Ramstein-Miesenbach
Spender gesucht: Typisierungsaktion im Congress Center Ramstein
„Hilfe für Harald“: Unter diesem Motto gibt es in Stadt und Landkreis Kaiserslautern mehrere Typisierungsaktionen der Stefan Morsch Stiftung – so auch im Congress Center Ramstein (CCR). Gegen 14 Uhr freut sich das sechsköpfige Team der Stiftung am Samstag über den 30. Teilnehmer, der sich an dem Tag typisieren lässt. „Bei der ersten Aktion am Donnerstag in Kaiserslautern im Fraunhofer Zentrum konnten wir knapp 70 Menschen typisieren“, berichtet Janine Michel, die bei der Stiftung für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.
Bevorzugte Zielgruppe seien gesunde Menschen zwischen 16 (mit Einwilligung der Eltern) und 40 Jahren. Ob man gesund genug für eine mögliche Spende ist, wird direkt mit der schriftlichen Einwilligung abgefragt. Schwere Erkrankungen wie beispielsweise Autoimmunerkrankungen schließen eine Stammzellspende aus. „Schließlich riskieren wir nicht die Gesundheit eines Spenders, um einen anderen Kranken zu retten“, erklärt Michel. Grundsätzlich könne man sich bis zu einem Alter von 55 Jahren registrieren lassen. Die Wahrscheinlichkeit von einem Transplanteur ausgewählt zu werden, sei allerdings bei Jüngeren größer. Deshalb müssten Über-40-Jährige die Kosten der Typisierung selbst tragen. 40 Euro fielen für das Labor und die Verwaltung an. Im HLA-Labor in Birkenfeld werden die Speichelproben typisiert – also auf bestimmte Merkmale hin untersucht –, bevor sie dann in die Spenderdatei aufgenommen werden.
Mit einem dicken Knie fing alles an
Im Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) werden alle potenziellen Spender in pseudonymisierter Form erfasst. Knapp 500.000 Menschen sind bereits bei der gemeinnützigen Stefan Morsch Stiftung registriert. Im ZKRD, wo alle 26 Stammzellspenderdateien Deutschlands zusammenlaufen, sind es aktuell zehn Millionen. Und dennoch hat sich darunter noch kein passender Spender für Harald gefunden. So liegt die ganze Hoffnung seiner Familie tagtäglich auf jedem neu typisierten und registrierten Freiwilligen.
Vor einem Jahr hat das Schicksal seinen Lauf genommen. Als Harald beim Wandern ein dickes Knie bekommen hatte, dachte vorerst niemand an wirklich Schlimmes. Eine Knie-OP, mehrere Untersuchungen, ein Ausschlussverfahren und ein sich verschlechternder Allgemeinzustand führten vor wenigen Wochen dann zur Diagnose: chronische myelomonozytäre Leukämie, eine seltene Form von Blutkrebs. Eben noch damit beschäftigt, den bevorstehenden Ruhestand im Januar 2024 zu planen, muss der IT-Director eines Chemieunternehmens nun um sein Leben bangen. „Harald war durch seinen Job oft unterwegs. Vieles haben wir immer aufgeschoben für die Zeit als Rentner. Gemeinsam Zeit zu verbringen, war unser Plan“, erläutert Birgit, seine Ehefrau, die mit ihrem Mann Hobbies wie Motorradfahren, Reisen und Wandern teilt.
Schock für die Familie
Der sportliche 65-Jährige sei immer regelmäßig bei medizinischen Check-ups gewesen. Dass Harald nun ohne geeigneten Stammzellspender eine Lebenserwartung von sechs bis 18 Monaten hat, versetzt die Familie in Schock und Ohnmacht. Harald will für seine Frau und Tochter kämpfen, auch wenn er weiß, dass ihm mit der möglichen Stammzellspende ein schwerwiegender Eingriff bevorstehen wird. „Wir müssen bei ihnen nicht nur die Software austauschen, sondern das ganze Betriebssystem“, zitiert seine Frau den behandelten Arzt.
Psychologischen Beistand während dieser schwierigen Zeit erhält die Familie von der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz in Kaiserslautern. Für dieses kostenfreie Angebot ist Birgit sehr dankbar. „Wir bieten psychosoziale Unterstützung für Krebskranke und deren Angehörige“, erläutert Eva Estornell-Borrull, die Leiterin des Beratungszentrums, und versichert schnelle, unbürokratische Hilfe.
Die Speichelprobe ist schnell genommen
Für den Ramstein-Miesenbacher Bürgermeister Ralf Hechler war es keine Frage, das CCR für die Typisierung zur Verfügung zu stellen und die ihm bekannte Familie mit Spendenaufrufen auf allen Kanälen zu unterstützen. „Ich selbst habe mich schon vor Jahren registrieren lassen und heute ist meine Tochter zur Typisierung hier“, berichtet Hechler.
Laura Brunck aus Hochspeyer fühlt sich nach der Typisierung positiv gestimmt. Sie habe dies schon länger vorgehabt und sei nun zufällig in der Nähe gewesen, um sich ein Tattoo stechen zu lassen. Schnell das Stäbchen für die Speichelprobe in den Mund und sie zieht weiter. Vielleicht bringt einer der Teilnehmer besonders viel Glück: Schornsteinfeger Sören Gibs aus Kottweiler-Schwanden lässt sich für seinen Kunden Harald auch typisieren. „Mit 47 bin ich schon über dem Verfallsdatum“, sagt er, als er deswegen die 40 Euro zahlt.
In zwei Wochen wird sich zeigen, ob unter den Testwilligen der Lebensretter für Harald oder einen anderen Erkrankten auf der Welt dabei ist. Jede einzelne Typisierung bringt einen Funken Hoffnung und Harald einer Operation in der Uniklinik Mannheim näher. Am Sonntag, 6. August, findet von 12 bis 17 Uhr die dritte Aktion für ihn statt, diesmal bei der Freiwilligen Feuerwehr Kindsbach, Hirtenpfad 59. Infos rund ums Spenden gibt es im Internet auf www.stefan-morsch-stiftung.de; Hilfe für Betroffene auf www.krebsgesellschaft-rlp.de.