Steinwenden RHEINPFALZ Plus Artikel Steinwenden erinnert an Johannes Häberle

Beim Hambacher Fest –hier dargestellt auf einem Gemälde nach einem zeitgenössischen Stich – war Johannes Häberle dabei.
Beim Hambacher Fest –hier dargestellt auf einem Gemälde nach einem zeitgenössischen Stich – war Johannes Häberle dabei.

Obwohl sie keineswegs allein für die Freiheit der Pfalz eintraten, gelten die beiden Journalisten Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth als Initiatoren des Hambacher Fests. Mindestens 20.000 Menschen nahmen im Mai 1832 an der Großdemonstration teil. Einer von ihnen war der Bürgermeister von Steinwenden, Johannes Häberle. Sein Heimatdorf hat die Anlage in der Ortsmitte nach ihm benannt.

Zur Erinnerung an sein mutiges Eintreten für die Demokratiebewegung wird alljährlich ein Freiheitsbaum errichtet. Zu Häberles Lebzeiten löste die Aufstellung des Symbols ein Nachspiel aus, das der saarländische Historiker Jürgen Hannig als „Tragikomödie“ bezeichnete. Denn der Baum musste auf behördliche Anordnung umgehend wieder entfernt werden.

Mit Siebenpfeiffer und Wirth war er gut bekannt

Johannes Häberle war erst kurz vor dem Hambacher Fest zum Bürgermeister gewählt worden. 1790 auf dem Daubenbornerhof bei Enkenbach geboren, verlor er in den Wirren der Revolutionskriege beide Eltern. Er wurde Gerber, ließ sich nach der Gesellenwanderschaft 1817/18 in Steinwenden nieder und kam mit dem eigenen Betrieb zu Wohlstand. Der Vater seiner zweiten Frau – die erste war im Kindbett gestorben – amtierte als Bürgermeister und starb 1831. Daraufhin machten ihn die Gemeinderäte von Steinwenden, Kottweiler, Schwanden, Weltersbach und Obermohr zum Nachfolger.

Mit Siebenpfeiffer und Wirth war er gut bekannt, so dass er am 27. Mai 1832 ihrem Ruf zur Demo am Hambacher Schloss folgte. Dort wollten die Teilnehmer ihre Forderung nach Volkssouveränität, (Presse-) Freiheit, nationaler Einheit und Demokratie bekräftigen. Doch die im Deutschen Bund zusammengeschlossen Fürsten – darunter der König von Bayern – gingen sofort mit aller Härte gegen die freiheitlichen Bestrebungen vor.

Mehrtägige Gefängnisstrafe

Politische Versammlungen und Vereine wurden verboten, es gab eine Verschärfung der Pressezensur. Der Landauer Historiker Adam Sahrmann bezeichnete dieses Vorgehen 100 Jahre später als Auftakt zum „Vernichtungskampf der Reaktion gegen die Volksrechte“. Die pfälzischen Freidenker versuchten sich zu wehren, indem sie in Kaiserslautern eine „Vorstellung vaterlandsliebender Bürger Rheinbayerns“ verabschiedeten. Die Resolution wurde von über 1350 Männern unterschrieben. Johannes Häberle gehört am 1. August 1832 zu den 38 Erstunterzeichnern.

Sie alle wurden umgehend angeklagt und vor Gericht gestellt. Häberles Steinwendender Landsmann, der Historiker Roland Paul, schreibt dazu, er habe „seine Meinung mutig und unerschrocken“ vertreten und „sah sich nicht veranlasst, frühere Äußerungen zurückzunehmen“. So erhielt er eine mehrtägige Gefängnisstrafe und musste vom Amt des Bürgermeisters zurücktreten.

Tumult wegen Maibaum

Kurz darauf – es war der 11. Mai 1834 – errichteten Steinwendener Jugendliche einen Maibaum, den der neue Bürgermeister Philipp Jakob Clemens sofort fällen lassen wollte. Es kam zum Tumult, der durch Alkohol angeheizt wurde. Häberle stieß dazu, als das lautstarke Gerangel bereits im Gang war. Zwar beschimpfte auch er den neuen Bürgermeister, doch er bemühte sich mit Erfolg um eine gütliche Einigung. Schließlich akzeptieren die „Aufrührer“ murrend, dass der Freiheitsbaum entfernt wurde.

Dennoch wurden zehn Steinwendener Bürger wegen „Beleidigung und Bedrohung obrigkeitlicher Personen bei der Ausübung ihrer Amtsverrichtungen“ verurteilt. Häberle musste wegen des Maibaum-Streits für einen Monat ins Gefängnis.

„In den folgenden Jahren“, so schreibt Roland Paul, „wurde es ruhig um Johannes Häberle. Er widmete sich fortan seinem Gerbereibetrieb.“ Außerdem habe er „in der Ortsmitte (…) ein stattliches Wohnhaus mit Gastwirtschaft und großen Ökonomiegebäuden“ errichtet. Er starb 1858 im Alter von 67 Jahren.

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