter in verschiedene Gruppen eingeteilt und auch viele Arbeitsplätze ins Homeoffice verlagert worden. Und das mit einem guten Erfolg. „Die Mitarbeiter sind nicht weniger produktiv gewesen. Vor- und Nachteile gleichen sich aus“, so das Fazit des Unternehmers. In der Produktion, wo es keine Möglichkeit gibt, die Gruppen zu trennen, setzten die Mitarbeiter den Corona-Schutz sehr diszipliniert um. Dabei kämen ihnen die hohen, gut gelüfteten Hallen der Gießerei entgegen. Auch könne der Abstand dort gut eingehalten werden.

„Das Impfen der Mitarbeiter durch einen Betriebsarzt hat einen richtigen Schub gegeben“, freut sich Heger über die Kooperation mit der Firma Becker im Nachbarort Mehlingen, die die Heger-Mitarbeiter mit dazu eingeladen hatte. Es gebe ein hohes Risiko, dass Arbeitsgruppen ausfielen. „Wir müssen planen können“, spricht der Unternehmer die Sorge um die Produktionssicherheit an.

Die Maßnahmen der Arbeitsstättenverordnung zur Pandemie seien aufwendig und bedeuteten zusätzliche Kosten, schildert Heger, der schätzt, dass mehrere 10.000 Euro pro Jahr für Masken, für Tests für jeden Mitarbeiter sowie organisatorische Maßnahmen ausgegeben werden.

Zurzeit zehn Auszubildende

Derzeit sind bei der Heger-Gruppe zehn Auszubildende beschäftigt. Insgesamt zehn Plätze pro Jahr könne man anbieten. Seit drei Jahren gebe es zu wenige Bewerber. „Das liegt vermutlich auch daran, dass wir uns zu wenig nach außen hin darstellen“, meint der geschäftsführende Gesellschafter selbstkritisch. Es werden folgende Ausbildungsberufe angeboten: Gießereimechaniker, Anlagenelektroniker, Werkstoffprüfer, Industriekaufmann, Industrieinformatiker. Weiterbildungsmöglichkeiten bestehen zum Bilanzprüfer, Techniker und Meister. Die Azubis kämen aus einem Umkreis von rund 30 Kilometern. Vor allem für die Jüngeren unter ihnen sei daher eine gute ÖPNV-Verbindung wichtig.

Blick in die Produktion bei Heger-Guss: Mit einem vollständigen Abbau der Arbeitszeitkonten und viel Kurzarbeit konnte die Beleg
Blick in die Produktion bei Heger-Guss: Mit einem vollständigen Abbau der Arbeitszeitkonten und viel Kurzarbeit konnte die Belegschaft im Corona-Flaute-Jahr gehalten werden.
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