Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Steuererhöhung und Kostensteigerung: So reagieren die Gastronomen

Im griechischen Restaurant „Zum Rathaus“ bereitet Küchenchef Theo Papadopoulos am Holzkohlengrill unter den Augen der Gäste das
Im griechischen Restaurant »Zum Rathaus« bereitet Küchenchef Theo Papadopoulos am Holzkohlengrill unter den Augen der Gäste das Fleisch zu.

Die einen verzichten bislang auf Preiserhöhungen, andere kommen um eine Anhebung kaum herum. Die Gastronomen sind abermals gefordert und hoffen auf Verständnis. Wie reagieren Wirte und Gäste auf die Mehrwertsteueranpassung seit Januar?

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) steht der Anpassung der Mehrwertsteuer kritisch gegenüber und befürchtet, dass der Anstieg um zwölf Prozentpunkte auf die ursprünglichen 19 Prozent bei Speisen für viele Betriebe das Aus bedeuten könnte. Kaum ist die Corona-Krise einigermaßen weggesteckt, erschwerten erhöhter Mindestlohn, Personalmangel, Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Energieversorgung das Leben der Gastronomen. Wie wirkt sich das alles auf Lokale im Landkreis Kaiserslautern aus?

Nicht nur wegen der Mehrwertsteuer

Ein verändertes Essverhalten der Gäste wird bereits im Restaurant „Zum Rathaus“ in Hochspeyer registriert. „Es werden weniger Vorspeisen bestellt“, erläutert Annette Papadopoulos, die mit ihrem Mann Theo das griechische Restaurant betreibt. Sie hätten die Preise bereits im Dezember erhöht – nicht nur wegen der Mehrwertsteuer, sondern auch aufgrund der gestiegenen Kosten. „Haben wir vorher 900 Euro für den Wocheneinkauf benötigt, so kommen wir nun auf 1500. Wir beziehen frisches Fleisch, und die Qualität muss ja stimmen“, gibt Papadopoulos zu Bedenken. Im Schnitt seien die Gerichte etwa zwei Euro teurer. Viele der Stammkunden hätten Verständnis, andere meckerten. Das liege aber wohl auch an den allgemein gestiegenen Kosten für jeden Einzelnen. Aussagen wie „Wo soll das alles noch hinführen?“ und „Wir pflanzen bald wieder selbst unsere Nahrung an“ seien schon gefallen. „Wir waren selbst vor kurzem in der Stadt bei einem Griechen essen. Da musste man den Salat und das Zaziki extra dazu bestellen“, berichtet die Restaurantchefin. Das komme für ihren Familienbetrieb, der bereits im 27. Jahr besteht, nicht in Frage.

Mona und Benjamin Wolter betreiben den „Wallonenhof“ in Otterberg seit Sommer 2021. Im Januar haben sie die Preise für Speisen – teilweise auch für Getränke – um rund zehn Prozent erhöht. Bei ihrer Kundschaft seien sie bislang dafür auf absolutes Verständnis gestoßen. „Wir versuchen natürlich, die Preiserhöhung so minimal wie möglich zu halten“, versichert Mona Wolter. Die Kosten für den Einkauf seien aber schon merkbar gestiegen. Beruhigend sei es, dass es alle Gastronomen gleichermaßen betreffe und man nicht der Einzige sei, der die Preise anheben müsse. Für ein Fazit sei es noch zu früh, da betriebsferienbedingt erst seit Mitte Januar wieder geöffnet sei.

Schon vor Corona mit 19 Prozent kalkuliert

Bei der „Trattoria Da Roberto“ in Weilerbach gibt es bislang keine Preiserhöhung, obwohl sie eigentlich notwendig wäre, sagt Restaurantbetreiber Roberto Di Fede. Er fürchtet, dass dann die Stammgäste wegbleiben könnten. Jeder zweite Kunde habe diesbezüglich Andeutungen gemacht. Dass viele Gäste den Gürtel enger schnallen müssen, zeige sich daran, dass nun oft auf die Vorspeise oder das Dessert verzichtet werde. Die Portionen bei gleichbleibenden Preisen kleiner zu gestalten, hält der Gastronom für keine Option. Die Gäste sollen ja satt werden. Ebenso wenig setze er auf die Extraberechnung von Salaten – wie einige Kollegen das bereits handhaben. „Den Beilagensalat wegzulassen, wäre kein Problem. Aber das allein löst ja nicht das Problem“, meint Di Fede, der seit sechs Jahren die Trattoria betreibt. „Ich sehe eher düster in die Zukunft.“

Wenn man als kleiner Familienbetrieb fungiert, ist die aktuelle Situation anscheinend leichter zu bewältigen. So sieht es zumindest Familie Monteleone vom Restaurant „Da Franco & Manda“ in Enkenbach-Alsenborn. An eine Preiserhöhung denke man vorerst nicht, schließlich habe man vor Corona auch mit 19 Prozent Mehrwertsteuer kalkulieren müssen. Manche Stammgäste hätten schon überrascht nachgefragt. „Das Geschäft läuft gut, wir kommen gut klar. Mal gucken, wie sich alles noch entwickelt“, meint Chefin Manda Monteleone, die seit mehr als zweieinhalb Jahrzehnten eine Institution für viele Einheimische ist.

Alles wie gehabt

Auch wenn viele Restaurants in Kaiserslautern im Vergleich zu ihren Pendants in den Ortschaften mehr Laufkundschaft verzeichnen können, kämpfen sie mit ähnlichen Problemen. „Wahrscheinlich werde ich, wenn überhaupt, einer der letzten sein, der die Preise anhebt. Erst wenn es gar nicht mehr anders geht“, vermutet Lutfi Lahi. Seit 2007 betreibt er mit seiner Frau Violeta das italienische Restaurant „Medici“ in der Innenstadt. Entgegen der Empfehlung seines Steuerberaters, die Preise zu erhöhen, bleibt auf der Medici-Speisekarte alles wie gehabt. Das könne er ansonsten nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, meint Lahi. Das „Medici“ genieße das volle Vertrauen der Gäste. „Unser Lokal ist sehr gut besucht. Und gerade in der schweren Corona-Zeit haben unsere Stammgäste uns sehr gut unterstützt. Dass wir nicht die Preise erhöhen, ist unser Dankeschön dafür“, erläutert der Gastronom. Er zeigt sich gerührt angesichts der Tatsache, dass viele Gäste freiwillig mehr bezahlen wollten.

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