Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Tierhilfe Pfalz ist für Katzen im Einsatz

Engagiert in der Tierhilfe: Manuela Christmann aus Kaiserslautern, Vorsitzende Monika Daubermann und Simone Klein aus Rammelsbac
Engagiert in der Tierhilfe: Manuela Christmann aus Kaiserslautern, Vorsitzende Monika Daubermann und Simone Klein aus Rammelsbach, die eine Pflegestelle betreibt. Vorne knabbert Kater Mike ein Leckerli.

Katzenelend und kein Ende: Als sich die Tierhilfe Pfalz 2010 gegründet hat, war noch nicht abzusehen, dass sie sich vorwiegend um Samtpfoten kümmern wird. Zum Internationalen Tag der Katze am heutigen Donnerstag, 8. August, hat der Marktplatz Kaiserslautern die Auffangstation bei Trippstadt besucht.

Scotch ist eine der zwölf Katzen, die in der Auffangstation der Tierhilfe Pfalz bei Trippstadt leben – und ein schwieriger Fall. Er wurde im April 2018 in einer Transportbox vor einem Altenheim in Mannheim ausgesetzt und kam nach einer Zwischenstation im dortigen Tierheim zur Vorsitzenden Monika Daubermann. Sein Problem: „Er tickt immer wieder aus“, erzählt sie. Nur, wer ihn gut kennt, kann erahnen, wann er die nächste Attacke startet. Um herauszufinden, was dahinter steckt, hat die Tierhilfe seinen Hirnschädel untersuchen lassen. Ohne Ergebnis.

„Was macht man mit solchen Tieren?“, fragt sie rein rhetorisch. Denn die Chancen, dass er mit diesem aggressiven Verhalten ein dauerhaftes, neues Zuhause findet, gehen gegen null. Zweimal war er schon vermittelt, kam aber wieder zurück. „Einschläfern ist keine Option. Das hat er nicht verdient. Tierschutz kann nicht nur Tutzeltutzelkatzen aufnehmen“, steht für Daubermann fest. „Dann bleibt er eben bei uns.“

„Bei uns“ heißt auf einem Gelände der Auffangstation außerhalb des Ortes, wo die zurzeit zwölf vierbeinigen Gäste in Innen- und Außengehegen wohnen. Waren sie früher Streuner oder Wildlinge, bekommen sie diese Freiheit auch hier geschenkt, aber mit einem vollen Futternapf, einem Schlafplatz und Händen, die sich liebevoll kümmern.

Das Tierleid lässt keines der Mitglieder kalt

Hinzu kommen Pflegestellen, in denen zurzeit elf Katzen betreut werden. Bei Simone Klein aus Rammelsbach im Landkreis Kusel ist eine davon. Gerade hat sie zwei ihrer Pflegekatzen in deren neues Zuhause gebracht. „Das ist immer das Schönste“, meint sie lachend. Klein hat fünf eigene Katzen, einen Hund und einen Hasen und seit Februar als Pflegling Jessy, eine Manx-Katze. Sie wurde abgegeben, weil ihr Frauchen bettlägerig geworden war.

„Manx-Katzen sind unheimlich familiär und personenbezogen“, erzählt sie über die Rasse. Nachdem Jessy zunächst intensiv getrauert, dann aufgetaut und sich gut eingelebt hatte, legte sie ein zunehmend schwieriges Verhalten an den Tag. Sie griff insbesondere eine von Kleins Katzen immer wieder an, sodass sie nun getrennt von den anderen darauf wartet, dass sich ein Besitzer für sie findet.

Pflegebedürftigkeit oder ein Umzug ins Seniorenheim sind nicht selten Gründe für eine Aufnahme bei der Tierhilfe Pfalz. Aber es gibt auch noch ganz andere Schicksale wie das von Kicha, dem Kater, der als Baby ausgesetzt und zwei Jahre lang gefüttert wurde, bis diese Nahrungsquelle versiegte. Er wurde eingefangen, tierärztlich vorgestellt, geimpft, gechipt und kastriert und lebt seit vier Wochen als Gast bei Daubermanns. „Er ist ein Kämpfertyp“, beschreibt sie ihn, „schließlich musste er sich zwei Jahre lang draußen rumschlagen.“

Als Baby ausgesetzt oder wegen Krankheit vom Besitzer im Stich gelassen

Richtig wütend wird sie, wenn sie an das Schicksal von Kalisi denkt, die in der Stadtmitte von Kaiserslautern zuhause war. Dass die Freigängerin von ihren Besitzern in die Fußgängerzone zum Spazieren entlassen wurde, ist für sie mehr als verantwortungslos und absolut unverständlich. „Das ist schon ein rotes Tuch für mich“, meint sie. Doch das ist nur ein Teil der Geschichte.

Schon einmal sei Kalisi im Januar vermisst worden, kehrte dann aber zurück, berichtet die Tierschützerin. Nachdem sie nun längere Zeit weg war und verletzt wieder auftauchte, sei sie bei ihren Besitzern rausgeflogen, da sie ihr Geschäft nicht mehr habe kontrollieren können. Der Kätzin sei nur noch draußen Futter hingestellt worden.

„Als wir sie bekommen haben, war sie in einem ganz schlechten Zustand, abgemagert, richtig runtergekommen und sie hatte eine komische Körperhaltung“, beschreibt sie ihre Eindrücke. Die tierärztliche Untersuchung ergab einen Wirbelbruch oberhalb des Schwanzansatzes, sodass der Schwanz amputiert werden musste. Nun ist Kalisi auf dem Weg der Besserung. Auch wenn ihre Blase noch manuell entleert werden muss, besteht die Hoffnung, dass sie wieder die Kontrolle über ihre Schließmuskeln erlangt.

„Tierschutz ist wie eine Droge“, sagt die Vorsitzende

Dass Tiere auf diese Weise leiden müssen, ist für Daubermann ein Gräuel. Auch die problematischen Verhaltensweisen führt sie auf menschliches Zutun zurück. Wie geht man mit diesem Tierleid um? „Man funktioniert“, lautet die einfache Antwort der 65-Jährigen. „Tierschutz ist wie eine Droge. Da kommt man nie raus.“

Eine andere Antwort von ihr ist die Forderung nach einer Katzenschutzverordnung, die eine Registrierungs- und Kastrationspflicht beinhaltet, um Halter ausfindig machen zu können und weiteres Elend durch eine unkontrollierbare Vermehrung zu verhindern.

Jede Katze, die der Verein aufnimmt, wird einem Tierarzt vorgestellt, auch Behandlungen und Vorbeugeuntersuchungen sind belegbar. Es wird Blut entnommen, geimpft, gechipt, kastriert und gegebenenfalls behandelt. Eine kostspielige Sache, die die Vereinskasse belastet. Doch mit dem Flohmarktladen in Schopp hat der Verein einen Weg gefunden, die Belastungen zumindest abfangen zu können, wenngleich auch Spenden nötig sind. Die Vermittlungsgebühr von 150 Euro deckt in den wenigsten Fällen die Behandlungskosten ab.

Schwierige Fälle finden nur schwer ein neues Zuhause

„Unser größtes Problem ist es, Leute zu finden, die solche Tiere aufnehmen“, spielt sie auf die geschilderten Fälle oder auf die beiden 15-jährigen Katzen an, deren Herrchen verstorben ist. Überhaupt habe sich die Zahl der alten Katzen, die der Verein betreut, erhöht. „Wer nimmt diese Tiere bei sich auf?“, fragt sie mit dem Wissen, dass die Vermittlungschancen schlecht stehen.

Gleiches gilt für eine fast blinde und taube Katze mit Bluthochdruck und Schilddrüsenüberfunktion, die kaum noch Zähne hat. Für sie muss das Futter püriert werden und auf einem Hocker stehen, da sich ihre Speiseröhre verformt hat. „Sie nimmt das so hin, macht einfach weiter und macht das Beste daraus. Dabei gibt sie so viel Wärme und Nähe zurück“, spricht Achtung vor diesem Lebewesen aus ihr.

Auch Manuela Christmann ist bekennende Katzenliebhaberin. Die Kaiserslautererin hat über eine Bekannte den Weg zur Tierhilfe gefunden. Sie hilft im Flohmarktladen und in der Auffangstation mit. Eine ihrer vier Katzen ist „’s Herbertche“, ein Streuner, der seine Freiheit nach wie vor liebt, aber dennoch weiß, wo sein Napf steht.

Für die drei Tierschützerinnen steht fest, dass sie nicht aufgeben können. „Was würde dann aus den 80 bis 100 Katzen werden, die wir jährlich aufnehmen und vermitteln?“ Viele davon sind Durchläufer, finden also rasch ein neues Zuhause. Andere sind für einen längeren Zeitraum Gäste oder müssen sich erst an die Nähe von Menschen gewöhnen. „Es ist total faszinierend, wenn man einen Wildling zähmt. Wenn der Schalter plötzlich kippt und die Katze zeigt: Ja, das ist der Mensch, dem ich vertraue“, schildert Daubermann.

Die Tierhilfe sucht ein neues Gelände

Mike ist derzeit Hahn im Korb. Der sechs Jahre alte, stattliche Kater wurde vor wenigen Wochen abgegeben, weil sein Herrchen aus Schmalenberg umgezogen ist und ihn nicht mitnehmen konnte. Für Mike dürfte es nicht allzu schwer werden, einen Dosenöffner zu finden. Anders als bei Scotch. Für ihn wünscht sich Daubermann einen katzenerfahrenen Menschen, der sich nicht selbst überschätzt und mit viel Liebe und Geduld auf das Tier eingeht.

Sie hat aber noch einen anderen Wunsch, um die Arbeit der Tierhilfe Pfalz weiterführen zu können. Das Gelände der Auffangstation ist verkauft und muss bis Ende März 2020 geräumt sein. Jetzt sucht der Verein mit seinen 108 Mitgliedern dringendst ein Grundstück mit Haus zum Kauf, bestenfalls in Stelzenberg, wo Daubermann wohnt.

Kontakt

Tierhilfe Pfalz, Vorsitzende Monika Daubermann, Mobil 0173-3409246, www.tierhilfe-pfalz.de. Spendenkonto: Stadtsparkasse Kaiserslautern, IBAN: DE27 5405 0110 0000 5298 00, BIC: MALADE51KLS

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