Ramstein-Miesenbach
Tanzsportverein Ramstein startet nach Renovierung und Corona-Pause durch
Die Rhythmen von Cha-Cha-Cha, Tango und Foxtrott wehen durch die Räume. Zwei, drei Paare schweben dazu durch den roten und grünen Tanzsaal. Allerdings nur testweise, um das Parkett auf seine Tanzbarkeit zu überprüfen. Denn noch stehen im neuen Tanzsport-Zentrum ein paar wenige Maßnahmen an, bevor der endgültige Startschuss im August fallen kann. In dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude kann sich der Verein entfalten. Im Juli hat er für seine erfolgreiche zukunftsorientierte Arbeit 1000 Euro aus den Mitteln der Glücksspirale des Landessportbundes Rheinland-Pfalz erhalten.
„Wir freuen wir uns umso mehr, nachdem die Corona-Krise unseren Trainingsbetrieb für einige Monate lahm gelegt hat“, sagt Lothar Röhricht. Er ist ein Mann der ersten Stunde des 1986 gegründeten Tanzsportvereins und seit 1998 erster Vorstandsvorsitzender. Die Liebe zum Tanzen, allen voran zum Slowfox, teilt er mit seiner Frau. Die beiden zeigen in der Seniorengruppe, was sie drauf haben.
Rund 200 aktive Freizeitsportler
Über Mitgliedermangel kann sich der Tanzsportverein Ramstein nicht beklagen, er zählt etwa 200 aktive Freizeit-Sportler und -Sportlerinnen. Der Zuspruch kommt nicht von ungefähr. „Wir lassen uns immer etwas Neues einfallen, um attraktiv zu sein und zu bleiben“, sagt Röhricht. Von seinen Anfängen an habe sich der westpfälzer Verein stets um alle Sparten der Sportart bemüht. Entsprechend vielfältig ist das Angebot. Auf dem Programm stehen neben Standard- und Lateinrhythmen zum Beispiel auch LineDance, LindyHop, NewVogue und alte Tänze wie Schieber und Polka. Diese werden bei Auftritten, die auch zu Partnerstädten im Ausland führen, stilgerecht in altertümlicher Aufmachung vorgeführt.
Obendrein hat sich der Verein dem Gesundheitssport verschrieben. Die Kosten für die Kurse werden übrigens bis zu 100 Prozent von Krankenkassen übernommen, ohne dass ein Rezept nötig ist“, erklärt Heidi Heuchert, die sich vom Sportbund zur Übungsleiterin B ausbilden ließ. Mit ihrem Mann Michael schwingt sie in der Standard A Klasse das Tanzbein.
Tanzfitness nur für Frauen
Da nicht nur Paare auf ihre Kosten kommen sollen, gibt es fürs weibliche Geschlecht donnerstagmorgens Tanzfitness allein für Frauen. Am späten Nachmittag tanzen die Kids und Jugendliche, danach sind Lateintänze für Turnierpaare an der Reihe.
2017 hat der Verein eine Idee umgesetzt, die zuvor immer wieder am Widerstand vieler Trainer und Clubs gescheitert sei. „Wir haben eine Vereins übergreifende Trainingsgruppe namens ,Open BallroomPractice’ für Paare der Standard-B- bis S-Klasse gegründet. Der Gruppe gehören 23 Spitzenpaare an, die teilweise auch aus anderen Bundesländern kommen. Fünf davon starten bei nationalen und internationalen Turnieren für unseren Club“, sagt Lothar Röhricht. „Dabei gibt es keinen fest installierten Vereinstrainer, stattdessen laden wir für Workshops international anerkannte A-Trainer ein.“
Endrundentraining auf Tanzfläche in WM-Größe
Aus den anfangs vier geplanten Workshops pro Jahr seien 2019 bereits 13 geworden. „So viele sollten es auch dieses Jahr werden, aber da hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Außerdem findet monatlich ein Endrundentraining auf einer Tanzfläche in WM-Größe statt. Dabei werden mehrmals Turnier-Finalrunden mit je fünf Tänzen simuliert, um die Technik und Kondition zu schulen.
Auch wenn das Tanzen Priorität hat, werden im Ramsteiner Tanzsportverein Geselligkeit und ein gutes Miteinander groß geschrieben. Das gefällt auch Christel und Norbert Weick. „Wir tanzen schon 35 Jahre lang, seit sechs Jahren auch Turniere. Weil wir im Ruhestand mehr Zeit für unser Hobby haben, das Tanzen Kopf und Körper fit hält und Turniere noch mal ein zusätzlicher Ansporn sind.“ Seit eineinhalb Jahren sind sie Mitglied des Ramsteiner Tanzsportvereins, kommen drei bis vier Mal in der Woche aus Zweibrücken, um zu trainieren „und weil es eine so schöne Gemeinschaft ist.“ Das können Christa und Karl-Heinz Wundsam aus Kaiserslautern nur bestätigen. Seit März 2019 schätzen sie die Trainingsmöglichkeiten des Vereins. Das Paar hat sich in der Sparte Standard in die Bundesliga des Tanzsports, die S-Klasse, hoch getanzt. „Auch wenn hier etliche erfolgreiche Paare vertreten sind, gibt es keine Konkurrenz untereinander.“
Mitglieder haben bei der Renovierung angepackt
„Es ist ein wertschätzendes Miteinander in einer kameradschaftlichen Atmosphäre“, sagt Heidi Heuchert. „Wir helfen uns auch gegenseitig, das ist gar keine Frage.“ Das habe sich auch bei den umfangreichen Arbeiten am alten Schulhaus gezeigt. „Da haben unsere Mitglieder kräftig mit angepackt und seit 2017 in über 1500 Stunden gemeinsam mit Fachfirmen das Gebäude auf Vordermann gebracht“, freut sich Röhricht über das große Engagement. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Alles ist neu – von den beiden Tanzsälen über die Küche, Sanitäranlagen bis zu genügend Raum für gesellige Treffen – und wartet darauf, mit Leben erfüllt zu werden, sobald die Brandschutz- und schallisolierten Tanzsaaltüren eingebaut sind.
Ferienprogramm ab 6. August
Am 6. August findet ein Ferienprogramm für Kinder und Jugendliche statt. Neben Lateinmusik bietet es HipHop und mit Breakdance ein Novum, das der Tanzsportverein fest etablieren möchte, da „Breakdance“ 2024 zu den olympischen Disziplinen gehören wird. „Aufgrund des großen Erfolgs auf dem Standardsektor wollen wir nach den Ferien eine Vereins übergreifende Latein-Turniersparte gründen. Dabei soll auch neuen Tanzsportbegeisterten, vor allem Kindern und Jugendlichen, bezahlbares und technisch ausgereiftes Leistungstraining ermöglicht werden“, so der Vorsitzende. Am 10. August soll dann das volle Trainingsprogramm starten.
Der Ideenreichtum und das Engagement wurden nun vom Landessportbund Rheinland-Pfalz mit 1000 Euro aus den Mitteln der Glücksspirale belohnt. Die Finanzspritze soll bei der Verwirklichung der Projekte helfen. „Wir brauchen Spenden, um unsere Mitgliederbeiträge niedrig zu halten, damit alle Personen, ohne Alters-, Herkunfts- und Finanzbeschränkung Zugang zu unserem Verein haben“, sagt Röhricht.