Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Theatertage: Podiumsdiskussion zur Aufführung „Ramstein Airbase: Game of Drones“

Angeregte Diskussion mit Fachleuten: (von links) Regisseur Jan-Christoph Gockel, Theaterkritikerin Esther Boldt, Investigativjou
Angeregte Diskussion mit Fachleuten: (von links) Regisseur Jan-Christoph Gockel, Theaterkritikerin Esther Boldt, Investigativjournalist Antonius Kempmann und Politikwissenschaftler Marcus Müller.

Dicht gedrängt, hochkonzentriert und manchmal per Zuruf Sorgen und Ängste deklamierend – die Begleitumstände der Podiumsdiskussion in der Pfalztheater-Lounge lassen die Brisanz der Thematik erahnen: Am Donnerstag bereitete diese Diskussionsrunde auf die nachfolgende Aufführung und Produktion „Ramstein Airbase: Game of Drones – reloaded, Trump Edition.“ des Mainzer Staatstheaters vor.

Regisseur Jan-Christoph Gockel, der die Uraufführung 2015 umsetzte, ist bei Kaiserslautern aufgewachsen und als „Hausregisseur in Mainz“ tätig. Er war einer der Diskutanten auf dem Podium. An seiner Seite die Theaterkritikerin Esther Boldt, die sich als Moderatorin ein dickes Sonderlob verdiente. Beim Diskussionsthema „Drohnenkrieg aus der Pfalz“ ließ sie nicht locker, insistierte, hakte nach, duldete keine Abschweifungen, kam schonungslos auf den Punkt.

Der Flugplatz Ramstein hat wichtige Rolle im Drohnen-Programm

Neben ihr und Gockel platzierte sich mit Antonius Kempmann ein Investigativjournalist, der zum Rechercheteam gehörte, das die Publikation „Geheimer Krieg. Wie von Deutschland aus der Kampf gegen den Terror gesteuert wird“ vorbereitet hatte. Schließlich führte sehr fundiert und informativ der Politikwissenschaftler der hiesigen Technischen Universität Kaiserslautern, Marcus Müller, in die Problematik des gezielten Tötens und in Drohnenangriffe in die spannende Diskussion ein.

Zur Erinnerung: Die Airbase Ramstein als größter Stützpunkt der US-amerikanischen Luftstreitkräfte außerhalb der Vereinigten Staaten stationiert keine bewaffneten Drohnen – so der Kenntnisstand im begleitenden Programmheft und dies als Diskussionsgrundlage. Dennoch spiele, so die Informationen weiter, dieser Luftwaffenstützpunkt im Drohnen-Programm der USA eine wichtige Rolle, etwa als Satelliten-Relaisstation. Drohneneinsätze zur gezielten Tötung oder zum Aufspüren, zum Beispiel von Terroristen wie seinerzeit Osama bin Laden, würden ohne Zustimmung von deutschem Boden aus gegen deutsches Recht verstoßen.

Reger Gedankenaustausch beleuchtet militärische Einsätze

Das aufgeführte Projekt des Mainzer Staatstheaters thematisiert solche Fragen, der Text entstand teilweise direkt in den Proben und die Schauspieler waren als weitere Besonderheit an der Ausarbeitung beteiligt. Interviews, Befragungen, Zeitungsartikel und vor allem die Schilderungen durch den ehemaligen Drohnenpiloten Brandon Bryant ergaben die Mosaiksteine für diese sensationelle Aufführung. Bekannte Einzelschicksale und fiktive Visionen flossen zusammen.

Der rege Gedankenaustausch auf dem Podium beleuchtete diese neue Art militärischer Einsätze aus der Sicht von Zeugen solch bisheriger Drohneneinsätze, wie etwa in Somalia, und nach Berichten von Piloten. Es ergeben sich, so die Quintessenz, berechtigte Zweifel an der Vorstellung einer „präzisen und sauberen Tötung“ von mutmaßlichen Terroristen.

„Entpersonifizierung“ der militärischen Strategie

Es zeigte sich auch nach Kempmanns Ausführungen, dass selbst die Steuerung solcher Drohnen bei den Militärs trotz großer Entfernung zu Traumatisierungen und Schuldgefühlen führe. Die Moderatorin ergänzte, man nenne es militärische Ziele, treffe aber auch die Bevölkerung. Und Kempmann präzisiert diese „Entpersonifizierung“ der militärischen Strategie: Befehle per Chat, anonym ohne Dienststelle- oder grad.

Während Regisseur Gockel über die Werk- und Entstehungsgeschichte sowie von Rezeptionen an verschiedenen Theatern „aus erster Hand“ berichtete, analysierte der Politikwissenschaftler auch die politischen Grundlagen und Machtverhältnisse, vor allem in dem politischen System der Vereinigten Staaten.

Theater als ein ideales Medium zur Darstellung von Konflikten

In den 50.000 Militärs und Angehörigen sah Müller einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Er sprach aber auch Gefahren von Waffenlagerungen und Umweltproblemen, etwa durch Kerosinablass, an. Schließlich gab er der sich wandelnden US-amerikanischen Außen- und Verteidigungspolitik Raum, er sah eine Verschiebung von der Amtszeit des US-Präsidenten Barack Obama mit damals mehr Transparenz als unter dessen Nachfolger Donald Trump.

Eine Lösung oder erfolgreiche Beendigung von Terrorakten hielt der Experte für unwahrscheinlich, sah vielmehr einen stetigen Prozess des Widerstreits zwischen rivalisierenden Kräften. Für Gockel als Regisseur sei das Theater als ein ideales Medium umso wichtiger, um solche und auch ethische Konflikte darzustellen.

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