Ramstein / Landstuhl RHEINPFALZ Plus Artikel Speditionsunternehmen im Kreis sind in unterschiedlichem Ausmaß von Corona betroffen

Für Kay Brust, Jennifer Fey und Stefan Gmach (rechts) von der Landstuhler Spedition G&G International Movers ist die Coronakrise
Für Kay Brust, Jennifer Fey und Stefan Gmach (rechts) von der Landstuhler Spedition G&G International Movers ist die Coronakrise ein Problem. Das Unternehmen ist auf Umzüge von US-Amerikanern spezialisiert.

Speditionsunternehmen in der Region, die auf die Abwicklung von Umzügen amerikanischer Militärangehöriger spezialisiert sind, haben es derzeit durch die Corona-Pandemie schwer. Firmen, die neben dem Umzug noch weitere Standbeine haben, konnten dagegen zulegen. Zwei Beispiele aus der Region:

Stark betroffen sind vor allem Speditionen im Raum Landstuhl und Ramstein, die sich auf die Abwicklung von Umzügen amerikanischer Militärangehöriger spezialisiert haben.

„Unserer Firma geht es gar nicht gut“, gesteht Jennifer Fey von der Firma G&G International Movers GmbH mit Sitz in Landstuhl. Die Nähe zum Flughafen Ramstein sei kein Zufall. „Wir zählen das US-Militär zu unserem größten Auftraggeber“, erklärt sie auf Anfrage der RHEINPFALZ. Aber dies sei zurzeit auch ihr größtes Problem, denn seit dem 16. März seien dem Unternehmen fast alle Aufträge weggebrochen.

In normalen Zeiten sei in diesen Monaten eigentlich Hochkonjunktur. Die Umzüge für ankommende und in die USA zurückkehrende Militärangehörige müssten durchgeführt werden. Die verantwortlichen Stellen hätten jedoch bis zum 30. Juni alle diese Aufträge gestoppt. „Das bedeutet, dass wir seit zwei Monaten praktisch keine Arbeit mehr hatten“, klagt Fey. Lediglich die Umzüge für Militärangehörige, die in Rente gehen, hätten noch erledigt werden dürfen. Außerdem seien die Vorschriften für die Tätigkeit der Firma derart verschärft worden, dass diese eigentlich gar nicht mehr möglich erschien.

„Licht am Ende des Tunnels“

Einsehbar sei ja, dass alle Stellen, die die Mitarbeiter berührt hätten, desinfiziert werden müssten. „Aber darüber hinaus schreibt uns ein Formular vor, dass die jeweiligen Kunden den Gesundheitszustand unserer Mitarbeiter einschätzen sollen. Falls jemand aus unseren Teams wirkt, als sei er erkrankt, sollten die Kunden die Leute wieder wegschicken“, berichtet Fey. Auch das Tragen von Masken sei Pflicht. Obendrein müssten sich alle Familienangehörigen im Haushalt des Kunden während des Ausräumens in einem separaten Raum aufhalten. Die Firma hatte für die vergangenen Wochen Kurzarbeit angemeldet. „Einige Subunternehmer, mit denen wir zusammengearbeitet haben, mussten ihre Leute entlassen und die Firmen schließen“, so Fey.

Wenn der Buchungsstopp weiter angehalten hätte, wäre auch G&G als Unternehmen in seiner Existenz gefährdet gewesen. Aber nun sieht Feys Kollegin Barbara Stegner allmählich Licht am Ende des Tunnels: „Für die kommende Woche hagelt es Buchungen. Der ursprünglich bis 30. Juni anberaumte Buchungsstopp ist aufgehoben und die Saison beginnt“, freut sich die 50-Jährige, dass nun auch für sie die Phase der Kurzarbeit beendet ist.

„Tätigkeit als systemrelevant eingestuft“

Andere Erfahrungen hat dagegen die Möbelspedition Sander gemacht: „Unsere Tätigkeit ist in der gegenwärtigen Situation als systemrelevant eingestuft worden“, berichtet Thomas Antes von der Eduard Sander Möbelspedition GmbH auf Anfrage. Da das Unternehmen neben dem Umzugsservice auch noch andere Standbeine hat, konnte die Firma die Verluste in dieser Sparte ausgleichen: Für große Möbelfirmen übernimmt Sander den Versand – auch von Internetbestellungen – und auch den Aufbau von Möbeln.

Bei den Umzügen sei der Geschäftsverlauf bis Ostern ganz normal gewesen. Im Mai habe es dagegen dann einen spürbaren Rückgang an Aufträgen gegeben, sagt Antes. Allerdings hätten parallel dazu die Auslieferungen der Internet-Bestellungen der Möbelhäuser um 20 bis 30 Prozent zugenommen. Damit seien die Einbußen bei den Umzügen gut zu kompensieren gewesen.

Was die Auslieferung von Neumöbeln für Möbelhäuser betreffe, so habe sich die sechs- bis siebenwöchige Schließung dort ausgewirkt, sodass in diesem Bereich im Nachlauf nun statt mit drei Fahrzeugen nur mit einem gearbeitet worden sei. „Insgesamt gesehen sind wir mit dem bisherigen Geschäftsverlauf sehr zufrieden. Es hat sich gezeigt, dass die verschiedenen Säulen, auf dem das Firmenkonzept beruht, sich als tragfähig erwiesen haben.“

„Der Firma geht es zurzeit sehr gut“

Das mittelständische Unternehmen mit Sitz am Einsiedlerhof beschäftigt 90 Mitarbeiter, die mit sechs Möbelzügen, 18 Möbelwagen, sechs Kundendienstfahrzeugen und sechs Außenaufzügen zu Werke gehen. „Der Firma geht es zurzeit sehr gut“, stellt Antes fest. Kurzarbeit sei kein Thema und vor allem könnten alle einigermaßen stolz darauf sein, dass bisher in diesen bewegten Zeiten kein Mitarbeiter unter einer Erkrankung habe leiden müssen.

Antes führt dies darauf zurück, dass bei der Arbeit die Eineinhalb-Meter-Regel zum Abstandhalten strikt eingehalten werde. Masken würden bei der Arbeit nicht getragen. Allerdings habe die Firmenleitung dafür gesorgt, dass ein hoher Hygienestandard herrsche. So seien alle Sozialräume geschlossen worden. Wenn es der Tätigkeitsbereich von Mitarbeitern erlaube, werde im Homeoffice gearbeitet.

Die Kollegen in den Fahrzeugen seien zu zweit unterwegs und diese Teams blieben auch dauerhaft zusammen. Die Leute seien angehalten, Desinfektionsmittel zu benutzen, aber auch Kanister und Seife würden mitgeführt, damit auch die Hände gewaschen werden können.

Keine Montage in der Wohnung der Kunden

Beim Ausliefern von Einrichtungsgegenständen wie Kühlschränken und Waschmaschinen habe es keine Montage vor Ort in der Wohnung mehr gegeben. Die Ware hätten die Kollegen vor der Wohnungstür platziert. Die Legitimation sei gemäß der Abstandsregelung per Scanner und über das Geburtsdatum angepasst worden.

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