Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Termine bei Fachärzten sind Mangelware

Schwer zu bekommen: Wer als Kassenpatient auf einen Termin bei einem Hautarzt hofft, muss teilweise sehr lange warten.
Schwer zu bekommen: Wer als Kassenpatient auf einen Termin bei einem Hautarzt hofft, muss teilweise sehr lange warten.

Gibt es nicht genügend Hautärzte in der Region? Oder drängen immer mehr Patienten in die Praxen? Bei einem Dermatologen einen Termin zu bekommen, ist derzeit jedenfalls im Raum Kaiserslautern für gesetzlich Versicherte schwierig. Eine RHEINPFALZ-Leserin schildert ihren Fall.

Michelle Bosle weiß nicht mehr, was sie noch machen soll, um endlich einen Termin bei einem Hautarzt zu bekommen. Eine entzündete Stelle am Arm macht ihr Sorgen. Das würde sie gerne medizinisch abklären lassen. Deshalb bemüht sich die 68-jährige Trippstadterin mittlerweile seit fast zwei Monaten darum, bei einem Dermatologen vorstellig werden zu dürfen – bislang ohne Erfolg. „Ich rufe täglich bei den Praxen im Umkreis an, oft hebt keiner ab“, schildert sie ihre vergeblichen Versuche. Und wenn sie einmal tatsächlich mit jemandem persönlich sprechen kann und darauf hinweist, dass es dringlich wäre, heißt es dennoch nur: „Wir nehmen keine Patienten mehr auf.“ Manche Ärzte weisen sogar auf ihrer Internetseite auf diesen Umstand hin. Auch online hat sie versucht, einen Termin zu buchen, aber dieser Service steht nicht in allen Praxen zur Verfügung.

Was Bosle besonders ärgert, ist, dass sie seit 55 Jahren in die Krankenversicherung einzahlt, jetzt aber nicht einmal einen Termin erhält, und dass offensichtlich Kassenpatienten benachteiligt werden. Sie hat bei ihrer Suche nach einem Arzt den Eindruck gewonnen, den sie in dem Satz zusammenfasst: „Wenn Sie selbst bezahlen, dann können Sie morgen kommen“, wenn nicht, dann gibt es auf lange Sicht keinen Termin. Das sei übrigens nicht nur bei Hautärzten so, sondern auch bei anderen Fachärzten. „Da kriegen Sie auch erst nach Wochen einen Termin“, ist ihre Erfahrung.

In ihrer Verzweiflung wandte sich die 68-Jährige auch an ihre Krankenkasse und beauftragte diese mit der Terminsuche. Über den Facharzt-Terminservice ist das bei der KKH – wie bei vielen anderen Kassen – möglich. „Pro Fall kontaktiert die KKH bis zu neun Praxen und gibt dem Versicherten innerhalb von zwei Werktagen eine Rückmeldung“, teilt die KKH-Pressestelle zum Prozedere mit. In welchem Umkreis dabei gesucht werde, entscheide der Kunde. Manchmal könne die Kasse über diesen Service ihren Versicherten auch Hinweise auf Praxen geben, die neu eröffnen. Rund 1000 Terminanfragen erhalte die KKH pro Monat, heißt es in der Antwort weiter.

In Michelle Bosles Fall kam die Kasse allerdings auch nicht weiter. Scheitern ihre Bemühungen, übermittele sie Adressen von Praxen mit Online-Buchungsservice. Diese Formulare müssten direkt vom Patienten ausgefüllt werden, das könne die Krankenkasse nicht für die Kunden übernehmen. Gelingt auch eine Online-Buchung nicht, verweist die KKH „als letzte Möglichkeit auf die Dringlichkeitsüberweisung durch den Hausarzt“.

Insgesamt stellt die Krankenkasse fest, dass sich die Lage bei den Fachärzten, insbesondere bei den Dermatologen, während der Corona-Pandemie verschärft habe. „Praxen fehlt Fachpersonal, sodass sie keine neuen Patienten mehr annehmen können, ihre Öffnungszeiten einschränken oder sogar schließen müssen.“ Dadurch tue sich auch der Facharztservice schwerer, vakante Termine zu finden.

Gibt es also einfach zu wenig Hautärzte in und um Kaiserslautern? Sieben Sitze sind es laut der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV), fünf in der Stadt, zwei im Landkreis, wobei auch mehrere Sitze auf eine Gemeinschaftspraxis entfallen können. Damit ist die Region eigentlich sogar überversorgt, wenn die für die Bedarfsplanung herangezogene Verhältniszahl der KV zugrundegelegt wird. Diese gibt an, wie viele Einwohner von einem Arzt versorgt werden sollten. Für Kaiserslautern, Stadt und Landkreis, liegt sie laut KV bei 39.075. Derzeit wohnen aber nur 206.153 Menschen (Stand 31. Dezember 2021) in und rund um Kaiserslautern, rein rechnerisch würden also 5,2 Hautarztsitze genügen. Dennoch sind keine schnellen Termine zu bekommen, auf Vorsorgeuntersuchungen müssen gesetzlich Versicherte rund ein Jahr warten.

Die KV führt das auf den demografischen Wandel zurück. Durch diesen treffe „eine zunehmende Zahl behandlungsbedürftiger Patientinnen und Patienten auf eine kleiner werdende Zahl praktizierender Ärztinnen und Ärzte“. Auch immer mehr Dermatologen schieden altersbedingt aus dem Berufsleben aus und „die Nachbesetzung von Arztpraxen gestaltet sich aufgrund des Ärztemangels als immer schwieriger“. Dies sei kein vereinzeltes regionales Problem, sondern betreffe ganz Rheinland-Pfalz. Bereits 2004 hätten die Kassenärztlichen Vereinigungen bundesweit vor kommenden „Personalengpässen und damit verbundenen Versorgungsproblemen“ gewarnt. Reagiert habe die Politik, die zum Beispiel darüber entscheide, wie viele Medizinstudienplätze zur Verfügung gestellt werden, erst 2019, als die Probleme schon Realität geworden seien.

Außerdem weise die KV seit langem darauf hin, dass die aktuelle Bedarfsplanung nicht den tatsächlichen Bedarf messe. Sie fordert daher, dass dieses Instrument für alle grundversorgenden ärztlichen Fachrichtungen abgeschafft werden sollte, „unter Aufhebung jeglicher Budgetierung“ – wobei unter Ärzteverbänden darüber gestritten wird, wie grundversorgend zu definieren ist und welche Arztgruppen dazuzählen.

Nicht zuletzt bemängelt die KV, dass Arztpraxen finanziell immer schlechter dastünden – aufgrund allgemein gestiegener Kosten für Mieten, Energie und Materialien, aber auch für Personal. Dass seit diesem Jahr die Neupatientenregelung abgeschafft wurde, verschärfe die wirtschaftliche Lage weiter. Über sie konnten Praxen sich bislang Leistungen für Neupatienten extrabudgetär, also über das ihnen hauptsächlich von den Krankenkassen gewährte Gesamthonorar hinaus, bezahlen lassen. Diese Regelung fällt nun weg, da die defizitären Krankenkassen Geld sparen müssen. Eine Konsequenz aus all diesen Entwicklungen sei auch, dass einige Ärzte aufhörten oder nur noch Privatversicherte behandelten.

Von den in Stadt und Kreis von der RHEINPFALZ angefragten Hautärzten wollte sich keiner zum Thema äußern.

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