Kreis Kaiserslautern Starwolke ist kein gefundenes Fressen

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Rund 2000 Stare, Raubvögel im Angriff und das Phänomen der Starwolke entlockt den Beobachtern so manches „Oh“ und „Ah“. Alfred Klein vom Naturschutzbund (Nabu) Weilerbach erläutert versiert das abendliche Schauspiel zwischen Himmel und Schilf. Ort des Geschehens: Der Starenschlafplatz an der Lauter zwischen Sambach und Stockborn.

Die in der Dämmerung am Himmel tanzenden Stare haben nur ein Ziel: einen Schlafplatz unten im Schilf finden, ohne von einem Greif gefressen zu werden. Zwar ist noch keiner zu sehen, aber sicher ist sicher. „Vor ein paar Jahren war um diese Jahreszeit der Himmel hier dunkel. Gut 20.000 Stare wussten um diesen Schlafplatz“, erinnert sich Vogelexperte Alfred Klein. Klingt traurig, wie er das sagt. Es ist traurig! Die Stare, diese metallisch glänzenden Himmelstänzer, haben in Europa in nur wenigen Jahren um über 75 Prozent abgenommen. „In Rheinland-Pfalz hat sich dieser Alltagsvogel in 25 Jahren nahezu halbiert. Das ist mehr als bedenklich“, führt Klein Zahlen an. Die Hauptnahrung fehle. Der Mensch hat Mücken und Schnaken zum Feind erklärt, ihnen im großen Stil den Garaus gemacht und den Rückgang der Vogelwelt in Kauf genommen. Da hilft dem Star sein ganzes Stimmrepertoire nicht, nicht das Nachahmen eines Handys, kein Bellen wie ein Hund und auch kein menschliches Rufen; all das kann der gepunktete Vogel bis zur Perfektion aus seinem Schnabel entlassen. Futter herbeizaubern, kann er jedoch nicht. So sind aus vielen Tausend Vögeln nur noch wenige geworden, die sich derzeit allabendlich im Schilf zusammenrotten. Geschätzte 2000 waren es am Dienstag, die sich aus allen Richtungen einstellen und „wie kleine Gummibälle“, so die Bemerkung eines Beobachters, schlagartig die Richtung wechseln. Mal tanzt der Schwarm im Oval, dann wieder als vibrierender Halbmond, mal tauchen zwei der Formationen in halsbrecherischen Manövern ineinander unter. Außer einem Rauschen ist nichts wahrzunehmen. Kein Ton! Nur pure Harmonie auf Flügeln. Irgendein Vogel muss doch die Richtung vorgeben, muss die Symphonie am Abendhimmel dirigieren. „Nein“, sagt Alfred Klein. „Die Starwolke lebt durch das Kollektiv!“, erfährt die kleine Gruppe Vogelgucker. Jeder Star orientiert sich an den Nachbarn. Das ist unfallfrei, beeindruckend und absolut effektiv gegen räuberische Angriffe. Dient doch der abendliche Tanz schlicht der Feindesabwehr. Die Greifvögel kennen den Schlafplatz der Stare nämlich genau und wissen um den fett gedeckten Himmelstisch! Schon stürzt ein Wanderfalke heran. Einen Star kann er sich dennoch nicht schnappen. Zwei Turmfalken haben etwas dagegen, dass sich der deutlich größere Falke in ihrem Revier herumtreibt und attackieren ihn. Auch das Sperberweibchen hat kein Glück, die Starenwolke ist geschlossen, da ist kein Oben und kein Unten, also auch keine Mahlzeit. Im Verband zu fliegen bietet Schutz, erklärt Klein und erläutert, dass sich die Vögel hier sammeln und sobald sich kein Futter mehr findet, den Abflug in den etwas milderen mitteleuropäischen Raum antreten. Alle Stare verlassen die Westpfalz allerdings nicht. Deshalb lassen sich die Stimmimitatoren gut an den Futterhäuschen beobachten, wo sie mit Wonne in bereitgelegte Äpfel hacken oder sich an Fettknödeln die Schnäbel einschmieren. Solch grandiose Starwolken, die gibt es allerdings nur an den Schlafplätzen. Millionenfach über den Dächern von Rom, über den Mooren in England oder in abgespeckter Variante im Lautertal. Dort aber nicht mehr allzu lange. Wer sich die Symphonie am Abendhimmel anschauen will, der sollte, so der Rat von Alfred Klein, nicht mehr allzu lange warten. (thea)

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