Kreis Kaiserslautern „Storchenfeste“ und soziale Medien

In Mackenbach fand in der vergangenen Woche zum ersten Mal ein „Kirchenstammtisch“ statt: Auf Bierdeckeln notierten die Teilnehm
In Mackenbach fand in der vergangenen Woche zum ersten Mal ein »Kirchenstammtisch« statt: Auf Bierdeckeln notierten die Teilnehmer, was sie bewegt.

«Kaiserslautern.»Die Kirchen verlieren nicht nur an Mitgliedern. Auch die Gottesdienste sind meist schwach besucht. „Kirche muss heute zu den Leuten gehen, nicht umgekehrt“, folgert der evangelische Pfarrer Oliver Böß aus Mackenbach. Mit weiteren Kollegen versucht er, dem Trend durch mehr Volksnähe entgegenzusteuern.

Näher beim Volk ist der Pfarrer beispielsweise in der Kneipe. So fand am Mittwoch in Mackenbach erstmals ein „Kirchenstammtisch“ mit Oliver Böß statt. Bibel und Gesangbuch wurden durch Bierdeckel ausgetauscht: Auf diese notierten die Teilnehmer, was sie bewegt. Bekannt geworden ist der 54-Jährige durch Mundartgottesdienste, die er in Mackenbach, Schwedelbach, Reichenbach-Steegen und in seiner früheren Gemeinde Hohenecken hält. Alle zwei Jahre stehen zudem in der Kaiserslauterer Weidenkirche Gottesdienste in Mundart an. Seit 2004 in Mackenbach, passt sich der aus Speyer stammende Theologe sprachlich längst den hiesigen rund 2300 Gemeindemitgliedern an und ergänzt seine Reime mit allerhand Lokalkolorit. Das kommt an. „Die Kirchen sind dann voll“, berichtet Böß. „Mundart, das ist ein Stück Heimat, und es gehört zur Identität“, sagt er. Dies könne Kirche sehr gut nutzen. Ob seine Bemühungen nachhaltig sind? „Die Mühlen mahlen langsam“, weiß der Pfarrer, der seine Initiative als „Beziehungsarbeit“ sieht. Zwar registrieren er und seine Frau Anja Scheel-Böß aktuell mehr Gottesdienstbesucher. Allerdings könne die jüngere Generation stärker vertreten sein. Auch mit „Storchenfesten“ rund um das auf der Kirche nistende Storchenpaar Adam und Eva erreicht das Pfarrerehepaar die Menschen. Darüber hinaus sei er auf dem Sportplatz und im Dorfleben präsent, berichtet Böß und fügt hinzu: „Ich bin einer von euch.“ Allerdings gehe es nicht nur um Spaß und Humor. Die Verkündigung stehe im Zentrum seines Wirkens, betont er. „Kirche darf nicht bei sich bleiben. Sie muss sich zeigen“, ist auch Dekan Thomas Holtmann (Homburg) überzeugt. Bei Gottesdiensten im Grünen sowie zu Dorffesten und Kerwen gebe es dazu Gelegenheit. Kirche muss dahin gehen, wo die Leute sind, wird überall gepredigt. So hat Amtskollege Matthias Schwarz aus Otterbach sogar schon in einem Fitnessstudio Gottesdienst gefeiert – und die Muckibude war voll. Das kann man von den klassischen Sonntagsgottesdiensten nicht behaupten. Nach Angaben der Evangelischen Kirche in Deutschland lag der durchschnittliche Gottesdienstbesuch 2016 bundesweit bei 3,5 Prozent der Kirchenmitglieder. Der Deutschen Bischofskonferenz liegen schon Zahlen für 2017 vor: Da waren es immerhin 9,8 Prozent. Die Zeiten, in denen die Kirche wartete, bis die Menschen zu ihr kommen, seien endgültig vorbei, weiß auch der katholische Pfarrer von Queidersbach, Patrick Asomugha. „Heute ist es umgekehrt“, stellt er fest. Neben mehreren Veranstaltungen organisiere er in der gut 6700 Mitglieder zählenden Pfarrei auch Hausbesuche. Zusammen mit seinem evangelischen Kollegen Wolfgang Hust und Ortsbürgermeister Ralph Simbgen war der aus Nigeria stammende Pfarrer zudem beim Neujahrsempfang unter dem Motto „Miteinander“ präsent. Auf die Leute zuzugehen bereitet Asomugha keinerlei Probleme. Nach seiner Zeit in Belgien war er in der Erzdiözese Freiburg tätig. Während einer Vertretung im Bistum Speyer „wurde ich von der pfälzischen Fröhlichkeit und Freundlichkeit angesteckt“, erzählt der Pfarrer. Die konnte er in Hagenbach und Kaiserslautern richtig kennenlernen, bevor er 2017 nach Queidersbach wechselte. Im vergangenen Jahr gestaltete er dort einen „afrikanischen, ökumenischen Weihnachtsgottesdienst“, der gut besucht worden sei. Solche Gottesdienste, „bei denen ich auf Leute zugehe, die noch nicht zu meinem ,festen Stamm’ gehören“, wolle er jetzt regelmäßig anbieten. Volksnah zeigt sich auch das Pfarrerehepaar Charlotte und Tobias Dötzkirchner, seit rund fünf Jahren für 2250 Gemeindemitglieder in Ramstein und Miesenbach zuständig. „Wir wollten eigentlich eine neue Internetseite für die Kirchengemeinde anlegen“, berichtet Tobias Dötzkirchner von den Anfängen vor vier Jahren. „Übergangsweise sind wir zunächst mit Facebook gestartet. Seither läuft darüber sehr viel.“ Online werden Veranstaltungen angekündigt, auch Taufanfragen erreichten die Pfarrer schon via Facebook. „Wir erreichen damit Leute, an die wir sonst nicht herankommen würden“, ist der 34-Jährige überzeugt. Durch das Teilen von Beiträgen entstünden Reichweiten bis zu 800 Personen. Auch seien so schon Eltern- und Krabbelgruppen entstanden, die nun besondere Gottesdienste für die Allerkleinsten anbieten. Nebenbei lasse sich das allerdings nicht bewerkstelligen, ergänzt der Pfarrer. Die Präsenz in den sozialen Medien sei durchaus Arbeit, zusätzliche Arbeit. Eine Alternative zum klassischen Bibelkreis bot Pfarrer Christoph Krauth (Erfenbach) in seiner früheren Gemeinde in Schönenberg-Kübelberg an. „Dabei haben wir eine Bibelstelle besprochen und einen passenden Wein dazu verkostet.“ Ziel sei es gewesen, Menschen für das Bibellesen zu interessieren. Die Veranstaltungen seien gut besucht worden. Ab August plant Krauth in Erfenbach ein ähnliches Angebot.

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