Kreis Kaiserslautern Treffen der Schnellen und Schönen

Placeholder-Image

Windhunde laufen nicht. Sie schreiten oder fliegen übers Geläuf. Denn Windhunde sind anders. Das war am Samstag auf der Jahresausstellung der Barsoi sowie auf der Schau für zwölf weitere Windhundrassen nicht zu übersehen. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung vom Windhund-Renn- und Coursingverein Saar-Pfalz auf dem Gelände der Landstuhler Hunderennbahn.

Welch ein Rassespektrum, welch ein Farbenspiel wird da geboten! Kleine Hunde mit kräftigen Hinterhandmuskeln, graue mit traurigem Blick, gestromte mit glitzernden Halsbändern − und Hunde mit unglaublich langen freundlichen Gesichtern. 209 Vierbeiner streben auf den Laufsteg der Schönen. Einige „Quergerasste“ sind als „Zuschauer“ dabei. Die ersten Rennhunde für die sonntägliche Hatz über die Bahn zeigen sich ebenfalls bereits am Samstag. Leinenziehen, Bellen oder gar aggressive Töne gibt es nicht. Das fällt auf. „Das ändert sich, sobald ein Schäferhund in die Nähe kommt.“ Marina Franz, Moderatorin der Veranstaltung und Züchterin russischer Windhunde, kann sich bei der Auskunft ein Lachen nicht verkneifen. Dabei ist das mit den Schäferhunden und den Barsoi gar nicht so weit hergeholt. Der eine ähnelt noch immer irgendwie dem Wolf und der andere wurde vor Jahrhunderten in Russland zur Jagd auf Wölfe gezüchtet. Nach Jagd sieht das Geschehen in Landstuhl allerdings wirklich nicht aus. Eher nach einem Treffen der Edlen und Schönen, der Aristokraten und Gräflichen, einer illustren Hunderunde, die ihre zweibeinigen Rundumversorger mitgebracht hat. Lauter kleine Zelte stehen im Kreis. Für die Hunde. Die menschliche Dienerschaft sitzt davor oder steht am Klapptisch, um mit einem gekonnten Hub den edlen Vierbeiner auf den Tisch zu stellen und letzte Bürstenstriche zu erledigen. Bei den Afghanen gibt es mächtig was zu bürsten. Martin Gollhofer aus Saarbrücken widmet sich mit Hingabe seinem „Golddragon Mr. Ralphito“. Nur „Bello“ heißt hier keiner. Adel verpflichtet. Glänzendes Fell, wohin man schaut: vorne, hinten, an den Beinen, den Pfoten, auf dem Kopf. Ein echter Hingucker ist dieser blau-rote Hund. Der Wind guckt nicht nur, er greift zu, zerstört die Frisur. Kurzes, elegantes Schwingen des Kopfes und der Hund ist wieder perfekt. Der Afghane weiß sich in Szene zu setzen. Muss er auch. Sein Chef hat noch viel vor. „Heute Landstuhl, demnächst in Helsinki zur Weltausstellung“, berichtet Martin Gollhofer vom Programm für seine Schönheit. Dem Rudel Whippets ist die ganze Bürsterei schnuppe. Das Schönsein überlassen sie anderen. Entspannt dösen sie im Schatten „ihres“ Wohnmobils. Die Besitzer Albert Hupp und seine Frau Claudia Rittner aus Koblenz sind Mitglieder im Hunderennverein Saar-Pfalz und als Helfer bereits zur Hundeschau angereist. Den neun Whippets ist es recht. Das umgebaute Wohnmobil bietet kuschlige Schlafplätze, die Familie ist vereint. Es duftet bereits so wunderbar nach dem Rennsand und dem Hasen, dem sie sonntags hinterher sausen werden. Mit 105 Hunden stellt der Barsoi die größte Schaugruppe. Kein Wunder. Handelt es sich doch um die Jahresausstellung dieser vornehm zurückhaltenden Rasse. Russische Live-Musik lässt sie aufmarschieren. Ob weiß im Mantel, wie die Züchter das Fell beschreiben, oder in Farbschattierungen, ob „nur“ 70 Zentimeter in der Schulterhöhe oder beachtliche 87. Die einen mit kraftvoll springenden Locken, glatt im Haar die anderen. Nach Alter und Geschlecht getrennt schreiten die aus der gesamten Bundesrepublik und angrenzenden Ländern angereisten Barsoi durch den Ring. Die eigens aus Amerika eingeflogene Wertungsrichterin Anne Midgarden beweist im feinen Kostüm eine gewaltige Portion Kondition und Stehvermögen, bis sie alle der adlig wirkenden Windhunde bewertet und ihr Urteil in den Laptop diktiert hat. Ob dies immer zur Zufriedenheit der Hundebesitzer ausfällt? An den freundlichen Gesichtern der Vierbeiner ändert sich jedenfalls nichts − sogar wenn sie nicht als Sieger ihren Ring verlassen.

Mehr zum Thema
x