Kreis Kaiserslautern Tippex ist Geschichte

Mouse und Flatscreen anstatt Kugelschreiber und Tippex: Andreas Guhmann und Burgel Stein nehmen einen großen Teil der Kartenrese
Mouse und Flatscreen anstatt Kugelschreiber und Tippex: Andreas Guhmann und Burgel Stein nehmen einen großen Teil der Kartenreservierungen digital entgegen.

«Ramstein-Miesenbach.» Der Kartenschrank unter dem Empfang ist längst passé. Stattdessen ist heute ein Display in die Theke eingelassen, das anzeigt, welche Sitzplätze für die jeweilige Veranstaltung frei sind. Durch die Digitalisierung hat sich der Kartenverkauf im Congress Center Ramstein (CCR) deutlich vereinfacht und das zur Freude aller, die damit zu tun haben.

Lange scheint der Kartenvorverkauf von anno dazumal her zu sein. Dabei sind es gerade mal 15 Jahre, seitdem die modernen Medien Zug um Zug in die Geschäftsstelle eingezogen sind. Vor 2006 befand sich unter der Verkaufstheke ein Schrank, der mit Veranstaltungsplänen und den dazugehörigen Ticketbüchern gefüllt war. „Wenn jemand Karten wollte, haben wir den Plan rausgesucht, den Platz auswählen lassen und ihn dann ausgeixt“, erläutert Geschäftsführer Andreas Guhmann das Prozedere. Das war damals mehr als umständlich, denn bei Änderungen oder Absagen wurde nach dem Tippex gegriffen. „Der Verbrauch war enorm hoch“, erinnert sich Guhmanns Stellvertreterin, Burgel Stein, kopfschüttelnd zurück. Für jede Veranstaltung musste ein kompletter Satz von durchnummerierten 730 Karten bei der Druckerei in Auftrag gegeben werden, egal, wie viele Plätze zur Verfügung standen. Für jeden Satz war eine eigene Schublade reserviert und die überschüssigen Tickets wanderten in den Müll. Erhielt jemand eine Ermäßigung, wurde ein Stempel aufgedrückt. Auch das Rechnungswesen war eine Sache für sich. Wer Plätze telefonisch reservieren ließ, musste einen Verrechnungsscheck in einen Briefumschlag mit frankiertem Rückumschlag stecken, um auf diese Weise zu seinen Billetts zu kommen. Karten konnten ebenso persönlich in der Geschäftsstelle gekauft werden. „Zum Start des Vorverkaufs für das Abo-Programm war unsere Geschäftsstelle voll mit Kästen. Ihr Inhalt musste in die Schubladen einsortiert werden. Die Leute haben teils bis zum Marktbrunnen Schlange gestanden, weil sie einen ganz bestimmten Platz haben wollten. Manche waren schon um vier Uhr mitten in der Nacht da. Sie hatten einen Stuhl und einen Sonnenschirm dabei und eine Tasse Kaffee“, blickt Stein zurück. Eine Erleichterung brachte 2006 ein sogenanntes In-House-Programm. Die Nutzung dieser Software ging mit der Anschaffung eines Thermodruckers einher, mit dem Blankokarten in der Geschäftsstelle für die jeweilige Veranstaltung gedruckt werden konnten. Auch wurde es möglich, eine Kundenkartei anzulegen, um zum Beispiel über einen geänderten Termin oder einen Konzert-Ausfall zu informieren und Rechnungen auf postalischem Weg verschicken zu können. Der große Umbruch kam 2013 mit der Anbindung an das Reservix-Ticketsystem. Für Kunden, die ihre Karten weiterhin in der Geschäftsstelle persönlich kaufen oder telefonisch reservieren wollten, änderte sich nichts. Seitdem konnten sie aber eben auch online über dieses Portal erstanden werden. Nachdem die Veranstaltung ausgewählt ist, wird ein Bestuhlungsplan gezeigt, auf dem klar ersichtlich ist, welche Plätze frei sind. Ein paar Klicks später liegen die Tickets im Warenkorb und der Bestellvorgang kann über verschiedene Bezahlmöglichkeiten abgeschlossen werden. Nur bestimmte Veranstaltungen sind nicht in dieses System eingebunden, sondern erfordern, dass telefonisch oder über die Homepage eine Kartenbestellung aufgegeben wird. Ein großer Vorteil dieses Systems sei, dass die Bestuhlungspläne sofort aktualisiert angezeigt werden, und zwar im Internet und auf dem Display der Empfangstheke in der Geschäftsstelle, die selbst auch eine von bundesweit 3000 Reservix-Verkaufsstellen ist. „Jeder Platz ist sperr- und zuweisbar nach Kategorien oder Preisstufen. Das lässt sich jederzeit erweitern und zentral verwalten“, verdeutlicht Marco Stuppy vom CCR-Team. Zudem können Veranstaltungen einfach angelegt werden, da ein Standardplan im System eingegeben ist. Wer über Reservix bestellt, kann sich die Karten auch daheim ausdrucken lassen. Sie können aber auch entweder in der Geschäftsstelle gedruckt und persönlich mitgenommen oder auf Wunsch per Post zusammen mit der Rechnung verschickt werden. Eine Variante, die immer noch sehr häufig gewählt wird, wie die stellvertretende Geschäftsführerin weiß. Das Zusammenführen der Daten durch das Ticketsystem habe weitere Pluspunkte. „Bei Verlust können wir die Karten einfach noch einmal ausdrucken“, sagt Stein. Die Gefahr einer Doppelbelegung sei ausgeschlossen, die Abrechnung, das Erstellen und Einsehen von Statistiken und auch das Verwalten der Daten sei einfacher geworden. „Früher hatten wir bis zu 22 Veranstaltungen pro Jahr, heute sind es 50“, betont Guhmann. Auch die Kundenkartei hat sich von 8000 Adressen auf 15.000 fast verdoppelt. Deutlich einfacher ist das Verschicken der Programmhefte zum Start der Saison oder auch des monatlichen Newsletters mit den kommenden Terminen geworden. Den Schritt zurück möchte keiner aus dem Team machen. „Definitiv nicht“, sind sich alle einig. „Viele junge Leute nutzen das Online-Angebot“, sagt Stuppy. Auch über das Facebook-Profil des Veranstaltungshauses gelangen Interessierte zu dem Kartenportal. Andere, die wenig mit den neuen Medien am Hut haben, Senioren und auch Stammkunden schauten lieber in der Geschäftsstelle vorbei. „Viele kommen gerne zu uns. Sie wollen den persönlichen Kontakt“, erzählt Stein. Aber auch eine ganz althergebrachte Form des Bestellens gibt es noch. „Wir werden oft auf der Straße angesprochen und gebeten, Karten zurückzulegen“, berichtet sie.

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