Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Storchenparade: Wo es im Kreis klappert

Jungstörche sind am dunklen Schnabel zu erkennen. Dieser trainiert in Erzenhausen seine Muskeln, die er zum Fliegen braucht.
Jungstörche sind am dunklen Schnabel zu erkennen. Dieser trainiert in Erzenhausen seine Muskeln, die er zum Fliegen braucht.

Aus vereinzeltem Storchengeklapper ist in der Westpfalz längst eine ansehnliche Storchenparade geworden. Vor mehr als 20 Jahren wurden die ersten Tiere aus Volieren in Mackenbach und Miesau ausgewildert. Katzweiler hat sich inzwischen zu einem Storchenparadies gemausert.

Der Weißstorch (Cionia cionia), meist einfach nur Storch genannt, beschäftigte die Pfälzer schon früher. An anderen Orten war es nicht anders, das Klappern der Störche war ein Thema. Wenn die schlanken Vögel am Himmel kreisten oder auf ihren roten langen Beinen nach Futter staksten, nahmen die Menschen sie wahr und waren ihnen meist zugetan. Die Brut auf den Dächern in den Dörfern und der Nachwuchs war es häufig Wert, in Heimatbüchern oder Dorfchroniken notiert zu werden. Bis Mitte der 1970er Jahre wurden die Vögel jeweils im zeitigen Frühjahr in weiten Teilen der Pfalz von der langen Reise nach Afrika zurückerwartet. In der Westpfalz gab es da schon lange keine brütenden Störche mehr.

Die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (Gnor) schreibt in „Die Vogelwelt von Rheinland-Pfalz 2“, dass in Miesau das letzte Storchenpaar im Jahr 1948 seine Jungen aufgezogen hat und dass in Obermohr die letzte Brut vermutlich 1961 stattfand. Dabei hatte sich der Lebensraum zu damaligen Zeiten weder in der Pfalz noch in ganz Rheinland-Pfalz grundlegend verändert. Es war laut Gnor eher der Lebensraumverlust in den afrikanischen Winterquartieren und in den Durchzugsländern, der den Storch in arge Bedrängnis brachte.

Projektstörche machen den Anfang

Als in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die ersten Bestrebungen begannen, den Storch als Brutvogel zurückzugewinnen, war er nie so ganz aus Rheinland-Pfalz verschwunden. Als Rast- und Zugvogel ließ er sich schon noch sehen. Nur Nachwuchs gab es nicht mehr. Mitte der 1990er Jahre formierte sich eine Gruppe Naturschützer, die Aktion Pfalzstorch übernahm die Vorreiterrolle.

Der Ornithologe Peter Ramachers verweist in seinem Werk „Die Vogelwelt im Raum Kaiserslautern“ auf erste Wiederansiedlungsversuche: Im Jahr 2001 wurden in Mackenbach und 2002 in Miesau in Volieren herangezogene sogenannte Projektstörche ausgewildert – in der Hoffnung, dass sie sich mit Wildstörchen paaren. Es klappte. Seitdem wird mehr und mehr geklappert, gebrütet und immer mehr Jungstörche werden in meist luftiger Höhe in Storchennestern aufgezogen.

Einige Jungstörche überleben wegen des Regens nicht

Im Jahr 2024 gibt es im Kreis Kaiserslautern brütende Störche in Bann, Erzenhausen, Hütschenhausen, Mehlingen, Olsbrücken, Steinwenden, Weilerbach und Katzweiler – meist mehr als eine Storchenfamilie. Wer beispielsweise zwischen Mehlingen und Sembach spazieren geht, sieht nicht selten eine beeindruckende Storchenparade am Himmel mit häufig acht Tieren. Aus Erzenhausen berichten Gaby und Bernhard Kimmle von einer Storchenfamilie, die zwei Jungvögel aufzieht. Ursprünglich sei es dreifacher Nachwuchs gewesen. „Ein Junges hat wohl das schlechte Wetter der letzten Zeit nicht überlebt“, erklären die Kimmles. Die Leser, die seit Jahren den Störchen zugetan sind, haben beim Storchenvater die Ringnummer erkennen können und durch Recherche ermittelt, dass der männliche Storch 2013 in Winden in der Südpfalz beringt wurde und sich 2016 in Erzenhausen angesiedelt hat – der Nachweis eines Austauschs zwischen Süd- und Westpfalz.

Katzweiler scheint besonders attraktiv für Störche zu sein. Anfang des Jahres waren ganze 21 Storchennester belegt. Vom Sturm wurden allerdings drei zerstört. „Zwei Paare haben neu angefangen, ein Nest zu bauen. Wie es aussieht, ist nur ein Paar mit dem Nestbau fertig geworden“, berichtet Sebastian Loepp, Vorsitzender des Tourismusvereins Katzweiler von seinen Beobachtungen. Auch er spricht von Jungvögeln, die dem vielen Regen zum Opfer gefallen sind. Trotzdem: Von 14 Jungstörchen weiß er schon sicher. Und es können noch mehr werden.

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