Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Tierärztin rät: Hundekauf auch in Pandemiezeiten gut überlegen

Einen illegalen Handel mit Pomeranian-Spitz-Welpen hat das Veterinäramt in der vergangenen Woche aufgedeckt.
Einen illegalen Handel mit Pomeranian-Spitz-Welpen hat das Veterinäramt in der vergangenen Woche aufgedeckt.

In Coronazeiten sind offenbar viele auf den Hund gekommen. Die Nachfrage ist nicht nur nach Welpen gewaltig, sondern auch nach Tieren, die aus dem Ausland kommen. „Es boomt wie verrückt“, fasst Tierärztin Jennifer Schiwek zusammen, was sich seit Wochen auf dem „Hundemarkt“ tut.

Die stellvertretende Abteilungsleiterin des Veterinäramtes Kaiserslautern sieht die Entwicklung nicht ohne Sorge. „Sich einen Hund ins Haus zu holen, ist eine Lebensentscheidung“, bittet sie eindringlich darum, sich den Kauf eines Lebewesens, das viel Zeit und Zuwendung brauche und auch Kosten verursache, gut zu überlegen. Was passiert mit dem Hund, wenn Corona hinter uns liegt, der Alltag zurück ist und alle wieder zur Arbeit gehen? Ist die Betreuung des Hundes dann geregelt? Wie lange kann er tatsächlich alleine bleiben, ohne das Mobiliar zu zerlegen? Solche Fragen müsse sich jede Familie im Vorfeld gut überlegen – egal, ob es um den Kauf eines Welpen oder eines erwachsenen Hundes gehe. „Tagen Sie lieber einmal mehr im Familienrat“, meint Schiwek und sieht die große Gefahr, dass nach Corona die Tierheime mit Hunden überschwemmt werden, die dann als lästig empfunden werden oder auch nicht mehr beherrschbar sind.

Im Tierheim oder beim Züchter vor Ort fragen

Wer sich nach reiflicher Überlegung gezielt für einen Hund entscheidet, dem rät Schiwek einen Züchter vor Ort zu suchen oder in den hiesigen Tierheimen nachzufragen. „Das dauert dann natürlich länger und ist zeitaufwendiger, als mit einem einfachen Click im Internet einen Auslandshund zu bestellen“, plädiert Schiwek dafür, sich wirklich Zeit zu nehmen und nicht unbedingt auf solch ein „Blind Date“ im Internet einzulassen. „Sind Sie bereit mit dem Hund, der da nun vor ihnen steht, in die Hundeschule zu gehen, weil es alleine vielleicht nicht funktioniert?“ Auch diese Frage müsse jeder im Vorfeld unbedingt mit einem ehrlichen Ja beantworten. Wenn ein junger Rassehund im Internet auftauche, der aus einer Tötungsstation stammen soll, dann müsse jeder stutzig werden. „Straßenhunde sind in aller Regel Mischlinge“, gibt die Expertin einen weiteren Rat und spricht unseriöse Machenschaften an.

Illegalen Welpenhandel aufgedeckt

Gerade hat das Veterinäramt Kaiserslautern zum wiederholten Male einen illegalen Welpenhandel aufgedeckt. Betroffen waren Pomeranian-Spitz-Welpen. Die Nachfrage nach Hunden treibt laut Schiwek nicht nur die Preise in die Höhe. Die Spitzwelpen wurden beispielsweise für 2700 Euro angeboten. Auf dem notwendigen Heimtierausweis könne der Laie darüber hinaus kaum noch erkennen, ob der Welpe überhaupt dazu passe. „Die Ausweise sind gut gemacht“, meint die Expertin, die dazu rät, junge Hunde vor dem Bezahlen erst einmal seinem eigenen Tierarzt vorzustellen. Der könne anhand der Milchzähne schnell das Alter des Tieres erkennen. Schließlich dürfen Welpen aus dem EU-Ausland erst nach Deutschland gebracht werden, wenn sie frühestens im Alter von zwölf Wochen gegen Tollwut geimpft wurden und eine Wartezeit von 21 Tagen verstrichen ist. Daraus ergibt sich ein Einfuhralter von 15 Wochen aus dem EU-Ausland. Stammen die Welpen aus einem nicht gelisteten Drittland dürfen die Tiere frühestens im Alter von sieben Monaten einreisen. Alles andere ist illegal. „Lässt sich der Verkäufer nicht darauf ein, dass der Welpe dem Tierarzt vorgestellt werden soll, ist das schon ein Zeichen für einen unseriösen Hintergrund“, betont Schiwek.

Das Veterinäramt rät insgesamt dringend dazu, beim Kauf von Hunden wachsam zu sein, um den illegalen Handel nicht zu unterstützen. Zudem sollte man intensiv abwägen, ob man dem Tier auch nach der Pandemie noch gerecht werden und es tierschutzgerecht halten kann.

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Bei Wind und Wetter raus? Wer sich für einen Hund entscheidet, muss dazu bereit sein – auch wenn die Zeit im Homeoffice irgendwann vorbei ist.
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