Landstuhl
Sozialdienst katholischer Frauen hilft auch in der Pandemie
„Gegründet wurde der SKF 1954 auf Bitten der Landesregierung“, weiß die Leiterin der heutigen Beratungsstelle, Kerstin Ecker. Aufgrund des Nato-Truppenstatuts gab es damals in und um Landstuhl ein reges Nachtleben und das blieb für so manche junge Frau nicht ohne Folgen. „Gefallene Mädchen nannte man die Frauen damals, die ohne Mann schwanger wurden.“ Der Sozialdienst stand den jungen, schwangeren Frauen zur Seite und bot ihnen mit dem Auffangheim im Landstuhl eine Unterkunft. „Die Leiterin damals war das legendäre Fräulein Hofmann, die mit den Frauen hier gemeinsam lebte“, weiß Ecker.
„Können auch Aufgaben lösen, die nicht zu uns passen“
Die heutige Schwangeren- und Familienberatungsstelle entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte aus dem Auffangheim. Aufgrund der langen Geschichte des Standortes ist der SKF in Landstuhl gut vernetzt. „Deshalb können wir auch Aufgaben lösen, die nicht zu uns passen“, betont die Sozialarbeiterin Ecker stolz. Man könne meist die Hilfesuchenden an Ärzte, Anwälte oder andere Institutionen weitervermitteln. Gleichwohl unterstützen die Institutionen auch den SKF. So spendete der Lions Club 400 FFP2 Masken und Desinfektionsmittel, die der SKF nun den Schwangeren übergeben kann, die sich diese teuren Masken nicht kaufen können.
„Unsere Tür ist offen für alle, die es brauchen“, stellt Ecker klar. Dabei spielten Nationalität und Konfession keine Rolle. „Gerade in der Flüchtlingskrise haben wir sehr viel beraten müssen“, erinnert sie sich. „Unterlagen für die Ämter auszufüllen ist eh schon schwierig – und wenn man die Sprache nicht beherrscht unmöglich.“
Babyladen noch geschlossen
Unterstützung und Informationen bekommen die Frauen nicht nur während der Schwangerschaft, sondern bis das Kind drei Jahre alt ist. Die Frauen und Familien kommen aus den unterschiedlichsten Gründen, verrät die Leiterin des SKF. „Manchmal fehlt die Unterstützung der Familie bei sehr jungen Frauen, andere Familien sind finanziell stark belastet.“ Ab und an bemerken Frauen die Schwangerschaft sehr spät. Dann kann der SKF mit einem Erstlingspaket weiterhelfen, das die notwendigsten Dinge für das Baby enthält. Manchmal seien es aber auch ganz simple Fragen: „Da wird eine Hebamme gesucht oder eine Krabbelgruppe.“
In Ramstein wurde für solche Fragen der Babyladen 2008 eröffnet. Ganz wichtig ist dem SKF, dass der Babyladen kein Basar für Kinderkleidung ist. „Es ist eine Begegnungsstätte, hier soll ein Austausch unter den Frauen und mit der Beratung stattfinden.“ Eine Hebamme ist während der Öffnungszeiten dabei, um Fragen zu beantworten. Natürlich bekamen die Frauen hier auch ihre Babyerstausstattung. In Zeiten von Corona ist das schwierig geworden. Der Babyladen durfte noch nicht wieder geöffnet werden.
„Corona-Krise macht Schwangeren schwer zu schaffen“
Überhaupt macht die Pandemie Ecker und ihren Kolleginnen das Leben schwer. „Im ersten Lockdown kamen die Frauen an das Fenster und haben geklopft.“ Dann seien sie oftmals in akuten Krisensituationen ein wenig spazieren gegangen, um ungestört über die Probleme reden zu können. Auch die Babyerstausstattung gibt es jetzt in Landstuhl. „Die haben wir im ersten Lockdown, genau wie ausgefüllte Formulare für Ämter, aus dem Fenster gereicht.“ Dank eines strengen Hygienekonzepts ist die Anlaufstelle in der Kirchenstraße wieder geöffnet. Aber die besondere, vertraute Atmosphäre fehlt, bedauert Ecker. „Der Flur war voller Kinderspielsachen, wir beraten hinter der Glasscheibe mit Maske.“ Die ziehe sie immer für einen kurzen Moment beim Erstgespräch herunter: „Die Frauen müssen doch sehen, wer dahinter steckt, um Vertrauen zu haben.“ Allerdings habe sich die Anzahl der persönlichen Beratungen fast halbiert seit dem ersten Lockdown. Verdreifacht hat sich die Anzahl der Telefonate. Die Corona-Krise mache nämlich auch den Schwangeren schwer zu schaffen. „Da geht es um Fragen wie: „Muss ich unser Kind alleine zur Welt bringen?“, „Wo wird etwas für mich angeboten?“
Jeden Dienstag geht Nina Lambrecht vom SKF im Krankenhaus in Landstuhl auf der Entbindungsstation von Zimmer zu Zimmer. „Ich frage einfach, ob die jungen Mütter Hilfe brauchen“, berichtet sie. „Wir haben schon Anträge für das Elterngeld am Krankenbett ausgefüllt“, schmunzelt sie. Das sei nämlich nicht ganz so einfach. „Da bekommen sie ein Formular, falten es auf und dann ist der ganze Tisch belegt“, beschreibt sie die Größe eines solchen Antrags.