Sembach RHEINPFALZ Plus Artikel Tag der offenen Tür im Naturisten-Camp

Herzstück des hervorragend gepflegten Camps ist der zwölf mal sechs Meter große Pool. Aber auch sonst wird hier für Alt und Jung
Herzstück des hervorragend gepflegten Camps ist der zwölf mal sechs Meter große Pool. Aber auch sonst wird hier für Alt und Jung viel geboten.

Die Sembacher nennen sie „Die Naggische“, berichten die Camper des Naturisten-Camps in Sembach amüsiert. Während die Einheimischen mittlerweile wissen, was sich da mitten im Wald am Längstlerhof befindet, ist es vielen aus dem Umkreis noch unbekannt. Ein Tag der offenen Tür soll das ändern.

Camper aus Frankenthal, Bitburg, Pirmasens und dem benachbarten Ausland zieht es zum Naturisten-Camp in Sembach. Doch was spielt sich auf dem Gelände hinter dem blickdichten Zaun ab? Zu verbergen haben die Mitglieder des Bunds für freie Lebensgestaltung Kaiserslautern (BffL) jedenfalls nichts. Aber sie schützen sich vor voyeuristischen Blicken. Sie möchten unbeobachtet und ungestört dem Nacktsein frönen.

Bestens geeignet für Familien mit Kindern

„Das Ausschlaggebende hier ist die persönliche Freiheit. Am Eingangstor gibt man seine Kleidung ab, aber auch den Doktortitel und Personenstand. Dann ist man nur noch ,der Gerd’ und mit jedem per Du“, berichtet Gerhard Engel und erinnert sich an die herzliche Aufnahme. Wohnhaft im saarländischen Landkreis Neunkirchen, verbringt der Rentner mit seiner Partnerin wieder die Zeit von April bis Oktober auf dem Campingplatz und vermisst dabei nichts. Damit zählt er zu den 50 Dauer-Campern auf dem Platz. Die meisten sind im Rentenalter. Auf den restlichen Stellplätzen tummeln sich auch viele Familien mit Kindern. Denn gerade für diese sei es ein Paradies. Auf dem eingezäunten Gelände mit einem Abenteuerspielplatz können sich die Kinder austoben, ohne dass sie verloren gehen. Man ist hier unter sich. Gäste werden aber jederzeit herzlich aufgenommen.

Manche Camper pflegen den Naturismus schon in der dritten Generation, kommen mit ihren kleinen Enkeln. Die rund 120 Mitglieder des BffL wissen ihr idyllisches Fleckchen zu schätzen und pflegen es dementsprechend. Sie engagieren sich teils als Gelände-, Sport- oder Gerätewart. Gerhard König hat als Geländewart den Überblick über das 3,5 Hektar große Areal. Mäharbeiten und Poolreinigung sind nur einige der Aufgaben, die er verteilt. Jedes männliche Mitglied bis 65 Jahre verpflichtet sich zu 20 Arbeitsstunden im Jahr. Die meisten leisteten jedoch freiwillig mehr. Dabei können sie auf eine gute Ausrüstung zurückgreifen – wie zum Beispiel den Traktor „Emma“.

Schwimmbad und Sportanlagen

Das weitläufige Gelände ist in einwandfreiem, sehr gepflegtem Zustand. Auf zwei Ebenen verteilen sich Wohnwägen mit Zelten und schmucke Gartenhäuschen – entweder am Waldrand oder auf der Sonnenseite. Auf dem tiefergelegenen Teil befinden sich ein Volleyball- und ein Bouleplatz sowie eine große Grillhütte. Das obere Plateau beherbergt neben dem Vereinsheim und Tischtennisplatten das Herzstück des Camps: das strahlend blaue, zwölf mal sechs Meter große Schwimmbad, gespeist vom eigenen Brunnen und mithilfe einer Solaranlage beheizt. „Das ist ein schönes Schwimmbad mit herrlich frischem Wasser. Und alles ist sehr sauber“, schwärmt Ben Fiske. Der Holländer ist zusammen mit seiner Frau und dem Wohnwagen auf der Durchreise und verbringt eine Woche bei den Naturisten. Er schätze die gemütliche Atmosphäre und werde auf dem Rückweg nochmal einen Stopp in Sembach einlegen.

Keine sexuellen Absichten

Das freut den Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins. Wolfgang Scherpf gibt Einblicke in die mittlerweile fast 75-jährige Vereinsgeschichte. Was 1950/51 auf einem kleinen, gepachteten Grundstück in Wartenberg-Rohrbach begann, habe sich seit dem Kauf des Geländes am Längstlerhof 1955 zum Naturparadies gemausert. Fast alles habe man in Eigenleistung erbracht. Dass die Camper auf keinen Komfort verzichten müssen, zeigt sich auch an den sanitären Anlagen, der Sauna, der Küche und dem separaten Jugendheim. „Wir sind Naturisten, wollen uns nackt in der Natur aufhalten, relaxen und sportlich betätigen. Das ist so ein positives Lebensgefühl, das muss man einfach mal ausprobieren“, erklärt Scherpf. Dabei distanziere sich der Verein entschieden von sexuellen Absichten, wie sie Außenstehende häufig mit „FKK-Einrichtungen“ in Verbindung bringen. So habe man schon manchen Gast enttäuschen müssen, der mit eindeutigen Erwartungen das Camp aufsuchte. Sportwart Volker Enzian fügt hinzu, dass auch nicht geglotzt werde und es egal sei, ob man jung oder alt, dick oder dünn sei. Er selbst und seine Kinder hätten noch nie Probleme mit dem Nacktsein gehabt. Schon als Junge empfand er die nasse Badehose als lästig.

Tag der offenen Tür am Sonntag

Um Vorurteile abzubauen und gerade junge Familien mit Kindern für den Verein zu begeistern, lädt der BffL für Sonntag, 4. Juni, von 11 bis 17 Uhr zum Tag der Offenen Tür ein. Dort können die Besucher die Atmosphäre erleben und sich über Stellplätze oder Tagestickets informieren. Natürlich dürfen die Gäste ihre Kleider anbehalten, es sei denn, sie wollen selbst den Wind und die Sonne auf der Haut spüren und ins Schwimmbecken hüpfen. Hunde sind nicht erlaubt.

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