Bruchmühlbach-Miesau
Tabakwaren aus Bruchmühlbach
Immerhin waren das im Jahr 1950 bei den Männern 88 Prozent (2017: 26,4 Prozent), bei den Frauen 21 Prozent (2017: 18,6 Prozent laut Statistischem Bundesamt), die regelmäßig zur Zigarette griffen. Die „Bali“ war in jener Zeit eine beliebte Zigarettenmarke in unserer Region, die zum großen Teil in Bruchmühlbach produziert worden ist. Eine schwarze, kräftig schmeckende Zigarette, hergestellt auch mit Tabak, der im benachbarten Hütschenhausen angebaut wurde. Doch nicht nur die Bali wurde in Bruchmühlbach hergestellt, auch Fein- und Krüllschnitte sowie die Zigarettenmarken Ben Rih und Westminster waren im Produkt-Portfolio vorhanden.
„Bali“ kommt aus der „Tuwak“
Produzent dieser beliebten Zigarettenmarke war zunächst die Hewimsa AG, später die Eilebrecht AG. Da für die Bevölkerung der Name Hewimsa vermutlich nicht mundgerecht war und viele Pfälzer ohnehin dazu neigen, Spitznamen zu vergeben, nannte man den Betrieb ganz einfach „die Tuwak“. „Die Tuwak“, so ist in einer alten Abhandlung zu lesen, „da wusste jedermann Bescheid. Trotzdem werden wohl die wenigsten eine Ahnung haben, was sich hinter diesem Namen alles verbirgt. Weitverzweigte geschäftliche Beziehungen im Inland wie im Ausland, über die Tabaksteuer einer der größten Steuerzahler des Landes, eine Fülle von Wissen und kaufmännischer Unternehmerlust… und nicht zu vergessen das Arbeitsleben von etwa 300 Menschen, Frauen in der Mehrzahl, die dort ihr Brot verdienen.“
Anfangs war das Werk in Bruchmühlbach nur eine kleine Zweigniederlassung des größeren saarländischen Zentralbetriebes in Homburg gewesen. Gegründet wurde die Hewimsa AG in Homburg 1921 durch Adam Friedhoff. Das Zweigwerk Bruchmühlbach entstand 1925. Zehn Jahre später wurde Adam Friedhoff vom Nazi-Regime enteignet, der Firmengründer und seine Familie konnten noch rechtzeitig ins Ausland flüchten. Nach mehrfachem Besitzwechsel ging die Firma im Frühjahr 1936 in das Eigentum der Familie Eilebrecht über, deren Name damals schon seit 100 Jahren in der Tabakbranche einen guten Ruf hatte.
Die Eilebrecht AG übernimmt
Da seit Bestehen des Bruchmühlbacher Werks der Schwerpunkt der Produktion sich Zug um Zug dahin verlagerte, wurde 1936 der Homburger Betrieb gänzlich stillgelegt. Außenstehenden zeigte sich der Besitzerwechsel spätestens 1941, als der Name Hewimsa AG in Eilebrecht AG geändert wurde. Die unternehmerische Erfahrung des Traditionsunternehmens war wohl die Ursache dafür, dass schon vor dem Zweiten Weltkrieg neben der Herstellung von Rauchtabaken dem Zug der Zeit folgend auch mit der Produktion von Zigaretten begonnen wurde.
Zwei Bombenangriffe kurz vor Kriegsende und eine Massenplünderung brachten 1945 fast das Aus für den westpfälzischen Betrieb. Mit Geldern aus dem Marshallplan gelang es dem Unternehmen mit seinen Mitarbeitern jedoch schon zwei Jahre später, die Produktion wieder aufzunehmen. Unterstützung kam auch aus Frankreich, denn die Besatzungsmacht stellte Rohmaterial und war bis 1949 der einzige Auftraggeber. Gegen Ende der 1940er Jahre betätigte sich die Firma auch organisatorisch auf dem Gebiet des Tabakanbaus in Deutschland. Es hatte sich erwiesen, dass die Nachbargemeinde Hütschenhausen „anbaufähigen Tabakboden“ hatte. Ein durchdachtes Kulturverfahren ermöglichte es, dass auf den Feldern der Gemeinde jene kräftigen und würzigen Tabakblätter gedeihen konnten, die das vorwiegend von den Männern so beliebte starke Aroma der „Bali“ hervorriefen.
1963 ist Schluss
1955 beschäftigte das westpfälzische Unternehmen der „Eilebrecht Cigaretten- und Rauchtabak-Fabriken A.G.“ als größter tabakverarbeitender Betrieb der Pfalz rund 350 Menschen, die zumeist aus Bruchmühlbach, Vogelbach und Hauptstuhl kamen. Die mächtige Konkurrenz einiger Großunternehmer, denen zudem der starke Trend zur milderen Filterzigarette zugutekam, zwang auch Eilebrecht zu neuen Wegen. Im Frühjahr 1961 wird von der Verlegung des größten Teils des westpfälzischen Betriebes nach Westberlin berichtet und 1962 der Tabakanbau in Hütschenhausen beendet. Am 1. März 1963 schließlich schloss die „Tuwak“ gänzlich ihre Pforten.