Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Trotz Onlinehandels halten die meisten Gemeinden am verkaufsoffenen Sonntag fest

Das „Frühlingserwachen“ bietet in Weilerbach einen Anlass für einen verkaufsoffenen Sonntag.
Das »Frühlingserwachen« bietet in Weilerbach einen Anlass für einen verkaufsoffenen Sonntag. Foto: VIEW

Verkaufsoffene Sonntage werden im Landkreis Kaiserslautern immer wieder geboten. Für dieses Jahr ist jedoch keiner mehr geplant. Dass ein solcher Einkaufssonntag immer an eine größere Veranstaltung gekoppelt sein muss, stellt kein Problem dar, sagen die jeweiligen Verantwortlichen vor Ort.

Schon häufiger waren am Sonntag zwischen Weihnachten und Silvester in Ramstein die Geschäfte offen. Dass es in diesem Jahr nicht der Fall ist, liegt daran, dass schon alle vier jährlich erlaubten Einkaufssonntage genutzt wurden. Es hat nichts mit dem Urteil des rheinland-pfälzischen Oberverwaltungsgerichts vom September zu tun, das die Voraussetzungen für einen verkaufsoffenen Sonntag konkretisiert hat.

Die Westricher Leistungsschau, das Frühlingsfest, der Bauernmarkt und der Wendelinusmarkt waren die Anlässe, an denen in diesem Jahr in Ramstein ein verkaufsoffener Sonntag stattfand. Damit fällt das sonntägliche Shoppen zum Jahresende flach. Die Chancen stehen allerdings gut, dass 2020 dazu die Möglichkeit besteht. „2020 haben wir keine Leistungsschau und damit einen verkaufsoffenen Sonntag übrig“, erzählt Burgel Stein, Vorsitzende des Ramsteiner Werberinges. Jener werde in Kürze darüber entscheiden.

Stein sieht in den Veranstaltungen in Verbindung mit dem Einkaufstag ein Marketinginstrument, das nach wie vor viele Besucher anlocke. „Man muss den Leuten ein Einkaufserlebnis bieten. So ein verkaufsoffener Sonntag steht für eine gewisse Lebensqualität. Das ist eine schöne Sache, vor allem für Familien.“ Gleichzeitig ist ihr bewusst, dass dieser Tag für Arbeitgeber und Angestellte eine Belastung bedeutet. Im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Internethandel mit Lieferservice sieht sie Pluspunkte im stationären Handel. „Er muss die Möglichkeit haben, wettbewerbsfähig zu bleiben gegenüber dem Onlinehandel.“

Bei gutem Wetter werden die verkaufsoffenen Sonntage in Weilerbach gut angenommen

In Weilerbach bilden das „Frühlingserwachen“ mit der Beschenkung der Neugeborenen und Rahmenprogramm, der Bauernmarkt und die Kerwe die Anlässe für einen verkaufsoffenen Sonntag. Harry Dinges, Vorsitzender des Gewerbevereins, sieht wegen der Rechtssprechung keine Probleme auf sich zukommen. „Bei uns ist der verkaufsoffene Sonntag immer an eine Veranstaltung, die im Vordergrund steht, angedockt.“ Auch er hält diese Tage für zeitgemäß. „Wenn das Wetter entsprechend ist und die Leute flanieren können, haben wir einen guten Zuspruch.“

Einen vierten verkaufsoffenen Sonntag in Verbindung mit dem Weihnachtsdorf hat es auch schon gegeben – allerdings: „Er hat sich für die Händler nicht gerechnet.“ Ob es 2020 einen geben wird, ist noch offen. Dinges sagt: „Da sind wir noch in der Abstimmung.“ Die Anträge für die Genehmigung der drei Sonntage liegt der Verbandsgemeinde vor. Sollte es einen vierten geben, müsse dieser nachträglich beantragt werden.

Deas Einkaufen vor Ort hebt sich vom Online-Shopping ab

Die Fördergemeinschaft Landstuhl hatte am Biosphärenbauernmarkt, am Stadtfest und am Sankt-Andreas-Markt zum sonntäglichen Shoppen eingeladen. Im nächsten Jahr rückt die Sickingenmesse an die Stelle des Bauernmarktes. Michael Haberer aus dem Vorstand hält fest: „Uns betrifft diese Konkretisierung recht wenig. Unsere drei Veranstaltungen sind Publikumsmagneten.“ Ein vierter Sonntag wäre beispielsweise zur Maikerwe oder am Oktoberfest, wie es schon der Fall war, möglich. „Wir werden jetzt wieder eine Umfrage unter den Mitgliedern starten, ob das gewünscht ist“, kündigt Haberer an. Im Januar sei ein Gespräch mit den beteiligten Akteuren terminiert, bei dem es unter anderem um die Sicherheit und um spezielle Panzerabsperrungen gehe, die jetzt zum Sankt-Andreas-Markt erstmals genutzt worden seien.

Haberer sieht in den verkaufsoffenen Sonntagen für die Besucher ein anderes Verkaufserlebnis als beim Einkaufen am PC. Hier habe die inhabergeführte Geschäftswelt die Gelegenheit, sich mit ihrem Service und der persönlichen Beratung zu präsentieren. Für Bekleidung und Schuhe seien die verkaufsoffenen Sonntage nach wie vor wichtige Daten, und auch in anderen Branchen komme es in den Tagen danach zum Folgegeschäft. Allerdings müsse sich dieser Tag für die Inhaber rechnen, die zusätzliche Personalkosten haben oder Freizeitausgleich bieten. Nach seiner Meinung müssen jedoch alternative Wege für den Einzelhandel gefunden werden – zum Beispiel ein After-Work-Shopping. „Wir sind da aber noch in der Findungsphase.“

In Otterberg gab es in diesem Jahr keinen einzigen Einkaufssonntag

Stephanie Wagner, Vorsitzende des Otterberger Werbekreises, spricht von einer veränderten Geschäftsstruktur in der Wallonenstadt. Durch die Schließung von Läden aus der Modebranche sei der Dienstleistungssektor mit Beratung stärker in den Vordergrund gerückt. Dies habe dazu geführt, dass die Bedeutung eines Einkaufssonntages gesunken sei und es somit 2019 keinen gegeben habe. 2020 sei einer am „Frühlingserwachen“ im Mai geplant gewesen, erzählt sie. Er habe jedoch wegen Baumaßnahmen in Baalborn und der Umleitung durch Otterberg abgesagt werden müssen, bedauert sie.

Nun ist im September eine Gewerbeschau in der Stadthalle vorgesehen, bei der eben Dienstleister, Handwerker, Freiberufler und Gewerbetreibende die Möglichkeit haben, sich vorzustellen. Ende Januar sollen die Pläne Gestalt annehmen und dann wird auch entschieden, ob es zu diesem Anlass einen verkaufsoffenen Sonntag gibt. Für die Zukunft sieht sie keine großen Chancen für den Sonntagseinkauf: „Auf dem Land haben sich die Strukturen verändert. Wir müssen andere Wege gehen.“ Dazu gehört für sie auch die Kooperation mit anderen Vereinen und Organisationen, um bei besonderen Veranstaltungen Menschen nach Otterberg zu locken.

Der Reiz des Einkaufens am Sonntag hat abgenommen

Drei verkaufsoffene Sonntage finden in Enkenbach-Alsenborn statt. Anlässe sind der Ostermarkt, die Kuckuckskerwe und das Herbstfest. „Meines Erachtens besteht keine Gefahr, dass wegen des Urteils darüber diskutiert wird“, meint Volker Häutle vom Verband der Selbstständigen. „Bei unseren Veranstaltungen zieht der Anlass mehr Besucher an als der Einkaufssonntag.“ Die Termine für 2020 seien festgesetzt. Bedarf für einen vierten sieht er nicht. Aus Häutles Sicht hat der Reiz der verkaufsoffenen Sonntage im Laufe der Jahre gelitten. „Nichtsdestotrotz wird er immer noch gerne genutzt.“

Zur Sache: Sonntagsöffnung

Das rheinland-pfälzische Ladenöffnungsgesetz regelt, dass Kommunen bis zu vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr durchführen dürfen. Fünf Stunden lang können Geschäfte ab 11 Uhr öffnen. Ausgenommen sind mehrere Feiertage und die Adventssonntage im Dezember. Das Oberverwaltungsgericht Koblenz hat mit seinem Urteil vom 19. September zwei im Jahr 2018 durchgeführte verkaufsoffene Sonntage in Andernach für rechtswidrig erklärt. Die Richter begründeten ihre Entscheidung damit, dass die anlassgebende Veranstaltung im Rahmen eines Einkaufssonntages im Vordergrund stehen müsse. Dieser Anlass müsse mehr Besucher anziehen als der verkaufsoffene Sonntag. Vorausgegangen war eine Klage der Gewerkschaft Verdi zum gesetzlich verankerten Sonntagsschutz.

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