Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Tierschützer des Hundevereins Ramstein helfen an der polnisch-ukrainischen Grenze

Ina und Maik Lampert vom Hundeverein Ramstein helfen zurzeit am polnisch-ukrainischen Grenzübergang bei Medyka bei der Versorgun
Ina und Maik Lampert vom Hundeverein Ramstein helfen zurzeit am polnisch-ukrainischen Grenzübergang bei Medyka bei der Versorgung der Haustiere der Flüchtlinge.

Rund 20.000 Flüchtlinge aus der Ukraine kommen pro Tag an der polnisch-ukrainischen Grenze bei Medyka an. Einige haben es geschafft, auch ihr geliebtes Haustier zu retten. Ina und Maik Lampert vom Hundeverein Ramstein sind zurzeit dort vor Ort, um verletzte Vierbeiner zu versorgen.

Von Katzen, Hunden, Mäusen bis zum Wellensittich – alle möglichen Haustiere sind laut Ina Lampert dabei. Manche Besitzer hätten ihre Tiere bei der eiligen Flucht einfach in Kartons gesetzt oder sich vorne in den Pulli gesteckt. Etliche Tiere seien in viel zu kleinen Transportkäfigen unterwegs. „Gestern hatten wir eine Katze, die in einem Vogelkäfig saß und sich kaum bewegen konnte, und zwei Hunde, die seit über einer Woche nichts mehr zu fressen bekommen haben“, gibt die 40-Jährige Beispiele. Viele seien verletzt oder hätten Durchfall. Die Vierbeiner werden in der Ambulanz, die die Bundesarbeitsgemeinschaft Rettungshundeführender Vereine (BAG), deren Vorsitzender Maik Lampert ist, von einem Tierarzt und freiwilligen Helfern versorgt. Die Fellnasen bekämen Futter, Wasser, wenn nötig Medikamente und für ihre Weiterreise einen ihrer Größe entsprechenden Transportkorb. Rund 150 Tiere pro Tag werden in der Ambulanz versorgt – rund um die Uhr, denn der Flüchtlingsstrom reiße auch über Nacht nicht ab, schildert das Ehepaar die Situation vor Ort.

Freiwillige Helfer aus ganz Europa

Der Grenzübergang Medyka dient als Sammelpunkt für die Flüchtlinge, die mit Bussen der polnischen Polizei und der Feuerwehr dann in ein etwas entfernter liegendes Auffanglager gebracht werden, haben die Lamperts beobachtet. Viele freiwillige Helfer aus ganz Europa und sogar aus Israel sind gekommen, haben Zelte aufgebaut, um die Geflüchteten an dieser ersten Anlaufstelle mit dem Nötigsten – Essen, Trinken und Kleidung – zu versorgen und ihnen die Gelegenheit zum geben, sich aufzuwärmen. Gegenüber ihres Zeltes hätten beispielsweise Helfer aus Irland einen Stand mit Ofen aufgebaut und bieten Pizza und warme Suppe an. „Wenn es nicht so ein trauriger Anlass wäre: Das hat hier fast so was wie Festivalatmosphäre“, schildert Maik Lampert, der aber auch kritisch anmerkt: „Das sind alles Privatpersonen und ganz kleine Initiativen, die hier helfen. Professionelle große Organisationen sind nicht vor Ort.“ Immerhin verteile die polnische Telekom dort SIM-Karten für die Geflüchteten.

Die Tierschutz-Helfer, deren Anzahl zwischen fünf und zehn Personen schwankt, hätten sich in Schichten aufgeteilt. „Obwohl diese eigentlich nicht einzuhalten sind, weil so viel zu tun ist“, erklärt Maik Lampert. Daher bleibe auch ihre mitgebrachte Feldküche kalt. „Meistens essen wir zwischendurch einfach ein belegtes Brot und schlafen für ein paar Stunden in unserem Auto.“ Dixi-Klos seien an dem Grenzposten aufgestellt und in der Nähe gebe es ein großes Marktgelände mit Duschen, die gegen eine Gebühr benutzt werden können.

„Wir reden im Team“

„Wir reden darüber im Team“, schildert der 52-Jährige, wie die Helfer die belastenden Situationen vor Ort für sich verarbeiten. Herzzerreißende Szenen spielten sich ab, wenn Familien nach dem Grenzübertritt getrennt würden. Weil alle ukrainischen Männer zwischen 18 und 60 Jahren für den Krieg eingezogen wurden, werden sie wieder zurückgeschickt, wenn sie versuchen, nach Polen einzureisen. Durch viele Einsätze mit ihren Rettungshunden, wie zuletzt im Ahrtal, wo sie Überlebende und Tote in dem zerstörten Gebiet gesucht hätten, seien sie es gewohnt, professionell damit umzugehen. Allerdings glauben auch die Lamperts, dass sie die Erinnerung an diesen speziellen Einsatz noch lange beschäftigen wird.

Verein organisiert weitere Spendenaktion

Noch etwa zwei Wochen wird das Ehepaar bleiben. Es ist am Donnerstag mit einem Hilfskonvoi der BAG, der vom Ramsteiner Hundeverein mit Spenden unterstützt wurde, gekommen. Dessen Vorsitzender, Michael Kern, und drei weitere Vereinsmitglieder sind jetzt in Bereitschaft, um gegebenenfalls Nachschub an Material an die Grenze zu fahren. Der Verein habe sich für diesen Zweck einen Kleinlaster besorgt. Gut neun bis elf Stunden dauert die rund 1000 Kilometer weite Fahrt, für die gut zwei Tankfüllungen benötigt werden, schildert der Vereinsvorsitzende. Einen Aufwand, den sie gerne auf sich nähmen: „Im Gegensatz zu uns geht es den Flüchtlingen in den Lagern nicht so gut.“ Am Sonntag will der Verein, der zurzeit 70 Mitglieder hat, noch einmal eine Spendenaktion organisieren: Gebraucht wird Tierfutter und auch Geldspenden, die die Flüchtlinge erhalten sollen. Kern: „Viele haben einfach nichts mehr, nur noch die Kleider, die sie gerade anhaben.“

In einem der Zelte hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Rettungshundeführender Vereine (BAG) eine Tier-Ambulanz eingerichtet.
In einem der Zelte hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Rettungshundeführender Vereine (BAG) eine Tier-Ambulanz eingerichtet.
Viele freiwillige Helfer aus ganz Europa sind an den polnischen Grenzübergang Medyka gekommen und haben Zelte aufgebaut, um die
Viele freiwillige Helfer aus ganz Europa sind an den polnischen Grenzübergang Medyka gekommen und haben Zelte aufgebaut, um die ankommenden Flüchtlinge aus Ukraine mit dem Nötigsten zu versorgen.
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